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interview on 2012 presidential elections

“Medwedew wird nicht gegen Putin antreten”

von Florian Niederndorfer  |  21. April 2011, 09:30

Russlands Präsident hat den Wahlkampf 2012 bereits eröffnet, Ministerpräsident Putin schätzt das gar nicht – Ein derStandard.at-Interview mit Gerhard Mangott

Wirkte Russlands Präsident Dmitri Medwedew über weite Phasen seiner Amtszeit wie eine Marionette seines Vorgängers und Ministerpräsidenten Wladimir Putin, mehren sich jüngst Hinweise auf eine Emanzipation des einstigen Zöglings. Der Innsbrucker Politikwissenschafter und Russlandkenner Gerhard Mangott erklärt im derStandard.at-Interview, was mit dem möglichen Bruch im Moskauer Tandem auf sich hat.

derStandard.at: Wird Präsident Medwedew tatsächlich gegen Putin antreten?

Gerhard Mangott: In einem Interview mit dem chinesischen Fernsehen CCTV hat Präsident Medwedew vor wenigen Tagen erklärt, dass er alleine entscheiden werde, ob er 2012 antreten wird. Bisher galt für Putin und für Medwedew die Sprachregelung, wonach sie gemeinsam über ihr Antreten entscheiden wollten. Die Wortwahl Medwedews deutet daher darauf hin, dass er anzutreten beabsichtigt. Was ich mir aber überhaupt nicht vorstellen kann ist, dass sich beide der Präsidentenwahl stellen werden – obwohl auch das in Russland diskutiert wird. Im direkten Wettstreit würde sich Putin klar gegen Medwedew durchsetzen; das sagen alle Umfragen, sowohl die der unabhängigen als auch jene der staatlichen Institute.

derStandard.at: Noch dauert es fast ein Jahr, bis gewählt wird. Wem nutzt der Wahlkampfauftakt zum jetzigen Zeitpunkt?

Mangott: Putin hat Medwedew indirekt kritisiert, schon jetzt öffentlich sein Antreten anzudeuten; dafür sei es noch viel zu früh. Putin ist daran interessiert, diese Entscheidung so lange wie möglich hinauszuzögern. Solange Putin offen lässt ob er 2012 kandidieren wird, kann Medwedew weder die Bürger noch die staatliche Bürokratie überzeugen, die Zügel der Macht alleine in den Händen zu halten. Medwedew wird bis dahin den Makel nicht los, ein “Präsident auf Abruf” zu sein. Ich bin überzeugt, dass Putin sich noch nicht entschieden hat, ob er sich erneut um das Amt des Präsidenten bewerben wird. Gegen den Willen Putins jedenfalls kann Medwedew die Wahl nicht gewinnen.

derStandard.at: In den vergangenen Monaten wurde die Welt Zeuge von Rissen im Tandem. Absicht?

Mangott: Es gibt natürlich inhaltliche Unterschiede, aber kaum persönliche Differenzen zwischen den beiden; sie kennen sich seit 1991 und haben seitdem eng zusammengearbeitet. Es geht eher um Risse zwischen den beiden rivalisierenden Lagern, weil natürlich viele Menschen in ihrem beruflichen und persönlichen Fortkommen davon abhängig sind, ob jetzt der eine oder der andere an der Macht ist. Die einen haben viel zu gewinnen, die anderen viel zu verlieren. Ich teile aber nicht die Ansicht vieler russischer KollegInnen, dass diese Rivalität ein inszeniertes Spiel sei. Das halte ich für absurd.

derStandard.at: Was sind denn diese politischen Unterschiede, die sie angesprochen haben?

Mangott: Medwedew hat 2009 in seinem programmatischen Artikel “Vorwärts Russland” die Modernisierung Russlands als Kernziel seiner Amtszeit benannt; auch Putin unterstützt diese Losung. Während Putin damit aber bloß die ökonomische und technologische Entwicklung meint, drängt Medwedew auf einen viel umfassenderen Ansatz, der auch die individuelle Freiheit stärken, die Medien liberalisieren und die staatlichen Strukturen demokratisieren will. Darüber hinaus sind sich Putin und Medwedew nicht darüber einig, wer die Modernisierung vorantreiben soll. Während Putin dies einem effizienten und starken Staat anvertraut, will Medwedew dafür alle gesellschaftlichen Akteure mobilisieren. Medwedew weist auch immer wieder auf die Eigenverantwortung der Bürger hin.

derStandard.at: Kann man von einem konservativen Putin-Lager und einem liberalen Medwedew-Lager sprechen?

