… gasdurchbruch …

Mit der Unterzeichnung des Gasliefervertrages zwischen Gazprom und Naftogaz Ukrainy kann russländisches Erdgas wieder zu seinen Abnehmern in der EU und dem Westbalkan geliefert werden. Dies stellt einen beachtlichen Erfolg der Ukraine dar, denn es ist gelungen, die von Russland geforderte Entkoppelung des Gastransits in die EU von den bilateralen Gasgeschäften zwischen der Ukraine und Russland zu blockieren. Rasch war in den letzten Tagen klar geworden, dass der Gasstreit nur durch eine Paketlösung, wie sie heute erfolgt ist, beendet werden konnte.

Das Einfrieren der Gastransitkosten bis 2010 war an sich bereits 2006 vertraglich festgelegt worden – allerdings war dieses Abkommen durch ein willfähriges Gericht in Kiiv aufgehoben worden; jetzt ist es also noch einmal festgeschrieben worden. Die Ukraine hat nun akzeptiert, bereits 2010 die gleichen Preise für russländisches Erdgas zu bezahlen, wie die Abnehmer in der EU. Vor dem Gasstreit hatte Russland dies von der Ukraine erst für 2011 abverlangt. Nun gut. Unklar ist noch, was ‘europäische Preise’ sind – denn die sind in den einzelnen Abnehmerstaaten durchaus unterschiedlich. Daher ist es auch schwer zu sagen, wieviel die Ukraine tatsächlich bezahlen wird müssen. Aber auch hier ist zu vermuten, dass der Jahresdurchschnittspreis sich ungefähr dort bewegen wird, worauf sich Putin und Timoshenko bereits im Oktober 2008 geeinigt hatten.

Es ist jedenfalls zu hoffen, dass die Preisformel des nun unterzeichneten Vertrages tatsächlich belastbar sein wird. Verträge in dieser rechtsfreien Region werden allerdings nicht immer als bindend betrachtet. Der Ukraine bleibt jedenfalls solange ein immenses Erpressungspotential gegenüber Russland, solange 78 Prozent des russländischen Gasexports über das ukrainische Leitungsnetz abgewickelt werden.

Grundsätzlich positiv ist der Umstand, dass der Vertrag eine Laufzeit von 10 Jahren haben soll. Damit könnte die unselige Praxis zu Ende gehen, nur einjährige Lieferverträge abzuschließen, die genau in der hochwinterlichen Zeit auslaufen. Gut auch, dass der Zwischenhändler RosUkrEnergo ausgeschaltet wird. Auch darauf hatten sich Putin und Timošenko bereits im Oktober 2008 verständigt. Nachdem den ukrainischen Präsidenten Juščenko mit diesem Unternehmen – nun, wie nennen wir es – einträgliche Bande verbinden, hatte er das Oktoberabkommen untergraben und einen Verhandlungsabschluss am 31. Dezember 2008 abgeblockt. Es bleibt abzuwarten, wie die Detailregelungen tatsächlich aussehen.

Offen ist derzeit auch, ob das Gasvolumen, das Gazprom direkt an ukrainische Endkunden vermarkten darf, angehoben wurde. Offen ist auch, ob sich Naftogaz und Gazprom darauf verständigt haben, wie die Zahlungen für das gelieferte Gas und die Transitgebühren abgewickelt werden. Übrigens wurde die Forderung Gazproms nach Pönalezahlungen an die Ukraine von 610 Millionen USD heute nicht mehr erwähnt; ganz zu schweigen von den Schadensersatzzahlungen, die beide voneinander gefordert hatten.

n den großen Linien wurde heute ein Vertrag unterzeichnet, der bereits im Oktober 2008 zwischen Putin und Timošenko vereinbart worden war und am 31.12.2008 auch zur Unterzeichnung vorgelegen war. Blockiert wurde der Vertragsabschluss damals von Viktor Juščenko. Für ihn brechen jetzt wohl eher kalte Zeiten an, auch wenn nun auch die Ukraine wieder Gas erhalten wird. Aber in der  Yuri Kotsyubynsky Straße 10 in Kiiv wird er sicher immer ein warmes Zimmerchen finden.

Der Kommentar wurde am 19. Jänner 2009 auch als ‘Fremde Feder: Paketlösung im Gasstreit’ auf www.derstandard.at veröffentlicht.

