splinter-series: battles are on…

idee.GIF

The ‘splinter-series’ provides brief remarks on ongoing events, whereas blog entries are in-depth analyses:

The Russian Constitution has been violated: The Constitution demands an anointed Head of Government to present the line-up of his ministerial team no later than 7 days after his approval by the State Duma. Zubkov has failed to deliver. This is significant not for ignoring a constitutional provision but indicative of serious infights between the two camps within the presidential team on who controls which ministry.

it is surprising how long it takes Putin to set up a new government. One would have expected that the appointment of a new prime minister was very well planned with a particular line up of ministries already in mind. So either Putin does not get his people through or the change in the prime ministers office was either poorly planned or was rather ’spontaneous’. Then, however, the questions is: why?

Anyway, the very fact that Putin so far has not been able to settle this wrangling and announce his government line-up is indicative of the very fact, that Putin is not that powerful as western observers usually assume.

Picture taken from:
http://www.doktoranden-netz.de/Idee.GIF

Funktionalisierung der Shoah

usa_israel_flag_large.jpgJohn Mearsheimer und Stephen Walt haben in ihrem viel beachteten, wenn auch umstrittenen Buch ‚The Israel Lobby‘ (2007) deutlich gemacht, wie sehr jüdische Interessenverbände, allen voran das American-Israel Public Affairs Commitee (AIPAC), die Außenpolitik der USA zu beeinflussen vermögen. Dieses Lager sei imstande, strategische Entscheidungen der USA im Nahen und Mittleren Osten zu erwirken, die Staats- und Sicherheitsinteressen Israels dienlich sind, aber zentrale Interessen der USA verletzten. Das nationale Interesse der USA werde dadurch in Geiselhaft der Interessen Israels genommen. Mearsheimer und Walt sind – dies gilt es zu beachten – renommierte Experten an der Harvard University und an der University of Chicago und keine antisemitischen oder antiisraelischen Hassredner.

Das von jüdischen Verbänden beharrlich vorgetragene Narrativ von der Bedrohung der israelischen staatlichen Existenz durch eine Koalition regionaler Widersacher, die den Schutz durch externe Mächte, allen voran der USA, erfordere, zählt zu den die Interessen der USA nachhaltigst verletzenden und beeinträchtigenden Faktoren. Die Bindung amerikanischer Nahostpolitik an die derart definierten Sicherheitsinteressen Israels sind ein wesentlicher Faktor für den Legitimitäts- und Ansehensverlust der USA im Nahen Osten.

Die Behauptung der Koalition aus neokonservativen Intellektuellen, vieler jüdischer Interessenverbände und der evangelikalen Rechten in den USA, die islamische Welt hasse die USA wegen ihrer Werte, aber nicht wegen ihrer Politik, ist nicht nur, aber ganz besonders im Nahen Osten, eine Fehlannahme; eine widersinnige Deutung, an der bisweilen gegen besseres Wissen festgehalten wird. Auch wenn islamistische Irrwandler der arabischen Welt und darüberhinaus auch die Werte demokratisch-humanistischer Gesellschaften verachten mögen, so ist es doch vielmehr das konkrete politische und militärische Handeln eben dieser, allen voran der USA, die Hass, Zorn und militante Gegenwehr erzeugen.

Wenn die USA aber durch ihre strategische Rolle im Nahen Osten einen immensen Legitimitätsverlust und die terroristische Bedrohung in Kauf nehmen, ist danach zu fragen, inwieweit dies durch vitale Interessen der USA zwingend notwendig sei. Mearsheimer und Waltz meinen dazu: ‚Die USA haben ein Terrorismusproblem, weil sie eng mit Israel verbündet sind, und nicht umgekehrt.‘

Wenn also die strategische Ausrichtung der israelischen Politik gegenüber seinen Nachbarn – allen voran die ausbleibende Zusammenarbeit mit der palästinensischen Autonomiebehörde unter Abu Mazen, die fortgesetzte physische Drangsalierung der palästinensischen Bürger, die anhaltende Besetzung der 1967 besetzten Gebiete – wenn auch nicht der einzige, aber doch ein wesentlicher Quell der Sicherheitsgefährdung Israels ist, stellt sich dringlich die Frage, ob die USA ihre eigenen Interessen gefährden sollen, indem sie das fehlgeleitete israelische Verhalten in der Region unterstützen.