Mangott: Im Wesentlichen trifft es das schon. Das Umfeld Putins will die bestehenden Strukturen bewahren, die eigene politische und wirtschaftliche Macht absichern; sie unterstützt eine starke und autoritäre Führung des Landes und lehnt eine zu starke Annäherung an den Westen ab. Im Lager Medwedews dominieren liberale Technokraten, die strukturelle wirtschaftliche Reformen fordern, die staatliche Bürokratie schwächen und das Land demokratisieren wollen; ihnen ist die Zusammenarbeit mit der EU und der USA daher unabdingbar. An diesen Linien fallen die Lager zwischen Putin und Medwedew auseinander.

derStandard.at: Könnte es auch einen dritten Kandidaten geben?

Mangott: Das schließe ich aus. Zwar haben sowohl Putin als auch Medwedew immer wieder auf diese Möglichkeit hingewiesen, aber das halte ich für ein rein taktisches Manöver. Schließlich würde das bedeuten, dass Medwedew kein fähiger Präsident gewesen ist und Putin sich selbst nicht zutraut, das Land erneut anzuführen. Das Szenario vom “dritten Mann” dient dazu, die öffentliche Debatte nicht auf die Rivalität zwischen Putin und Medwedew zu verengen. (flon/derStandard.at, 21.4.2011)

 

Quelle: http://derstandard.at/1303291058824/Medwedew-wird-nicht-gegen-Putin-antreten

 

splinter_news: libyen und die ölversorgung der eu

In den Quartalen Q1/Q2 und Q3(─1) 2010 bezogen die EU-27 12,86 Prozent aller Rohölimporte aus dem nördlichen Afrika (Ägypten, Algerien, Libyen und Tunesien). Libyen war mit Abstand der wichtigste Versorger: 10,22 Prozent der Rohölimporte der EU-27 in diesem Zeitraum stammten aus Libyen (Algerien 1,71 Prozent; Ägypten 0,67 Prozent; Tunesien 0,31 Prozent). 20,9 Prozent der Ölimporte der EU-27 in diesem Zeitraum wurden von afrikanischen Ländern bereitgestellt. Nach Russland (29,6 Prozent) und Norwegen (13,8 Prozent) ist Libyen der drittwichtigste Ölversorger der EU-27 – deutlich vor Iran und Saudi Arabien.

Die EU hält nur 0,5 Prozent der gesicherten Reserven weltweit. 3,3 Prozent der gesicherten Reserven entfallen auf Libyen, Algerien hält 0,9, Sudan 0,5 Prozent, Ägypten 0,3 Prozent, Tunesien 0,1 Prozent. Libyen weist die größten gesicherten Ölreserven des afrikanischen Kontinents auf. Auf das nördliche Afrika entfallen aber nur 5,1 Prozent der globalen gesicherten Ölreserven.

Foto: http://www.zoonar.de/2355033

Россия Нуждается В Лидерстве

Юлия Нетесова: На каких столпах, при всех разговорах о кризисе институтов представительства, держится сегодняшняя лояльность политическим институтам в России, без которой вся политическая система просто бы рассыпалась? Это экономический достаток, обычный консерватизм или чтото еще?

Герхард Манготт: России недостает общественной поддержки институтов, при этом электорат готов всецело поддерживать отдельных индивидов. Пренебрегая тем, что в долгосрочной перспективе институты способствуют стабильности, Россия до сих пор строила свой общественный строй и политический режим вокруг харизматичных личностей. Это по определению рискованный путь, поскольку страна на этом пути становится весьма уязвимой перед внешними потрясениями, например экономическими и социальными кризисами.