… gaskrise_splitter … (latest entries on top)

11_01_09   Die russländische Regierung hat die Unterschrift unter die Vereinbarung mit der EU über die Kontrolle des Gastransits über das ukrainische Leitungsnetz zurückgezogen: Nach derzeitigem Wissensstand hat sich Russland dazu entschlossen, weil die Ukraine einen Zusatz zur Vereinbarung beigefügt hat, in dem die ukrainische Deutung der Gaslieferunterbrechung, vor allem aber auch die Begrenzung der Vereinbarung auf einen Monat, festgehalten ist. Der Grund für die ukrainische Vorgangsweise, die damit vorsätzlich die Vereinbarung scheitern liess, liegt wohl darin, dass zwar die EU und Russland, aber nicht die Ukraine Interesse an einem ungestörten Gastransit russländischen Gases haben. Die Ukraine will die Transitfrage gleichzeitig mit dem Abschluss eines neuen Gasliefervertrages mit Russland und einer Regelung der (angeblichen) ukrainischen Gasschulden lösen. Die ukrainische Regierung ist sich wohl bewusst, dass die bilaterale Verhandlungsposition gegenüber Russland äusserst schwach wird, sobald der Gastransit in die EU wieder funktioniert; auch die EU dürfte am bilateralen Gaskonflikt Russland-Ukraine dann wohl kaum noch Interesse zeigen.

10_01_09  Nachdem Russland und die EU eine Vereinbarung über die Kontrolle des Gastransits über das ukrainische Leitungsnetz in die EU und den westlichen Balkan unterzeichnet haben, ist die ukrainische Regierung erheblich unter Druck geraten: sollte sich die Ukraine weigern, diese Vereinbarung ebenfalls zu unterzeichnen, riskiert sie eine erhebliche Belastung des Verhältnisses zur EU. Gazprom ist mit der Beobachtermission gelungen, durchzusetzen und international abzusichern, was bereits mit dem Transitvertrag zwischen Gazprom und Naftogaz Ukrainy im Jänner 2006 vereinbart worden war: der Transit russländischen Gases in die EU wird vom bilateralen ukrainisch-russländischen Gasgeschäft entkoppelt. Die Ukraine gerät jetzt in eine Lage, wo ihr größtes Druckmittel, Russland mit dem Gastransit zu erpressen, nicht mehr greift. Gazprom kann nun davon ausgehen, dass der Transit russländischen Gases ungefährdet sein wird, ohne dass Russland der Ukraine Gas für den Eigenverbrauch liefern muss. Wenn sich die Ukraine nun mit Russland über einen neuen Gasliefervertrag einigen will, wird der Erdgaspreis sehr viel höher sein, als die ursprünglich von Gazprom angebotenen 250 USD/1000m3. Das einzige Mittel, das der Ukraine noch bleibt, ist der Bruch des Transitvertrages mit Gazprom vom 3. Jänner 2006, der den Transittarif auf 1.6 USD/1000m3/100 km festschreibt. Zwar hat ein Kiiver Gericht den Vertrag als ungültig bezeichnet, aber nach dem Transitvertrag ist die ukrainische Gerichtsbarkeit dafür nicht zuständig.

Das ukrainische Gericht hat sein Urteil übrigens damit begründet, dass der damalige stv. Direktor des ukrainischen Gaskonzerns Naftogaz Ukrainy nicht zeichnungsberechtigt war. Erstaunlich, dass das Gericht 3 Jahre brauchte, um diesen Sachverhalt zu eruieren…

… das ukrainische kalkül im gasstreit …

Im Handelsstreit zwischen Russland und der Ukraine wolle die EU keine Vermittlerrolle übernehmen, weil der Streit undurchsichtig sei – diese geradezu lächerliche Haltung war in den Korridoren der EU Kommission zu hören. Auch in Prag war man an einer aktiven Rolle der EU in der Lösung des Gasstreites nicht interessiert; möglich, dass Tschechien mit der Ratspräsidentschaft überfordert ist; vielleicht aber hat sich die tschechische Regierung auch mit Kiiv abgestimmt. Die Ukraine kann es sich im Gasstreit leisten zuzuwarten – die Gasreserven reichen für viele Wochen aus. Das ukrainische Kalkül war zweifellos, die Abhängigkeit des russländischen Gasexportes vom ukrainischen Leitungsnetz auszunützen und Gazprom in Zugzwang zu bringen: entweder Gazprom gibt im Streit um Schuldentilgung und Gaspreis nach oder Russland muss die Krise eskalieren, indem die Gasversorgung von EU-Abnehmern unterbrochen wird. Das aber würde das Ansehen Russlands als verlässlicher Erdgasversorger nachhaltig beschädigen und die ukrainische Position stärken, sollte die EU daraufhin zu vermitteln suchen.

Die Eskalation durch Russland zielte darauf, die EU zu einer aktiven Rolle zu zwingen, um eine Einigung mit der Ukraine zu erzielen; hätte sich die EU früher darum bemüht, im Handelsstreit zu vermitteln, wäre die Unterbrechung der Gasversorgung vermeidbar gewesen. Der Handelsstreit wird beigelegt werden, weil er auf finanziellen Differenzen beruht, die durch Intervention der EU beigelegt werden können.