Wenn dieser Gedanke zutreffen sollte, ist dann nicht der philoisraelischen Gemeinde zu widersprechen, die doch so häufig den Vorwurf erhebt, die ausländischen Mächte würden das Schutzbedürfnis Israels eigenen Interessen unterordnen? Ist es denn wirklich zutreffend, dass Israel ausschließlich durch die Nachbarstaaten daran gehindert würde, eine stabilisierende regionale Paketlösung zu erreichen? Ist denn wirklich ein neuer militärischer Feldzug Israels gegen den Libanon erforderlich, um seine militärische Abschreckungsfähigkeit in der Region glaubhaft wiederherzustellen, wie so manche philoisraelische Vertreter fordern?

Die Funktionalisierung der Tragödie der Shoah zeigt sich bei der militanten philoisraelischen Intellektuellengemeinde so deutlich bei deren Forderung, dass Iran wegen seines vermutlich militärischen Nuklearprogrammes – dann, wenn politische und wirtschaftliche Sanktionen versagten – militärisch anzugreifen sei, um das Existenzrecht Israels zu verteidigen? Wäre das Existenzrecht Israels durch den Iran tatsächlich gefährdet, wäre Israel wie jeder andere Staat in einer derart existentiellen Bedrohung zu schützen. Besteht denn aber diese existentielle Herausforderung tatsächlich?

Unbestritten ist die Rolle Irans als destabilisierende Kraft in der Region – durch die militärische Unterstützung für einige schiitische Milizen im Irak, die indirekte Schwächung der libanesischen Regierung über die Mobilisierung der schiitischen Hizbollah, die islamistische Penetration des palästinensischen militanten Lagers um die sunnitische Hamas und nicht zuletzt durch die strategische Allianz mit Syrien. Unbestritten ist auch, dass dadurch israelische Sicherheitsinteressen beeinträchtig werden.

Aber erwächst Israel dadurch tatsächlich eine existentielle Bedrohung? Kann diese Bedrohung denn nicht durch die ohnehin betriebene militärische Abschreckung eingehegt und – noch wichtiger – eine von Israel zu betreibende umsichtige Lösung offener Konflikte mit seinen Nachbarn abgebaut werden?

Das philoisraelische Lager muss angesichts dieser, für den Autor berechtigten Einwände, daher zum dämonisierendsten aller antiiranischen Argumente greifen – der angeblichen Erpressung Israels durch eine nukleare Bewaffnung, oder gar der Auslöschung Israels. Ist der Erwerb nuklearer Bewaffnung – der soweit irgend möglich durch politischen und wirtschaftlichen Druck aufgehalten werden soll, aber eben nicht durch militärische Aktionen –, denn wirklich gleichbedeutend mit deren Einsatz? Ist das wirre Gefasel eines innenpolitisch ohnehin angeschlagenen iranischen Präsidenten denn wirklich der geeignete Maßstab um die strategische Linie der iranischen Außenpolitik abzuschätzen? Muss die iranische Führung tatsächlich als irrational und dem kollektiven Märtyrertod verhaftet angesehen werden? Aber selbst wenn dem so wäre – eine Einschätzung, die der Autor nicht teilt –, kann denn wirklich Zweifel daran bestehen, dass Israel mit seinem massiven Nukleararsenal diese Bedrohung nicht abschrecken könnte?

Die apokalyptischen Szenarien einer nuklearen Shoah gegen ein wehrloses Israel sind gefährliche Ratgeber für eine kluge westliche Politik gegenüber Iran. Wenn ein Begründungsfaktor für den militärischen Schlag gegen den Irak, der einer entsetzlichen Niederlage der USA entgegensteuert, der angeblich notwendige Schutz Israels war, soll denn dann der Ruf nach einem neuen Krieg, diesmal gegen den Iran, nicht aufschrecken?