Лидерам в России доверяют гораздо больше, чем институтам. Но что же будет, если харизма лидера ослабеет или исчезнет совсем, а под рукой не окажется никакой подходящей харизматичной замены? В этом случае весь политический порядок может пошатнуться.

Нетесова: Вокруг чего, на ваш взгляд, мог бы сложиться «новый консенсус» власти и общества, новый «общественный договор»? Насколько проблема обновления консенсуса власти и общества актуальна для России?

Манготт: Самой существенной чертой страны путинского периода было желание населения обменять свое участие в политике на порядок, стабильность и экономическое возрождение. И до сих пор все складывалось неплохо. Однако есть два фактора, которые могут в конечном итоге подорвать это негласное соглашение:

во_первых, российское правительство пока упустило все возможности диверсифицировать экономику. Рост ВВП, повышение фактических доходов и оптимизма в микроэкономике по_прежнему могут быть остановлены внешними экономическими потрясениями, что и произошло во время глобального экономического и финансового кризиса. Рост ВВП, налоговая и денежная стабильность, стабильный рынок труда и гарантированные социальные выплаты со стороны государства зависят от спроса на российские товары по высоким ценам. По сути это означает, что российское правительство не сможет поддерживать стратегию экономического и социального роста, если иностранные рынки сократятся.

Во_вторых, если рост благосостояния в России продолжится, нарождающийся средний класс может потребовать больших политических свобод, прозрачности деятельности правителей и отчета от них. Российскому правительству следует осознавать существование этой неотъемлемой «расшатывающей» угрозы экономическому успеху.

Нетесова: Кто составляет новое большинство (класс, слой, прослойку), кто тот новый политический субъект, на который может опереться российская власть, если она решиттаки осуществить «перестройку» общества? Сможет ли средний класс стать этим новым субъектом?

Манготт: Российскому правительству следовало бы пересмотреть свой подход к общественному договору, принимая во внимание нарождающийся средний класс, который может потребовать от российского политического класса большей ответственности, прозрачности и отчета. Не получив достаточно возможностей для участия в политической жизни страны, средний класс забудет о негласном пакте, одобренном в путинский период.

Нетесова: С какой программой Дмитрию Медведеву следует идти на следующие президентские выборы, если он решится принять в них участие?

Манготт: Президенту Медведеву нужно перевести свой достаточно абстрактный и слишком уж общий «модернизационный подход» на язык более осязаемых краткосрочных реформ и целей. Российских граждан следует убедить в том, что их лидер смотрит не только в отдаленное будущее, но также способен воплощать свои модернизационные задумки шаг за шагом.

Политическое лидерство строится на перспективах, подробно проработанных планах, надежности и уверенности общества в том, что лидер способен исполнять свои обязанности эффективно и по существу. Президент, не желающий потерять свой пост, должен убедить россиян в своих интеллектуальных и политических способностях, а также в том, что он самостоятельно действует на политической сцене. Он может стать лидером перемен, только если общество не станет считать, что им помыкают другие деятели и непонятные сети влияния.

… terror …

In den letzten Monaten wähnten sich viele Beobachter der nordkaukasischen Islamistenszene in der trügerischen Hoffnung, die Rivalitäten und Differenzen zwischen den verschiedenen Fraktionen könnten eskalieren und der terroristische Widerstand auseinanderbrechen. Der Führungsanspruch von Doku Umarov, dem Emir des Emirats Nordkaukasus, war von säkularen oder moderat islamischen Kämpfern angefochten worden. Diese drängten darauf, die islamistische Agenda, die ganze nordkaukasische Region aus Russland herauszubrechen, aufzugeben und sich auf das Ringen um die staatliche Unabhängigkeit von Cecnja zu konzentrieren. Zwar bestehen diese Differenzen weiterhin, aber die militante Schlagkraft der Islamisten wurde dadurch ebenso wenig gebrochen, wie ihr Aktionsradius auf den Nordkaukasus beschränkt werden konnte.