Wenn sich dieses Szenario aber nicht wiederholen soll, ist eine Einigung über den Verkaufspreis russländischen Gases an die Ukraine nicht genug. Die EU muss auf einen mehrjährigen Liefervertrag zwischen Gazprom und Naftogaz Ukrainy drängen, der eine transparente Preisformel enthält. In diesen Vertrag müsste auch die Regelung der Transittarife aufgenommen werden (auch wenn es dazu bereits einen gültigen Vertrag bis 2010 gibt). Gleichzeitig müssen ukrainische Zahlungen für das erhaltene Gas gesichert sein; angesichts der dramatischen finanziellen und wirtschaftlichen Krise in der Ukraine wird dies ohne Finanzhilfe durch die EU nicht möglich sein. Diese Hilfe aber sollte die EU an die Einrichtung eines internationalen Konsortiums knüpfen, das die operative Kontrolle über das ukrainische Gasleitungsnetz übernimmt – und damit auch überwachen könnte, wie viel Erdgas Gazprom tatsächlich in das ukrainische Leitungsnetz einspeist. Die Ukraine würde natürlich das Eigentum am Leitungsnetz behalten. Die Gasleitungen müssen dringend gewartet und modernisiert werden; diese Aufgabe könnte durch internationales Konsortium besser abgewickelt werden.

Die Lösung der akuten Krise reicht aber nicht, um die Gasversorgung der EU sicherer zu machen; angesichts des steigenden Importbedarfs der EU im Gassektor sind strategische Entscheidungen erforderlich. Die dominante Stellung Russlands als Gasversorger ist dabei zweifellos wichtig, auch wenn unklar ist, wie viel Gas Russland in den nächsten Jahren exportieren kann: die Förderung in den traditionellen nordwestsibirischen Gasfelder geht deutlich zurück, die Erschließung neuer Gasfelder auf der Halbinsel Yamal und in der Barentssee ist kosten- und technologieintensiv, der Inlandsverbrauch steigt.

Zentral für die sichere Gasversorgung der EU ist die stärkere Diversifizierung der Gaslieferländer und den Bau von Gasleitungen, die Russland umgehen. Der weitere Ausbau des mediterranen Leitungsnetzes mit Algerien und Libyen, die Nutzung von Flüssiggas aus Qatar und Westafrika sind unerlässlich. Das Nabucco-Projekt schließlich ermöglichte nicht nur den Zugriff auf neue Lieferländer – die kaspischen Staaten; auch würde damit ein Leitungsstrang eingerichtet, der nicht von Russland kontrolliert wird. Nabucco aber ist derzeit noch immer unwägbar, wenn nicht auch iranisches Gas genützt werden kann; darauf zu verzichten, ist fahrlässig.

Zusätzlich zur Diversifizierung von Lieferländern und neuen Versorgungsleitungen gilt es aber auch, den russländischen Gasexport in die EU auf verschiedene Gasleitungen zu streuen. Es ist für die EU ein Sicherheitsrisiko, dass 78 Prozent der Versorgung mit russländischem Erdgas über ein einziges Transitland – die Ukraine – erfolgt. Daher ist es fahrlässig, dass die Vorhaben zum Bau der Nord Stream Gaspipeline von Russland über die Ostsee in das deutsche Greifswald und weiter in die Niederlande von einzelnen Mitgliedsstaaten der EU weiterhin blockiert wird. Die EU braucht Führungsstärke, in Prag wird diese nicht zu finden sein.

Dieser Kommentar ist am 8. Jänner 2009 in der Tageszeitung ‘Der Standard‘ erschienen.

Foto: http://www.alaska-in-pictures.com/data/media/17/winter-alyeska-pipeline_3235.jpg

… gasstreit und russländische gaswirtschaft …

Der Streit zwischen Russland und der Ukraine lässt sich vor allem auf wirtschaftliche Faktoren zurückführen. Die Gasproduktion in den nordwestsibirischen Gasfeldern geht stark zurück. Gazprom benötigt daher ernorme finanzielle Mittel, um neue Felder zu erschliessen, Gasleitungen zu modernisieren und neue Leitungen zu bauen. Angesichts sinkender Gaspreise ´muss der russische Konzern marktgerechte Preise bei allen Abnehmern – auch bei der Ukraine – durchsetzen.

Russland hält mit 26.4 Prozent die höchsten gesicherten globalen Reserven an Erdgas; Qatar und Iran 16.1 bzw. 15.3. Der Anteil von Erdgas am Energieaufkommen Russlands ist mit 57.1 Prozent außerordentlich hoch. Der hohe Anteil von Gas am Energieaufkommen und die Höhe des Eigenverbrauches sind aber vor allem auf die niedrigen Erdgaspreise für industrielle Abnehmer und private Haushalte zurückzuführen. Bis 2011 sind in Russland aber erhebliche Preissteigerungen für Gas vorgesehen – zunächst für industrielle Abnehmer, dann aber auch für private Haushalte. Daraus werden Anreize entstehen, die Energieeffizienz zu steigern und alternative Energieträger – Kohle und Kernenergie – zur Wärme- und Stromenergie zu nutzen. Dies ist ein immenses Investitionsvorhaben, das aber angesichts der massiven Finanzmarktkrise in Russland als unsicher gelten kann.