Das Kriegsgeschrei, das mit der behaupteten drohenden existentiellen Vernichtung Israels, angestimmt wird, darf eine rationale Abwägung der tatsächlichen regionalen Sicherheitslage und der Interessen der USA in der Region nicht erneut übertönen. Der irakische Fehler darf nicht durch einen Irrtum in der Iran-Politik fortgesetzt werden, nur weil verzerrte, der tatsächlichen Lage widersprechende, Losungen von der bevorstehenden Vernichtung Israels diese einmahnen.

Israel kann sich seiner eigenen Verantwortung für die regionale Stabilisierung nicht entziehen; der Ruf nach militärischer Härte durch die USA gegen eine nicht bestehende Gefährdung Israels durch Iran darf nicht erhoben werden, nur weil die israelische Führung nicht fähig oder bereit ist, ihren Beitrag zu einer friedlichen Lösung der offenen Fragen in seiner Nachbarschaft zu leisten.

Dieser Kommentar ist am 14. September 2007 in einer leicht veränderten Version exklusiv in der Tageszeitung ‘Die Presse’ erschienen.

Foto: reuters

Decision Postponed

viktorzubkovepa_228x314.jpg

It was utterly clear that Vladimir Putin was not to seek a third term almost two years ago. Sources close to him already then stated that he actually was ‘tired’ with this job and was looking for some other office with somewhat more behind the scenes authority and influence. It is argued by these sources that he might return back to the Kremlin at a later stage but that this was not yet decided.

Putin more than once made it clear that he is firmly commited to resign in 2008. This has triggered increasingly tense relations within the different elite camps Putin had raised to power and influence since about 2003; in the past months tensions turned into serious infighting. The battle was on between the technocratic-economic camp – represented in government by First Deputy Prime Minister D. Medvedev, Economic and Trade Minister G. Gref and Finance Minister A. Kudrin – and the siloviki, with people like FSB-Director Patrushev, Deputy Head of the Presidential Administration I. Sechin and some others.

The moderate economic liberals put D. Medvedev on their shield; the hard core siloviki-camp, however, was left without any serious contender for the presidency, but kept putting pressure on Putin to stay in office beyond 2008. Contrary to western press reports, the second crown prince for the Putin succession, former Defense Minister and current First Deputy Prime Minister Sergey Ivanov is not the presidential candidate of the siloviki camp. Well, Ivanov is himself a silovik, but someone very independent-minded and distant to the core group of the siloviki. It is only a slight exaggeration to call him a loner.

Putin was faced with two options at the beginning of this year: Either he was to make a decision in this fall to sack the government and appoint as Head of Government the heir he had chosen for himself, thus repeating the 1999 scenario. The other option was to decide closer to the date of the presidential elections who to support as his heir.

The first option would have made clear on whose side Putin was on and giving him more leeway to end to the infighting within his entourage which actually has a negative impact on the efficiency of Putin’s government. With the losers desperate to keep their positions of political and, much more important, economic power they would have accepted their defeat in order to be kept within the echelons of power. This option however was quite risky as it most likely would have turned Putin into a ‘lame duck’ with authority and power quickly gravitating towards the appointed successor.

The second option would have allowed Putin to remain a strong president until the very end of his presidential term and keep the two camps at bay and dependent on who Putin would eventually endorse. This would, however, left little time to sell the heir to the public; much more important though this would not have allowed the chosen successor to assemble his team in time in order to have a quick-start immediately after the elections in March 2008.