Die russländische Führung begegnet dem islamistischen Nährboden seit vielen Jahren nicht nur mehr mit militärischen Mitteln – auch wenn brutale Säuberungsaktionen russischer Soldaten, Nachrichtendienstoffiziere und Einheiten des Innenministeriums den Rebellen immer wieder neue Rekruten zutreiben. Schon seit mehr als vier Jahren wird versucht, die missliche soziale Lage in den wirtschaftlich strukturschwachen Regionen zu verbessern. Die Finanzmittel, die dafür zur Verfügung gestellt werden, sind hoch; allein, vieles davon wird für untaugliche Projekte ausgegeben, viel Geld verschwindet in den Taschen korrupter Funktionäre. Trotzdem – an dieser Strategie gilt es, festzuhalten; sie ist unabdingbar notwendig und letztlich alternativlos.  Nur wenn durch eine Änderung am Arbeitsmarkt zivile Lebensperspektiven entstehen, kann eine langsame Einhegung der terroristischen Grauzone erreicht werden. Denn viele arbeitslose junge Männer treten in die Reihen der Islamisten ein – aus Hass auf die korrupten regionalen Führer,  aus dem Wunsch, getötete oder misshandelte Verwandte zu rächen, aber auch, weil der Krieg für sie ein Gewerbe geworden ist; es lässt sich viel Geld verdienen, wenn man sich als Söldner verdingt. Diese nicht-ideologischen Kämpfer aus den Rebellenreihen herauszubrechen ist eines der Ziele, die durch eine verbesserte wirtschaftliche und soziale Lage angestrebt wird. Aber selbst wenn dies gelingen sollte, wird das die terroristische Bedrohung nicht wesentlich eindämmen; eine Terrorstrategie kann auch mit einer niedrigen Zahl an Aktivisten fortgesetzt werden. Zumindest aber könnte dadurch erreicht werden, dass die Kollaboration der Zivilbevölkerung mit den Islamisten gebrochen wird. Die Islamisten könnten dann nicht mehr so stark auf die Unterstützung durch die Kaukasier zählen; Kampfoperationen würden damit schwieriger.

Der Kampf gegen die Terroristen ist aber auch eine nachrichtendienstliche Aufgabe. Unbestritten ist die ‘terroristische Migration’ zwischen afghanischen, pakistanischen und nordkaukasischen Schlachtfeldern.  Unbestritten ist auch, dass die islamistischen Rebellen finanzielle und militärische Unterstützung aus dem Ausland erhalten. Natürlich ist Russland damit eben auch Opfer transnationaler islamistischer Terrornetzwerke – auch wenn das Land wie viele andere Staaten auch bisweilen deren Geburtshelfer war.

Die russische Regierung ist ratlos, wirkt beinahe hilflos bei der Suche nach neuen Wegen zur  Bekämpfung der nordkaukasischen Gewalteskalation. Die militärischen Mittel – dies gilt für den Einsatz der Streitkräfte wie die Einheiten des Innenministeriums – sind ausgereizt. Die brutalen Säiuberungsaktionen, die den Islamisten immer wieder neue Rekruten zugetrieben haben, sind auch zurückgegangen. Auch das hat bislang keine Ergebnisse gezeigt. Die feindselige Stimmung gegen die ‘Russen’ in weiten Kreisen der loaklen Bevölkerung ist ungebrochen. Die russische Führung weiss daher, dass ein Strategiewechsel gegen die eskalierende islamistische Gewalt weder möglich noch zielführend ist.

Mit jedem Terrorakt aber, erhalten die nationalistischen Hetzer in der russischen Bevölkerung mehr Zulauf. ‚Rußland den Russen‘ ist die Losung, die immer mehr Zuspruch findet. Die Mahnungen Medvedevs, auch die Bewohner des nördlichen Kaukasus als Mitbürger mit gleichen Rechten anzusehen, bleiben ungehört. Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Russen und Kaukasiern werden weiter zunehmen.

Es ist also müßig, nach jedem Anschlag danach zu fragen, ob eine Strategie der Regierung versagt habe oder ob ein grundlegender Strategiewechsel erforderlich sei. Der Ansatz der Regierung  ist richtig, aber die praktische Umsetzung ist schwierig. Wichtiger aber noch: diese terroristische Bedrohung wird noch viele Jahre weiterbestehen. Die menschlichen, sozialen und ideologischen Verwerfungen  in der Region ind erheblich. Die Einmischung von außen ist es auch. Der Terror wird weitergehen: Daran muss sich Russland gewöhnen.