Erdgas wird in Russland von der staatlich kontrollierten Gazprom und den beiden privaten Unternehmen Itera und Novatek gefördert. Der Anteil von Gazprom an der Förderung liegt 2008 bei 83 Prozent. Novatek und Itera dürfen ihr Erdgas nur auf dem heimischen Markt verkaufen. Nur Gazprom ist es gesetzlich erlaubt, Erdgas zu exportieren; zuerst aber muss Gazprom den russländischen Binnenmarkt versorgen; annähernd 64 Prozent der gesamten Erdgasförderung Gazproms werden dafür bereitgestellt.

Die Erdgasproduktion in Russland liegt derzeit bei 607.4 bcm. Die Internationale Energieagentur (IEA) der OECD in Paris erwartet bis 2030 einen Anstieg auf 794 bcm. Die Regierung hat mehrere Maßnahmen eingeleitet, um den Binnenkonsum an Gas abzusenken, und damit mehr Gas für den Export freizumachen. Dazu gehören Maßnahmen zur Senkung des Energiebedarfs, Steigerung der Energieeffizienz, verstärkte Nutzung von Steinkohle und nuklearer Energie, aber auch radikale Maßnahmen gegen das Abfackeln (gas flaring) von Gas, das bei der Erdölgewinnung anfällt (associated gas). Erdgas im Wert von mehreren Milliarden USD werden derzeit jährlich verfeuert, weil es nicht in Gasleitungen eingespeist oder in Gaskraftwerken verfeuert werden kann.

Das Kernproblem der russländischen Gaswirtschaft aber ist die rückläufige Produktion in den bisherigen Förderregionen, den riesigen Gaslagerstätten im nordwestlichen Sibirien. Die Förderhöchstleistung in diesen Feldern wurde bereits erreicht, die Absenkung des Fördervolumens unvermeidbar. Die Fördermenge in dieser Region wird von derzeit (2007) 480 bcm auf 175 bcm in 2030 zurückgehen.

Die Erschließung neuer Gasfelder ist daher das vordringlichste Ziel für Gazprom. Die neuen Gasförderregion sind die Vorkommen der Halbinsel Jamal und die Gaslagerstätten der Barentssee. Die Erdgasförderung in diesen Regionen ist technisch äußerst schwierig und sehr kostenintensiv; daher muss Gazprom mit ausländischen Unternehmen zusammenarbeiten. Gazprom wird in den nächsten Jahren aber auch erhebliche finanzielle Mittel in die Wartung und Modernisierung der bestehenden Pipelineinfrastruktur investieren müssen.

Aufgrund des niedrigen Preisniveaus auf dem Binnenmarkt ist Gazprom daran interessiert, den Anteil des für den Export verfügbaren Gases zu erhöhen. Derzeit kann Gazprom aber nur 34 Prozent seines geförderten Gases exportieren. 73 Prozent davon werden in der EU und in der Türkei verkauft. Die Preise, die Gazprom in den EU-Staaten erzielen kann sind dabei deutlich höher als in den Staaten der ehemaligen UdSSR; diese Märkte sind für Gazprom daher wenig lukrativ, solange nicht auch in diesen Staaten marktgerechte Verkaufspreise erzielt werden können.

Das Gasleitungsnetz von Gazprom führt derzeit nur über Transitländer in den Raum der Europäischen Union – ein nicht unerhebliches Sicherheitsrisiko aus russischer Sicht. Bis 1999 konnte Gazprom sein Gas nur über das ukrainische Leitungsnetz exportieren; seit damals wird über die Jamal-Pipeline Erdgas über Belarus und Polen nach Deutschland transportiert. 2003 schließlich wurde die Leitung Blue Stream in Betrieb genommen; diese Leitung führt auf dem Boden des Schwarzen Meeres an die türkische Schwarzmeerküste. Aber noch immer 78 Prozent der russländischen Gasexporte werden über das ukrainische Leitungsnetz geführt.

Gazprom ist daher interessiert, sein Exportleitungsnetz weiter zu diversifizieren. Die zentralen Vorhaben dafür sind die Leitungen Nordstream und South Stream. Nordstream ist eine Gasleitung, die russisches Gas ab 2011 über die Ostsee direkt nach Deutschland exportieren soll. Das Projekt wird von Gazprom zusammen mit den deutschen Unternehmen BASF/Wintershall und E.On, sowie der niederländischen Gasunie getragen. Estland, Lettland und Polen, unterstützt von der schwedischen Regierung (und Finnland), blockieren das Vorhaben – unter Verweis auf ökologische Bedenken und militärische Sicherheitsrisiken.

Mit South Stream möchte Gazprom eine ‚Südumgehung‘ des ukrainischen Transitweges errichten. Das Projekt wird von Gazprom mit der italienischen ENI vorangetrieben. Die Gasleitung wird von der russländischen Schwarzmeerküste auf dem Seeboden des Schwarzen Meeres zum bulgarischen Varna und von dort in zwei Routen nach Italien und nach Österreich geführt werden.

