Am 1. Juni 1968 hat die OMV als erstes westliches Unternehmen einen Gasliefervertrag mit der Sowjetunion abgeschlossen. Deutschland folgte 1969. Aufgrund des steigenden Erdgaskonsums in Österreich und der sinkenden eigenen Produktion ist der Anteil des sowjetischen/russischen Erdgases an den Importen und dem Konsum deutlich angewachsen. 2013 lag der Anteil russischen Gases am Gesamtkonsum Österreichs bei 56,6 Prozent. Immerhin 75 Prozent der gesamten Gasimporte für den eigenen Konsum im Jahr 2013 stammten aus Russland.
Der gesamte Verbrauch Österreichs lag 2013 bei 9 Mrd. m3 Erdgas; aus Russland wurden 5,1 Mrd. m3 importiert. 22,4 Prozent des gesamten Primärenergieaufkommens Österreichs stützt sich auf den Energieträger Gas.
Die Abhängigkeit Österreichs von Gaslieferungen aus Russland liegt damit deutlich über dem aggregierten Durchschnittswert der gesamten EU. Der Anteil Russlands an den Gasimporten der EU lag 2013 bei 38 Prozent; der Anteil am Verbrauch hat in 2013 bei 31,1 Prozent gelegen.
Die Abhängigkeit Österreichs – hier vor allem Ost- und Zentralösterreichs – von russischen Erdgaslieferungen ist damit beträchtlich hoch. Dazu kommt, dass diese Lieferungen (abgesehen von Westösterreich) ausschließlich über ein einziges Leitungsnetz nach Österreich kommen – nämlich über die Ukraine.
Trotz der Zuverlässigkeit der Gaslieferungen aus Russland – mit Ausnahme der russisch-ukrainischen Gaskrisen von 2006 und 2009 – besteht daher in Österreich erheblicher Diversifizierungsbedarf. Diversifiziert werden sollten sowohl Gaslieferanten als auch aus Gaszulieferleitungen. Eine Senkung des Anteils von Erdgas am Primärenergieaufkommen Österreichs erscheint angesichts der hohen Nutzung von Rohöl und der fortgesetzten Kohlenutzung als hohen CO2 Emittenten nicht sinnvoll.
Ich will in diesem kurzen Blogeintrag nicht die Möglichkeiten einer Diversifizierung der Gaslieferanten diskutieren; vielleicht ein andermal. Im Hinblick auf die Diversifizierung der Gaszulieferleitungen aber ist zu sagen, dass das Gasleitungsprojekt South Stream für die Versorgungssicherheit Österreichs sinnvoll ist. Dadurch kann die hohe Abhängigkeit von einer einzigen Zulieferroute – zumal einer dringend modernisierungsbedürftigen – abgeschwächt werden. Es stimmt, dass der Bau von South Stream die wirtschaftliche, finanzielle und politische Position der Ukraine gegenüber Russland deutlich schwächen würde, aber aus Gründen der Versorgungssicherheit ist das Projekt im österreichischen Interesse.
Dazu kommt, dass die Zulieferung höherer Mengen an russischem Gas (zumindest in mittelfristiger Perspektive) zu einer deutlichen Aufwertung der Gashandelsplattform in Baumgarten (Central European Gas Hub, CEGH) führen wird. Das ist im Geschäftsinteresse der OMV und damit, weil das Unternehmen teilverstaatlicht ist, auch im Interesse der Einnahmenseite des österreichischen Budgets.
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