Putin has chosen the second option. The decision to appoint Viktor Zubkov Head of Government actually is no indication of whom Putin would eventually endorse for the presidential succession. Zubkov is neither a member of the liberal economist’s camp nor someone associated with the security services. The decision has been postponed. It can definitely be ruled out that Zubkov was to become Putins heir. Zubkov is far too old for even the best spin doctors and the regime loyal electronic media to sell to the Russian society. Why giving up a sportive and young president for a grey and ageing bureaucrat? It is also wrong to compare Zubkov to Putin when the latter was appointed Head of Government back in August 1999. Sure, Putin too was unknown to the public at the time, but he held positions of remarkable influence when he was chosen by Yeltsin.

Zubkov is the right man for Putin to pursue the second option. He might well stay until after the elections but then hand in his resignation to the elected President – as is required by the Russian Constitution anyway.

But why then Putin decided to replace Fradkov by Zubkov? Why not leave Fradkov Head of Government for the final months of Putin’s presidency? According to my opinion the most plausible explanation is that Putin preferred to have a loyal person and a friend in place for the difficult months a head. Fradkov has definitely been loyal to Putin for all the past three years but never has been an intimate friend of Putin.

As of today, it is most likely that Putin will make his final decision on who to support in the presidential election January 2008. I consider it unlikely, though, that he will appoint that person as Head of Government. The scenario Putin has chosen to select his heir does not follow the 1999 plot. The next president will not have been Head of Government before.

It is by all means speculation who that person will be. Personally I think it will be neither Medvedev nor Ivanov. If I had to bet I would name Dmitry Kozak as the most likely choice of Putin.

This blog entry – renamed ‘Still an Open Question‘ – was published exclusively by Russian online portal www.russiaprofile.org on September 13th, 2007.

This blog posting was also published somewhat altered on Johnson’s Russia List 195, September 13th, 2007 as # 29 with the title ‘Succession Decision Still Open’.

Picture taken from: seattletimes.nwsource.com/…/12/ 2003881745.jpg

Raketenabwehr. Quergedanken

x-band-radar.jpg…written together with my colleague Martin Senn, a specialist on arms control.

 

Die Schelte war deutlich – in den USA wie in Tschechien. Das Wort von Darabos zur Errichtung von Raketenabwehrkomponenten (MD) im östlichen Europa als einen ‚provokativen Akt’ erregte die Gemüter. Kaum zurecht aber, denn die MD-Vorhaben der USA kommen tatsächlich einer Provokation gleich – als militärisch-technische Gefährdung der nuklearen Schlagkraft Russlands, als ein Akt, der russländische Grossmachtsensibilitäten berührt und damit euroatlantischen Beziehungen mit Russland zusätzlich belastet.

Die Stationierung von Abfangraketen in Polen und eines hochleistungsfähigen X-Band Radars in Tschechien berührt tatsächlich – anders als zumeist diskutiert – nuklearstrategische Kerninteressen Russlands. Die Radaranlage in Tschechien erlaubt es der USA, alle landgestützten Interkontinentalraketen (ICBMs) Russlands in einer bestimmten Flugsequenz zu erfassen, die bei einer nuklearen Eskalation auf die amerikanische Ostküste gerichtet wären. Wenn das Radar in Tschechien zudem mit einer Radaranlage auf einer seegestützten Plattform in der Nähe der Aleuten (Alaska) vernetzt werden sollte, könnten auch gegen die Westküste gerichtete russländische ICBMs erfasst werden. Das bereits bestehende Radar in Vardö (Norwegen) kann russländische ICBMs in einer bestimmten Flugsequenz in Ostrichtung erfassen. Während Vardö die Kontrolle auch von russländischen Raketentests von Pleseck nach Kamcatka in einer bestimmten Flugsequenz ermöglicht, kann das Radar in Tschechien russländische ICBMs nur in einer nuklearen Kriegssituation erfassen. Allerdings käme einer Interzeption russländischer ICBMs durch Interzeptoren in Koszalin die Datenermittlung bei russländischen Raketentests entgegen, die durch das Radar in Vardö gewonnen werden können.