Das sind also die strategischen Interessen der russischen Gaswirtschaft. Der Handelsstreit mit der Ukraine ist daher nur am Rande auch politisch begründet; im Kern aber geht es für Russland um finanzielle und gaswirtschaftliche Interessen.

Der Kommentar ist am 8. Jänner 2009 in der Tageszeitung ‘Die Presse‘ erschienen.

Foto: http://www.nationalpost.com/related/links/144151.bin?size=404×272

… die gaskrise und das versagen der EU …

Durch die von Gazprom eingeleitete Absenkung der Gasversorgung über das ukrainische Leitungsnetz um 65.3 Millionen m3 hat sich die Gaskrise erheblich verschärft. Die Kompensation über erhöhte Gasliefermengen durch die zwei alternativen Exportleitungen Russlands – die Jamal-Pipeline (über Belarus und Polen nach Deutschland) und die Blue-Stream Leitung (auf dem Boden des Schwarzen Meeres) in die Türkei – ist nicht möglich; dazu reicht deren Transportkapazität nicht aus.

Die Transportkapazität der Yamal-Pipeline liegt bei 33 Mrd.m3 jährlich, der Blue Stream 16 Mrd. m3 jährlich. Der derzeitige Gasexport Russlands in die EU-27 liegt bei 121 Mrd. m3. Nimmt man die Türkei hinzu, die aus Russland fast ausschließlich über Blue Stream versorgt wird, liegt das Exportvolumen Russlands bei 143.5 m3.

Bislang hatte Russland lediglich die Gasversorgung der Ukraine eingestellt; eine Entscheidung, die völlig rechtskonform ist; ohne bestehenden Liefervertrag, in dem Volumen und Preis festgelegt sind, ist das Aussetzen des Gasverkaufs an die ukrainische staatlich kontrollierte Naftogaz Ukrainy zulässig.

Für den Transit russländischen Erdgases zu Abnehmern in der EU und im westlichen Balkan gibt es eine Rechtsgrundlage – der am 3. Jänner 2006 zwischen Russland und der Ukraine abgeschlossene Transitvertrag, der die von Gazprom zu entrichtende Gebühr für die Durchleitung des Gases über das ukrainische Leitungsnetz auf 1.6 USD pro 1000 m3 pro 100 km festlegt. Ein Gericht in Kiiv hat diesen Vertrag gestern für ungültig erklärt; nach den Regeln des Transitvertrages ist die ukrainische Gerichtsbarkeit dazu aber nicht berechtigt.

Nun rächt sich, dass die EU in den letzten Jahren nahezu ausschließlich die Diversifizierung der Gaslieferländer und die Diversifizierung von Gasversorgungsrouten aus dem nicht-russländischen Raum vorangetrieben hat. Das Sicherheitsrisiko, dass 78 Prozent der russländischen Gasexporte in die EU und den westlichen Balkan ausschließlich über ein Transitland erfolgen – nämlich die Ukraine – wurde, wohl aus politischen Gründen, ignoriert. Der Bau alternativer russländischer Gasexportleitungen – allen voran der Nord Strim Leitung vom russländischen Vyborg über die Ostsee in das deutsche Greifswald – wird nun schon seit Jahren blockiert.

Völlig versagt haben in der letzten Woche die Europäische Kommission, v.a. aber die Mitgliedsstaaten der EU. Die Haltung, den Konflikt zwischen Gazprom und Naftogaz Ukrainy als ‚Handelsstreit‘ abzutun, der keiner Vermittlung durch die EU bedürfe, ist inhaltlich nicht nachvollziehbar. Die Begründung, dies sei auch deshalb nicht möglich, weil die Lage ‘undurchsichtig’ sei, ist geradezu lächerlich. Die EU hat auch den russländischen Vorschlag, den Gasdruck bei der Einspeisung russländischen Gases in das ukrainische Leitungsnetz zu überwachen, nicht aufgegriffen. Nutzniesser der Passivität der EU ist stärker die Ukraine, als Russland. Die Entscheidung von Gazprom, das Gasversorgungsvolumen drastisch abzusenken, ist zwar der Versuch, die EU zu einer Vermittlerrolle zu drängen, wird aber in der EU, aber auch auf der medialen Ebene, erneut als Zeichen der mangelnden Lieferverlässlichkeit Russlands interpretiert werden. Andererseits hat(te) Russland auch kein anderes Instrument, um die Ukraine unter Druck zu setzen. Trotzdem ist die Entscheidung der russländischen Regierung, das Liefervolumen derart drastisch abzusenken, nicht akzeptabel.