Герхард Манготт: Или Стагнация, Или Плюрализм

Нетесова: Существует точка зрения, что в 2010 году наступил окончательный кризис системной и несистемной оппозиции. Согласны ли вы с этим тезисом? Что именно происходит с российской оппозицией?

Манготт: Если говорить о состоянии российской оппозиции, то тут все обстоит следующим образом. Обычно государства борются с оппозиционерами четырьмя методами. Первый – препятствование появлению оппозиционных движений в СМИ. Для этого требуется государственный контроль над основными холдингами. Второе – дискредитация ключевых фигур оппозиционного движения. Третий – подавление и наказание любой оппозиции посредством репрессий, для чего необходим строгий контроль над правоохранительными органами. И четвертый – выдергивание ключевых фигур из круга оппозиционеров и предоставление им важных мест в правительстве.

На мой взгляд, российский правящий класс использует все четыре «опции», время от времени варьируя и смешивая их. Однако, в дополнение к запретам сверху, российской оппозиции все еще не хватает харизматичного и сплачивающего всех лидера, база поддержки все еще невелика, общественная среда незначительна и еле заметна за пределами крупных городов. Кроме того, делаемый оппозицией акцент на гражданские и политические права не отвечает запросам граждан, которых беспокоит, прежде всего, работа и возможность обеспечить для себя удовлетворительное существование.

Нетесова: В принципе, в условиях демокра тии любая власть нуждается в оппозиции, в том числе и российская. Должна ли власть, используя своилегальные институты, вмешиваться в процесс складывания оппозиции?

Манготт: Либеральные демократии, основанные на неотчуждаемых правах человека и гражданина, кроме всего прочего гарантируют свободу мнений и объединений. Принцип верховенства закона обеспечивает справедливое пространство для высказывания и взращивания идей. В задачи вышестоящей элиты никоим образом не входит поощрение или даже создание диссидентских партий или организаций. Одновременно правящие силы не должны принимать решения, в итоге могущие привести к запрету свободы самовыражения и собраний. Задача правящего класса не вдохновлять, но и не препятствовать политической оппозиции.

Идея, согласно которой вышестоящая элита должна формировать собственную оппозицию, – это дикая и надуманная идея, нацеленная на манипулирование. Само ее существование свидетельствует об извращенной логике политической конкуренции в свободном обществе.

Нетесова: Центром партийной системы России является «Единая Россия». К ней предъявляется ряд претензий: президент говорит о том, что она «забронзовела»; Владимир Плигин утверждает, что партия, возможно, в ближайшем будущем разделится на несколько частей. Может ли «Единая Россия» стать источником будущих оппозиционных сил?

Манготт: Если бы «Единая Россия» была партией с четкой политической платформой, такое могло бы произойти. Однако «Единая Россия» не политическая партия, а организация, в которой собраны официальные лица как федерального, так и регионального уровня. Это сеть государственных чиновников и одновременно чрезвычайно успешное средство для реализации решений российского правительства. «Единая Россия» – основа пополнения правящей элиты и способ сделать карьеру.

Однако это не партия, которая может сама по себе вырабатывать политические стратегии и идеи. Поэтому «Единая Россия» не разделится, хотя, конечно, может быть разделена, если изменится состав правящей элиты в результате внутренней борьбы и появления новых лидеров.

Нетесова: Какую главную российскую политическую проблему «нулевые» передают «десятым»?

Манготт: Главной задачей следующих лет будет создание и содействие оппозиционным движениям и клубам. Авторитарный и централизованный контроль над политической общественностью должен быть снят, пусть и постепенно. Перемеы в сторону более либеральной власти рискованны, не просты и длительны. Они могут высвободить силы дестабилизации, но они неизбежны, если политическое и гражданское общество России намерено преуспеть в обозримом будущем. Без политического плюрализма определяющей характеристикой российской политики может стать термин «стагнация».