Diese Fähigkeiten der MD-Radartechnologie ist für Russland besonders besorgniserregend, da das nuklearstrategische Arsenal Russlands traditionell mehr aus landgestützten ICBMs besteht. Anders gesagt: Die Stationierung von russlandnahen Radaranlagen erlaubt der USA einen strategisch nutzbaren ständigen und präzisen Kontrollblick auf Raketenbewegungen in bestimmten Sektoren des ballistischen Flugbahn. Dies ist derzeit mit der Radarstation Vardö möglich – für russländische Raketenbewegungen in Ostrichtung; die Radarstation in Tschechien wird diese Kapazität in Westrichtung haben, allerdings nur im nuklearen Kriegsfall.

Das tschechische Radar könnte dann (unwahrscheinlichen) Fall einer nuklearen Eskalation zwischen Russland und der USA, genutzt werden, da die USA durch das Radar in Vardö wertvolle Informationen über die technischen Parameter von russländischer Raketen- und Sprengkopftechnologien erhalten, die auf russländischem Gebiet getestet werden. Zu den zentralen Daten, die durch Vardö erhoben werden könnten, ist die Phase, wenn sich die Sprengköpfe und Täuschkörper (decoys) nach der dritten Raketenstufe, d.h. am Ende des sogenannten ‘bus’ von der Rakete lösen.

Bezüglich der Stationierung von Abfangraketen in Polen ist anzumerken, dass weniger die derzeit anvisierte Stückzahl – 10 – an Abfangraketen (Interzeptoren), als deren wahrscheinliche quantitative Aufstockung und qualitative Weiterentwicklung maßgeblich zur Besorgnis Russlands beitragen. Die eigentliche Bedrohung russländischer nuklearer Schlagkraft ist aber, dass es sehr wohl möglich ist, russländische Interkontinentalraketen durch in Polen stationierte Raketen abzufangen. Aufgrund der Daten über Flugkurven und –geschwindigkeiten wäre das Abfangen russländischer ICBMs nach Berechungen eines Spezialisten am MIT im Umfeld von Island technisch möglich.

Zudem legen auch vorgesehene Weiterentwicklungen der Interzeptorentechnologie die Vermutung nahe, dass sich die Raketenabwehrkomponenten vorrangig gegen Russland richten. In Planung sind Abfangraketen, die in der Lage sind, mehrere nukleare Gefechtsköpfe gleichzeitig abzufangen. Iran – gegen dessen nuklear bestückten Raketen die Abwehranlagen vor allem schützen sollen – ist aber auch auf lange Sicht nicht in der Lage, mehrfach bestückte ICBMs herzustellen. Chinesische ICBMs sind zwar mit Mehrfachsprengköpfen ausgestattet, in ihrer Flugkurve auf Ziele in der USA aber ausserhalb der Reichweite in Europa stationierter Abfangeinrichtungen.

Besonders brisant für die Debatte über die Stossrichtung des MD-Komplexes im östlichen Europa schliesslich ist auch, dass die Nutzung seegestützter Raketenabwehranordnungen auf Aegis-Zerstörern effektiveren Schutz vor iranischen Raketen bieten würde, ohne das strategische Arsenal Russlands zu herauszufordern; ähnliches könnte mit THAAD-Systemen oder PAC-Systemen möglich sein.

Die politische und militärische Führung Russlands befürchtet daher zurecht, dass Stationierung und möglicher Ausbau von Raketenabwehranlagen im östlichen Europa gravierende Sicherheitsrisiken für Russland darstellen (werden).

Die russländische Deutung der Raketenabwehrpläne der USA als Provokation ist aber auch vor dem Hintergrund der Erfahrungen Moskaus mit der Rüstungs(kontroll)politik der USA in den letzten 10 Jahren zu sehen. Die Neigung zu unilateraler hegemonialer Arroganz der USA hat das Netz an Rüstungskontroll- und Abrüstungsverträgen nachhaltig ausgehöhlt. Die Abkehr vom Raketenabwehrvertrag (ABM) aus 1972 und die Haltung der USA, nach dem Auslaufen der bestehenden Rüstungskontrollverträge in 2012 keine ähnlichen Nachfolgeabkommen auszuhandeln, ist für Russland ein Sicherheitsrisiko. Dies vor allem deshalb, weil die Zahl russländischer ballistischer Raketen und deren Abschußvorrichtungen bis 2015 erheblich zurückgehen wird.