Tschechien ist mit der Aufgabe der EU-Ratspräsidentschaft völlig überfordert. Während bei der Suche nach einer Waffenstillstandsformel für die militärischen Auseinandersetzungen im Gazastreifen eine Heerschar miteinander rivalisierender EU-Delegationen mobilisiert wurde, war die EU im Gasstreit nahezu untätig; bisher wurden in die Krisengespräche nur nachgeordnete Beamte und Botschafter der Mitgliedsstaaten bei der EU einbezogen. Das ist ein erbärmliches Zeugnis für die Fähigkeit der EU, Bedrohungen der elementaren Sicherheit der Mitgliedsstaaten in der Energieversorgung zu bewältigen. Aber vielleicht gelingt es der EU, im Gazastreifen auf erhebliche Gasvorkommen zu stoßen.

Foto: https://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,grossbild-739122-491913,00.html

Als ‘Fremde Feder’ am 6.1.2009 auch in der online-ausgabe ‘Der Standard’ erschienen.

… finanzkrise und oligarchen …

‘Renationalisierung wird wahrscheinlicher’. Interview mit der Tageszeitung ‘Der Standard’, abgedruckt am 2.1.2009

STANDARD: Gegen die Schockwellen von der Wall Street waren nicht einmal die Reichsten der Reichen in Russland gefeit. Warum?

Mangott: Die großen russischen Unternehmen sind hoch verschuldet; die Expansion der letzten Jahre wurde nur über Kredite finanziert. Zwar ist die Staatsverschuldung Russlands in den letzten acht Jahren stark gesunken – von 156 Mrd. Dollar im Jahr 2000 auf nun etwa 33 Mrd. Dollar. Die Unternehmensverschuldung ist aber dramatisch gestiegen. Die Außenverschuldung der russischen Unternehmen beträgt mehr als 520 Mrd. Dollar.

STANDARD: Warum ist das plötzlich ein Problem?

Mangott: Zum einen sind diese Hartwährungskredite wegen des relativen Wertverlustes des Rubel jetzt teurer zu bedienen. Gleichzeitig haben die Sicherstellungen, die von russischen Unternehmen gegenüber ausländischen Gläubigern vorgenommen wurden, aufgrund des Aktienkursverfalls stark an Wert verloren. Das hat wiederum Nachschussverpflichtungen ausgelöst. Selbst für große Unternehmen aus dem Metallurgiebereich, der Petrochemie, der Öl- und Gasindustrie wird es zunehmend schwer, sich zu refinanzieren.

STANDARD: Wer wird als Sieger, wer als Verlierer daraus hervorgehen?

Mangott: Relativ gesichert sehe ich, in abnehmender Reihenfolge, den Eigentümer der Bank Rossiya, Juri Kovalcuk, Roman Abramovich, Oleg Deripaska. Michail Fridman und den Chef der Interros-Holding, Wladimir Potanin. Sie haben enge Beziehungen zu Ministerpräsident Wladimir Putin. Suleiman Kerimow, der seine Anteile an Gasprom und Sberbank inzwischen verkauft hat, steht stärker unter Druck. Für alle aber gilt: Die Abhängigkeit vom Staat wird größer.

STANDARD: Der Kreml entscheidet, wem geholfen wird und wem nicht?

Mangott: Das kann man so sagen. Es gibt keine transparenten Verfahren, welches Unternehmen wie viel an staatlicher Hilfe zur Refinanzierung seiner Außenschulden erhält, die Aktien welcher Unternehmen durch staatliche Aktienkäufe gestützt werden. Sollte die Rubelabwertung anhalten und die Liquiditätskrise am Finanzmarkt anhalten, wird eine teilweise Renationalisierung wahrscheinlicher, auch wenn die Regierung dies jetzt dementiert.

STANDARD: Könnte das schon im Laufe des Jahres 2009 passieren?

Mangott: Nach jetzt vorliegenden Vereinbarungen würden Aktienübertragungen in staatliche Hand 2010 erfolgen. Eine solche Vereinbarung gibt es etwa beim Metallurgiekonzern Norilsk Nickel …

STANDARD: … an dem Deripaska, der wegen der Finanzkrise im Oktober seine Beteiligungen an Magna und am Baukonzern Hochtief abstoßen musste, die Sperrminorität hält.

Mangott: Deripaska hat sich im Frühjahr 2008 einen Machtkampf mit Potanin um die Führung von Norilsk Nickel geliefert. Der Preis für die 25 Prozent plus zwei Aktien, die Deripaska gekauft hat, war damals sehr hoch. Inzwischen ist der Wert des Aktienpakets, das er bei der Kapitalaufnahme im Ausland als Sicherstellung verwendet hat, um 70 Prozent gefallen.

STANDARD: Er musste Geld nachschießen?

Mangott: Genau. Zur Refinanzierung hat er 4,5 Mrd. Dollar von der Entwicklungsbank VEB erhalten. Diese hat Mittel von der Zentralbank und aus dem staatlichen Reservefonds zur Gewährung von Refinanzierungskrediten bekommen.

STANDARD: War das politische Naheverhältnis Deripaskas zu Premier Putin dafür ausschlaggebend?