Беседовала Юлия Нетесова

Герхард Манготт, Или Стагнация, Или Плюрализм. In: Мировой Политический Форум – Ярославль — 2011, Специальное Издание Русского Института. In: РЖ – тема недели, 29.12.2010, S. 19.

Photo: http://www.rferl.org/content/Riot_Police_Complain_Of_Corruption_As_Demonstrations_Rock_Russia/1945465.html

chodorkovskij – motivlagen für eine einkerkerung (teil 2)

Die Verurteilung 2010 folgt einer anderen Logik: Mit der Enthaftung wäre es Chodorkovskij ─ im westlichen Ausland geradezu zur Ikone des demokratischen Widerstands gegen Putin und die Nachrichtendienste stilisiert ─, unbeschränkt möglich gewesen, in Russland, aber auch im Ausland massive öffentliche Kritik an der russländischen Regierung zu üben. Der Unternehmer wäre in der Lage, durch anhaltende mediale Präsenz die Führung des Landes zu diskreditieren.

Zweifellos würde Chodorkovskij der fragmentierten, führungslosen und zerstrittenen liberalen Opposition ein öffentlichkeitswirksames Gesicht geben. Auch wenn Chodorkovskij von der überwiegenden Mehrheit der Russen ablehnend oder aber gleichgültig beurteilt wird, könnte Chodorkovskij einer liberalen Sammlungsbewegung 2011 wieder zum Einzug in die Staatsduma verhelfen (in der sie seit 2003 nicht mehr vertreten ist).

Die erneute Verurteilung ist aber auch relevant für die Autorität sowohl Putins als auch Medvedevs, wie auch für das Verhältnis zwischen den beiden. Das Urteil bestätigt erneut die starke Stellung Vladimir Putins und der Sicherheitsdienste; es dokumentiert erneut die Kontrolle der Justiz durch dieses Machtkartell. Putin hat vor und während des Gerichtsverfahrens immer wieder deutlich gemacht, dass er die Anklage unterstützt: Ein Freispruch hätte Putins Autorität untergraben und erkennen lassen, dass Putin verwundbar ist. Verlierer zu sein, verträgt sich nicht mit dem inszenierten Selbstbild Putins.

Ansehen, Einfluß und der Machtanspruch Präsident Medvedevs wurden durch das Urteil nachdrücklich verringert. Medvedev hatte – wiewohl immer zurückhaltend und vorsichtig – Kritik an dem Verfahren und an den Anschuldigungen vorgebracht; zuletzt übte er indirekt auch Kritik am Verhalten Putins in dieser Sache. Das Urteil ist die Antwort Putins auf diese Kritik. Das Signal an die staatliche Bürokratie ist deutlich: die eigentliche Macht liegt bei Putin, nicht bei Medvedev.

Diese Botschaft wird freilich auch in den USA und in der EU verstanden. Trotz gebotener Skepsis wird Medvedev in diesen Staaten als liberale(re) Alternative zu Putin gesehen. Außerdem wurde von Medvedev verstärkte Rechtssicherheit für ausländische Investoren erwartet; Medvedev weiss auch, dass seine vehement vorgetragene Modernisierungsagenda ohne rechtsstaatliche Fortschritte nicht umsetzbar sein wird. Diese Erwartungen an die russische Führung wurden enttäuscht. Das Urteil hat damit nicht nur Medvedevs Stellung innerhalb Russlands geschwächt. Auch in den ausländischen Staatskanzleien wird Medvedev erneut als der Unterlegene im immer sichtbareren Ringen mit Putin gesehen.

Es ist aber nicht auszuschließen, das das Urteil moderat ausfallen könnte. Eine kürzere Gefängnisstrafe könnte als humanitäre Geste ‚verkauft‘ werden. Zumindest aber bis zum Frühjahr 2012 – dem Termin der Wahlen zum Präsidentenamt – wird Chodorkovskij jedenfalls inhaftiert bleiben.