Die Stationierung von Abfangraketen und Radaranlagen im östlichen Europa wird von der Führung Russlands daher – zusätzlich zur militärischen Bedrohungskomponente – als weitere Demütigung für das (Selbst)bild Russlands als Großmacht und damit als strukturelle Provokation verstanden.

 

 See video on interception of Russian ICBMs by Koszalin kinetic interceptors.

Picture: http://www.defenselink.mil/photos

Nabucco turning blue …

_nabucco_.jpg

Gazprom has offered Austrian oil and gas company OMV access to its South Stream project. This is a further step in Gazprom’s aim to build an additional pipeline alternative to its core pipeline routes via Ukraine and Belarus; it is the southern equivalent to the North Stream pipeline linking Vyborg to Greifswald (Germany).

OMV’s response may be a crucial not so much regarding the eventual route of a new pipeline, construction costs and length, but in terms of gas supplier countries. Nabucco – put forward in 2002 and very much supported by the EU in the framework of its Transeuropean Energy Networks Initiative – is meant to transport Azerbajani gas via Turkey’s Erzurum hub to Austria with Bulgaria, Romania and Hungary as transit countries. Its throughpout capacity is projected at 30 bln.m3. Obviously Azerbajani gas is not sufficient to fill such a pipeline. Further gas is needed – with Turkmenistan and Iran, maybe also Qatar, as additional suppliers. Turkmenistan, however, will not be able to deliver any gas at least in a mid-term perspective, given its long-term supply contracts with both Russia and China. In addition, a sea-bed pipeline from Turkmenistan to Azerbajan faces serious legal problems, as there is still no consensus among the littoral states as how to divide the Caspian Sea among them. As regards Iran, there are concerns, particularly by the US, to have it as a partner in a crucial gas supply route for the EU; particularly given the clash between the western powers and Iran over its nuclear programme.

South Stream on the other hand, is currently designed only for a throughput of 10 bln.m3. This pipeline could be filled with Russian and Central Asian gas. South Stream starts with a sea-bed pipeline crossing the Black Sea to Bulgaria, where it is to split into a northern pipeline route to Hungary or Austria and a southern tier to Italy. South Stream – unlike a previously planned Blue Stream II pipeline – leaves out Turkey.

None of these three options is already off the table. The author considers a merger of the Blue Stream II and Nabucco projects as the most likely option, if free access of all suppliers to the pipeline is guaranteed. At the moment this would include, Russia, Kazakh and Turkmen gas via Russian pipelines and Azerbajani gaz currently delivered to Erzurum (Turkey). In a mid-term perspective this could also include Turkmen gaz via the Caspian Sea and Iranian gas. If a southern tier is meant to make economic sense and viability this would be the best option. If political motives were to prevail, however, Nabucco is to prefer. However, it does not make sense to build a pipeline which cannot be filled with gas.

The Irrelevance of International Law

As a structural realist I am not at all surprised about the shallowness of international legal norms. I am, therefore, not apalled about the recent developments around Kosovo, but rather amused. Kosovo is legally speaking part of the Serbian state, which as such is a fully recognized member of the United Nations. Her territorial integrity ought to be protected by international law. The United Nations is not authorized under any clause of its Charter to support the secession of any entity of Serbia, let alone promote it. Resolution 1244 (1999) clearly endorses Serbian sovereignty over Kosovo.

Today, the US, France and the United Kingdom have decided not to push for a Security Council resolution which would have led to a sort of supervised independence of Kosovo after some further 4 months of negotiations between the Serbian Government and Kosovo representatives – which, as we all know, was to placate the Russians, who, however, do not see it that way.