Mangott: Es hat sicher nicht geschadet. Es gibt aber auch ein starkes volkswirtschaftliches Interesse dabei. Die Regierung will unbedingt vermeiden, dass Deripaskas Anteil an Norilsk Nickel an ausländische Banken fällt. Deshalb die Vereinbarung mit der VEB, wonach das Aktienpaket, das Deripaska an Norilsk Nickel hält, an den Staat fällt, sollte er binnen zwei Jahren die Refinanzierung nicht schaffen.

STANDARD: Ist mit politischen Unruhen in Russland zu rechnen?

Mangott: Zuletzt hat es sehr viel zu verteilen gegeben. Die Realeinkommen sind durchschnittlich um gut zwölf Prozent pro Jahr gestiegen, die individuelle Haushaltssituation hat sich in Russland stark verbessert. Das gilt nicht für den wachsenden Anteil der Pensionisten. Der Zuwachs bei den Renten ist deutlich unter den Lohn- und Gehaltssteigerungen geblieben.

STANDARD: Kann sich das zu einem Problem auswachsen?

Mangott: Die Unzufriedenheit nimmt zu. Nur – Pensionisten sind in Russland nicht organisiert. Durch die Währungsabwertung und Massenentlassungen wird die soziale Unruhe aber auch auf den Mittelstand übergreifen. Allerdings sind derzeit keine politischen Kräfte auszumachen, die daran interessiert sind, die soziale Unzufriedenheit politisch auszunützen. Der größte russische Gewerkschaftsverband beispielsweise hat die finanziellen Interessen der eigenen Organisation im Auge, nicht die der Mitglieder. Er hat ein beträchtliches Immobilienvermögen. Sollten die Gewerkschaftsfunktionäre sozialen Widerstand organisieren, würde der Staat die Gewerkschaft wohl enteignen. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 2.1.2009)

Foto: http://bp1.blogger.com/_-VAK4mPxH_k/SHqr67FKmtI/AAAAAAAAAOk/h6JscU06o2E/s1600-h/stock_market_crash.jpg

… die russländische finanzkrise …

Die russländische Volkswirtschaft wurde durch die Finanzkrise stark getroffen. Der Kapitalabfluss ab Juli 2008 war äusserst stark, der Bankenmarkt war mit einer drastischen Liquiditätskrise konfrontiert und die im Ausland hoch verschuldeten Grossunternehmen waren starkem Druck der Gläubiger ausgesetzt. Der russländische Rubel kam unter starken Abwertungsdruck; allein im September und Oktober 2008 musste die Zentralbank 57.5 Mrd. USD zur Stützung der Währung aufwenden.

Russland war aber mit einer Doppelkrise konfrontiert. Zur Finanzkrise, die immer stärker auf die Realwirtschaft durchzuschlagen begann, kam ein starker Einnahmerückgang aus dem Export von Rohöl und, zeitversetzt, auch Erdgas (dessen Preis in den langfristigen Lieferverträgen mit westeuropäischen Abnehmern über eine Preisformel an den Ölpreis gebunden ist) sowie vieler metallurgischer Produkte, aufgrund der stark fallenden Preise für diese Rohstoffe. Der Staatshaushalt für 2008 war von einem durchschnittlichen Rohölpreis von 75 USD/barrel ausgegangen, das Budget für 2009 von 95 USD. Im November 2008 aber war der Preis für die russländische Rohölmarke Ural auf 46 USD/barrel abgesunken.

Aufgrund des anhaltenden globalen Nachfragerückgangs für Rohöl, ist auch 2009 mit niedrigen Rohölpreisen zu rechnen. Dadurch sinken nicht nur Devisenzufuhr und Einnahmen für den staatlichen Reservefonds, sondern auch die Budgeteinnahmen aus Fördersteuern und Exportzöllen auf Energieträger gehen zurück. Auch das allgemeine Steueraufkommen geht aufgrund der wirtschaftlichen Krise zurück. Zur Stützung der russländischen Unternehmen wird zudem die Körperschaftssteuer mit Jänner 2009 um 4 Prozent auf 20 Prozent abgesenkt werden. Dadurch sind Mindereinahmen für den Staatshaushalt von annähernd 15 Milliarden USD zu erwarten. Die Regierung hat sich im November 2008 daher entschieden, auf die Mittel des Reservefonds zurückzugreifen, um die Budgetlage zu stabilisieren.

Die Regierung war auch gezwungen, die Hartwährungsreserven der Zentralbank zur Stützung des Rubels, zur Sicherung der Liquidität im Bankensektor und zum Ankauf von Aktien hoch bewerteter Unternehmer (blue chip) zu nutzen. Allein von September bis November 2008 hat die Zentralbank 185 Mrd. USD zur Stützung des Bankensektors eingesetzt. Der RR hat vor allem gegenüber dem USD an Wert verloren. Die russländische Zentralbank war dem Konzept des ‚managed floating‘ gefolgt; dies bedeutet, den Wert der eigenen Währung sich gegenüber einem Korb ausländischer Währungen nur innerhalb einer bestimmten Bandbreite bewegen zu lassen. Der Währungskorb besteht aus USD (55 Prozent) und Euros (45 Prozent). Angesichts des hohen Kapitalabflusses seit Juli 2008 und dem steigenden Inflationsdruck hat sich die Zentralbank entschieden, den Währungskorridor schrittweise auszuweiten, was zu einer langsamen Abwertung des RR führt.