Foto: http://principiis-obsta.blogspot.com/2009/03/chodorkowski-erneut-vor-gericht.html

chodorkovskij – motivlagen für eine einkerkerung (teil 1)

Es ist zweifellos (auch) ein politisches Urteil ─ am Ende eines Justizverfahrens, das gravierende rechtsstaatliche Mängel aufzuweisen hatte. Nur kurze Zeit vor der Enthaftung Chodorkovskij’s nach acht Jahren in Gefängnissen, wird das ‚Ärgernis‘ wieder weggesperrt – auch wenn noch nicht bekannt ist, wieviele Haftjahre der Richter verhängen wird. Die Motivlagen aber, die den Urteilen 2005 und 2010 zugrunde liegen, sind andere.

Die Verhaftung Michail Chodorkovskij’s – Miteigentümer der Menatep-Holding und des Ölunternehmens Jukos ─, im Oktober 2003, lässt sich vor allem durch drei Faktoren erklären. Zunächst sind die wirtschaftlichen Faktoren zu benennen: Durch die im April 2003 angekündigte Fusion von Jukos mit der Rohölfirma Sibneft sollte das größte russländische Erdölunternehmen entstehen, das damals 31 Prozent der Rohölproduktion des Landes kontrolliert hätte. Das Mehrheitseigentum des fusionierten Energieunternehmens sollte aber an die Konzerne ExxonMobil und Chevron Texaco verkauft werden. Die Führung um Putin lehnte die Veräußerung eines derart hohen Anteils an der Rohölförderung Russlands an ausländische Unternehmen aus volkswirtschaftlichen Gründen kategorisch ab.

Zudem drängte Putin auf die Ausweitung der staatlichen Kontrolle über die Rohölförderung. Anders als der Gasmarkt, war der Rohölsektor zuvor privatisiert worden. Der Anteil staatlicher Ölunternehmen (Transneft, Rosneft) an der Ölförderung war auf 11 Prozent zurückgegangen. Durch die Renationalisierung dieses Sektors sollte die strategische Vision Putins, das Land durch finanzstarke Rohstoffunternehmen zu modernisieren, durchgesetzt werden. Im Zuge der Renationalisierung konnten aber auch Gefolgsleute Putins finanziell entschädigt und Bündnisgenossen gekauft werden.

Der wichtigste politische Faktor war Putins Drängen, sich aus der Umklammerung des Elitenkartells um Boris El’cin zu befreien. Chodorkovskij war Mitglied des Kartells, ausgezeichnet vernetzt, und hatte mit dem Stabschef Putins – Aleksander Vološin – auch einen mächtigen Beschützer. Die Verhaftung Chodorkovskijs im Oktober 2003, der damit erzwungene Rücktritt Vološins und die im Februar 2004 vorgenommene Entlassung von Michail Kasjanov – ein weiteres Mitglied des alten Kartells – als Ministerpräsident ,ermöglichte Putin, sich endgültig aus der Abhängigkeit des alten Elitenkartells zu emanzipieren.

Den strategischen wirtschaftlichen und politischen Zielen Putins stand Chodorkovskij auch durch die (mutmaßlich) versuchte Bestechung von Mitgliedern der Staatsduma entgegen; der Unternehmer konnte immer wieder Gesetzesvorlagen der Regierung im Parlament blockieren ─ insbesondere die höhere Besteuerung der Rohölförderung des -exports. Anders als ab 2004 hatte Putin damals noch keine gesicherten Abstimmungsmehrheiten in der Staatsduma. Der (mutmassliche) Stimmenkauf von Chodorkovskij blockierte Putins Absichten, die Kontrolle über die Abgeordneten durch eine Staatspartei zu erreichen, immer wieder.

Erheiternd sind die immer wieder geäußerten Vermutungen, Putin hätte Chodorkovskij ausschalten wollen, weil dieser regimekritische liberale Parteien unterstützt habe. Der Unternehmer hat (mutmasslich) Abgeordnete aller Parteien finanziell ‚unterstützt‘, um die legislative Agenda zu beeinflussen.

Die Motivlage für das gegenwärtige Urteil wird im nächsten Blogeintrag untersucht.

Foto: Neue Zürcher Zeitung (http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/chodorkowski _gericht__1.2082445.html)