Thus, these western countries have abandoned the SC as the principle framework to address the the Dispute over Kosovo’s indepepence – an issue of highly questionable legality anyway. The UN path was stopped before a formal vote had taken place! The issue of Kosovo’s legal future will now be addressed by the Contact Group made up by the US, the UK, France, Germany, Italy and Russia. An issue of delicate legal character – the secession of Kosovo and the recognition of its independence – is now being decided by a forum which has no legal authority at all. The Contact Group is raw realist power politics.

What makes the whole matter even more amusing is the fact that the UK, Germany and France are now actively supporting to by-pass the UN Security Council. Circumventing the UN was so fiercely opposed by France and Germany back in 2003 – when the United States and the United Kingdom decided to wage war against Iraq.

I do not actually want to address the question whether Kosovar independence is without any alternative, legitimate, illegal or whatever. This is for regional experts to decide. I do not have a very strong opinion on it. This blog ist just to address the irrelevance of international legal norms if these norms block great powers’ interests. But this is precisely what we realists would expect.

Der Zusammenbruch der Rüstungskontrolle

putin_bush_sort.jpg

Die – rechtlich an sich nicht vorgesehene – Aussetzung des KSE-Vertrages aus 1990 (A-KSE 1999) durch Russland ist ein weiterer Akt der Aushöhlung der vertraglich geregelten Rüstungskontrolle, nicht aber deren Beginn. Die mühsam, in zähen und langwierigen Verhandlungen erzielten, Rüstungskontroll- und Abrüstungsabkommen der vergangenen vier Jahrzehnte brechen schrittweise in sich zusammen.

Der ABM-Vertrag aus 1972, der die USA und die UdSSR daran hinderte, durch flächendeckende Raketenabwehrsysteme die gesicherte Zweitschlagsfähigkeit der anderen Vertragspartei (Mutual Assured Destruction, MAD-Logik) zunichte zu machen, wurde 2001 durch die Bush-43 Administration gekündigt. Nachdem Revisionsverhandlungen des ABM-Vertrages gescheitert waren, wurde diese rechtskonforme Kündigung von der USA als notwendig erachtet, um Forschung, Entwicklung und Stationierung von Komponenten eines Ballistischen Raketenabwehrsystems (Ballistic Missile Defence) zu ermöglichen. Der im Juli 1991 unterzeichnete Vertrag über die Abrüstung strategischer Waffen (START 1) legte die Verringerung strategischer Abschußeinrichtungen (land- und seegestützte Interkontinentalraketen – ICBMs und SLBMs – sowie strategische Bomber) auf 1.600 und die Absenkung der operativen Nuklearsprengköpfe auf 6.000 fest. Dieser Vertrag, der ein umfassendes Verifikationsregime zur Überwachung der Abrüstungsverpflichtungen enthält, läuft 2009 aus. Ein völkerrechtliches Nachfolgeabkommen mit einem ausdifferenzierten Überwachungsregime und weiteren Absenkungen der Abschußvorrichtungen und der Sprengköpfe ist aber äußerst unwahrscheinlich; die Führung der USA ist derzeit daran nicht interessiert.

Bis 2012 schließlich läuft der derzeit letzte Abrüstungsvertrag – der Vertrag über Strategische Offensivwaffen (Moskauer Vertrag) aus 2002 – aus. Dieses Rüstungsabkommen sieht zwar die weitere Abrüstung der Abschußvorrichtungen und der operativen Sprengköpfe auf 1.700-2.200 vor. Deaktivierte Sprengköpfe müssen aber nicht mehr zerstört, sondern dürfen gelagert werden (hedging); sie können daher jederzeit kurzfristig reaktiviert werden. Zudem enthät dieser Vertrag keinerlei Überprüfungsmechanismen. Aus derzeitiger Sicht wird es ab 2013 keinen völkerrechtlichen Vertrag über strategische nukleare Abrüstung mehr geben.