Die Regierung war entschlossen, eine Schockabwertung wie 1992 und 1998 zu verhindern. Die Rubelabwertung würde zwar grundsätzlich die Wettbewerbsfähigkeit russländischer Exporte erhöhen; gleichzeitig aber würden darunter viele russländische Unternehmen leiden, die hohe Hartwährungskredite aufgenommen hatten.

Über die Außenwirtschaftsbank (Vnešekonombank) wurden privaten Unternehmen Kredite zur Refinanzierung ihrer Auslandschulden bereitgestellt. Die Verschuldung der Unternehmen (auch vieler staatlicher Unternehmen) war in den vergangenen Jahren drastisch angewachsen und erreichte im Juli 2008 510 Mrd. USD. Zusammen mit den souveränen Hartwährungsschulden droht die Auslandsverschuldung die Hartwährungsreserven zu übersteigen, weswegen Russland 2008 erstmals seit 1998 wieder ein Zahlungsbilanzdefizit aufweisen könnte. Viele Unternehmenskredite wurden durch Aktienanteile an russländischen Unternehmen abgesichert. Durch den drastischen Kursverfall an den russländischen Börsen RTS und MICEX (der Aktienindex ist zwischen Juni und November 2008 um 64.5 Prozent gefallen) aber nahm der Wert der Sicherstellungen drastisch ab und die Gläubiger verlangten zusätzliche Sicherstellungen oder Kreditrefinanzierungen. Allein die Aluminiumholding RusAl von Oleg Deripaska erhielt von der Außenwirtschaftsbank 4.2 Mrd. USD an Überbrückungshilfe zur Refinanzierung.

Lange Zeit versuchte die russländische Führung, die Finanzkrise herunterzuspielen; die staatlich kontrollierten Medien berichteten kaum darüber. Im Spätherbst 2008 aber begann die Finanzkrise auf die Realwirtschaft durchzuschlagen, vor allem auf die Bauindustrie. Das Wirtschaftswachstum ist eingebrochen. Im ersten Halbjahr 2008 war das BIP Russlands noch um 8.2 Prozent gewachsen; die Gesamtjahresprognose wurde auf 6.2 Prozent abgesenkt. Die Weltbank erwartet für 2009 einen Wachstumsrückgang auf 3 Prozent. Die Wachstumsraten der Industrieproduktion sind stark abgefallen, die Arbeitslosenrate wächst, das Volumen ausstehender Lohnzahlungen nimmt zu. Der private Konsum – in den letzten Jahren ein wesentlicher Faktor für das wirtschaftliche Wachstum – droht einzubrechen.

Die Bevölkerung beobachtete die Krise mit wachsender Unruhe; die Angst vor einer neuen Währungskrise ist angewachsen und die Erinnerungen an den Währungsverfall und die Inflation der Jahre 1992 und 1998 kehrte zurück. Zwar ist der hypothekenfinanzierte Wohnungsbau in Russland noch nicht sehr entwickelt, doch sind viele Bürger durch die steigenden Kreditzinsen erheblich unter Druck geraten.

Die Regierung hat sich entschieden, unter Rückgriff auf Mittel des Reservefonds eine nachfrageorientierte Ausgabenpolitik zu finanzieren. Die Regierung hält an den langfristigen Investitionsprogrammen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wohnungsbau und Landwirtschaft fest. Gleichzeitig sollen Mittel des Reservefonds eingesetzt werden, die budgetären Auswirkungen absinkender Steuereinnahmen abzufedern; aber nicht nur den Einnahmenrückgang aufgrund der verschlechterten wirtschaftlichen Lage, sondern auch als Ergebnis der von der Regierung angekündigten Steuersenkungen. Die Regierung hat zudem auch deutlich gemacht, die sozialen Ausgaben nicht zu kürzen: Die Zahlungen an Arbeitslose werden Anfang 2009 auch deutlich angehoben; auch die Pensionen sollen inflationsdeckend angehoben werden.

Die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung der letzten Monate hat sichtbar gemacht, wie anfällig Russland für externe Schocks ist – vor allem im Bereich der Weltmarktpreise für seine Exportgüter im Rohstoffsektor. Offensichtlich aber wurde auch, welche Versäumnisse geschehen sind, die wirtschaftliche Struktur Russlands zu modernisieren und zu diversifizieren. Die meisten Experten aber meinen, Russland habe das Glück, durch die enormen finanziellen Rücklagen die Folgen der wirtschaftspolitischen Fehler in der zweiten Amtszeit Vladimir Putins auffangen zu können.