Die Aussetzung des KSE-Vertrages setzt diese Erosion der vertraglichen Rüstungskontrolle nunmehr auch im konventionellen Bereich fort. Die russländische Entscheidung erweist sich nun als langfristige Folge der Kündigung des ABM-Vertrages durch die USA in 2001 und des seitdem kontinuierlich erfolgenden Ausbaues von Raketenabwehrkomponenten. Nach Fort Greely (Alaska) mit 15 Interzeptoren und dem Luftwaffenstützpunkt in Vandenberg (Kalifornien) mit 2 Interzeptoren ist die Raketenabwehr mit der geplanten Anlage in Polen mit 10 Interzeptoren in eine weitere Ausbaustufe eingetreten. Radarkomponenten – als Raketenfrühwarnsysteme (Ballistic Missile Early Warning Systems (BMEWS) oder als Radaranlagen zur Steuerung der Abfangraketen – finden sich mittlerweile bereits in Thule (Grönland), Clear Airforce Station (Alaska), Vardö (Norwegen), Shemya (Aleuten), Fylingdales (Britannien) und möglicherweise in Jince (Tschechien).

Die Aussetzung des KSE-Vertrages durch Russland wiederum wird kurzfristig nur die Mechanismen zur Überwachung der russländischen Vertragstreue aussetzen; nachdem die Ankündigung erst in 150 Tagen in Kraft treten wird, sind auch noch Verhandlungen zur Beilegung der Krise denkbar. Gelingt dies nicht, ist mittelfristig aber auch eine sektorale konventionelle Aufrüstung Russlands an den Grenzen Polens (Kaliningrad, Aufrüstung der Baltischen Flotte), an der Schwarzmeerküste (Aufrüstung der Schwarzmeerflotte) und im nördlichen Kaukasus erwartbar.

Die eigentliche Gefahr der Erosion des KSE-Vertrages aber ist die mögliche Kündigung des INF-Vertrages aus 1987 durch Russland. Dieser Vertrag hatte damals die völlige Vernichtung der nuklear bestückten Kurz- und Mittelstreckenraketen festgelegt. Der Rückzug Russlands von diesem Abkommen liegt nicht nur im Interesse der russländischen Rüstungsindustrie, sondern wäre eine relativ kostengünstige assymetrische Reaktion Russlands auf die Erweiterung der BMD-Einrichtungen im östlichen Europa.

Die bilaterale vertragliche Rüstungskontrolle steckt damit in einer massiven Krise; vertragliche Rüstungsbegrenzungen im konventionellen und nuklearen Sektor lösen sich auf; ohne rasche und massive Initiativen zu deren Stärkung droht deren Zusammenbruch.

Dieser Kommentar ist am 17. Juli 2007 unter dem Titel ‘Die Gefahr einer Kettenreaktion’ exklusiv in der Tageszeitung ‘Die Presse’ erschienen.

Monopoly on Truth…

censorship.jpgLet me use this blog to complain about the increasingly hostile attitude of the European and US media (and publics) to impartial research on Russia. Current russophobia andRussiabashing in western media makes it increasingly difficult to get the results of serious research onRussiaheard. This is not to complain about lacking access to the media and public visibility; actually it is not a real problem to get your views noticed, but they are immediately denounced as pro-Kremlin and pushed aside; furthermore a lack of visibility would not suffice to write this short blog entry.

What is indeed worrying though is the fact, that meticulous research which aims to provide a balanced, sober and knowledgeable view of both Russian domestic and foreign politcs, which runs counter to the currently accepted views, is increasingly attacked as utterly russophile. This connotation seeks to suggest that our research is not to be sonsidered serious and impartial. Incidents are increasing where critical but balanced research is attributed as Kremlin propaganda. On more than one accession funding for research projects was denied not based on criticsm on the scientific merits of the research proposal but due to an allegedly russophile bias of my work.

This is reminiscent of Cold War days and amounts to a kind of censorship and political denunciation. The Russian research community needs to get increasingly aware of this. There is no more interest in debate and critical thought; assessments seem to be fixed and made usable in political campaigns.