{"id":99,"date":"2007-01-25T22:21:07","date_gmt":"2007-01-25T21:21:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=99"},"modified":"2014-05-01T16:14:23","modified_gmt":"2014-05-01T14:14:23","slug":"zorn-der-keine-erkenntnis-bringt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=99","title":{"rendered":"Zorn, der keine Erkenntnis bringt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"image98\" class=\"alignleft\" src=\"..\/wp-content\/ahmadinejad-top_2.thumbnail.jpg\" alt=\"ahmadinejad-top_2.jpg\" width=\"76\" height=\"96\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Bernd Marin &#8211; sociologist &#8211; in two op-eds has criticized talking to Iran on nuclear issues in scientific circles let alone engage that country in a long-term perspective. He attacked those who promote these strategies as either fools or collaborators (excerpts of Marins comment are published below my op-ed). Find below my response in an op-ed exclusively published by the Austrian daily &#8216;Der Standard&#8217; on January 25th, 2007.<\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit heiligem Zorn st\u00fcrzt sich Bernd Marin in die Debatte \u00fcber die Schrecknisse eines nuklearen Iran; dabei ist doch bekannt, da\u00df der Zorn der Erkenntnis zumeist im Wege steht; vor allem dann, wenn dieser sich aus jenem entl\u00e4dt, der in sicherheitspolitischen Debatten bislang unbekannt war. Sich dem Dialog zu verweigern macht zwar nicht taub, aber dumm \u2013 denn dann bleibt der sozialwissenschaftliche Denker Gefangener seiner Ahnungen und Vorurteile, vielleicht auch seiner moralischen Gewissheiten, ohne zumindest zu erahnen, wie jene denken, die wir zurecht als bedrohlich, fanatisiert und gewaltbereit begreifen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Die nuklearen Begehrlichkeiten des Iran sind zwar nicht bewiesen, dennoch lassen die Anzeichen der T\u00e4uschung, der Tarnung und des Verbergens Zweifel, Misstrauen und Vorsicht aufkommen. Kaum noch l\u00e4sst sich leugnen, dass das islamische Regime zumindest die nukleare Option anstrebt \u2013 um damit aber noch immer der massiven nuklearen Bewaffnung seiner Nachbarn Indien, Pakistan und Israel nachzuhinken.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch ist zu erahnen, dass eine nukleare Bewaffung Irans, die nukleare Option f\u00fcr Saudi Arabien, \u00c4gypten, Syrien und der T\u00fcrkei zwingend macht. Ganz sicher auch ist im demokratisch regierten Israel der Einsatz nuklearer Macht nur das letzte Mittel zur Verteidigung. Dasselbe kann von dem autorit\u00e4ren Regime in Iran leider nicht angenommen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dennoch ist es f\u00fcr die sozialwissenschaftliche Debatte unerl\u00e4sslich, die Denkstrukturen, die Motive und Absichten derer zu erfahren, deren Gegnerschaft man f\u00fcrchtet. Ziel ist dabei nicht, sich diesen anzudienen, zu verharmlosen oder gar \u2013 wie Marin sch\u00e4ndlich unterstellt \u2013 zu kollaborieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber die Erforschung von Motivlagen und Perzeptionen z\u00e4hlt zu den grundlegenden Bausteinen sicherheitspolitischer Analyse. Vielleicht mag dies den M\u00e4nnern des heiligen Zorns und der festen \u00dcberzeugung zu m\u00fchsam oder gar als unnotwendig erscheinen. Wer sich dieser M\u00fchen der Erkenntnis aber entzieht, f\u00e4llt der Leichtigkeit des ideologischen Urteils und der verzerrten Deutung zum Opfer.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcberzeugungen sollten Erkenntnissen nicht im Weg stehen. Nat\u00fcrlich ist nicht zu bestreiten, dass Achmadi-nejad totalit\u00e4ren Wahnideen anh\u00e4ngt und vermutlich davon auch \u00fcberzeugt ist. Es ist aber unrichtig zu leugnen, dass ihm mit Rafsandjani, Chamenei und Larijani andere Machtzentren entgegenstehen und ihn einhegen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4tte Iran eine nukleare Waffe, w\u00fcrde diese zweifellos nicht in den H\u00e4nden des totalit\u00e4ren Eiferers landen. Auch ein nuklear bewaffneter Iran wird dadurch nicht zwangsl\u00e4ufig zum regionalen Aggressor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die nukleare Bewaffnung Irans gilt es dennoch, wenn m\u00f6glich, zu verhindern \u2013 das Risiko nuklearer R\u00fcstungseskalation kann zu gross werden, der Aufbau der strategischen Kultur der wechselseitigen Abschreckung ist keineswegs zwingend erreichbar, somit nukleare Erstschl\u00e4ge nicht undenkbar. Dazu gilt es, viele denkbare M\u00f6glichkeiten einzusetzen: harte, aber auch intelligente Sanktionen, die das nukleare Entwicklungsprogramm erschweren und verlangsamen k\u00f6nnen, ohne aber damit zwingend die aufgew\u00fchlte Bev\u00f6lkerungsmehrheit im Taumel nationaler Geschlossenheitsbezeugungen hinter dem fanatisierten Gewaltrhetoriker zu sammeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verhandlungen sind aber ebenso unabdingbar, und es w\u00e4re wohl besser, diese ohne Vorbedingungen zu beginnen. Wer in Unterredungen den anderen zu Zugest\u00e4ndnissen bewegen will, darf von ihm nicht vorher verlangen, sein Gesicht zu verlieren. Milit\u00e4rische Luftschl\u00e4ge aber, die Marin anmahnt, sind das geistige Spielzeug derer, die in der Flamme des Krieges das beste Instrument zur L\u00f6sung nah\u00f6stlicher Verstrickungen sehen; wer darin verbrennen wird, ist in den Landstrichen zwischen Basra, Faluja und Bagdhad jeden Tag neu zu sehen. Bernd Marin sollte sich in die unz\u00e4hligen Studien vertiefen, in denen die Untauglichkeit milit\u00e4rischer Pr\u00e4zisionsschl\u00e4ge nachgewiesen, die unermessliche milit\u00e4rische, humane und wirtschaftliche Eskalation einer Bodeninvasion durchleuchtet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Alternative die milit\u00e4rische Verw\u00fcstung des Iran ist, ohne auch dessen nukleares Wissen zu vernichten; wenn die milit\u00e4rische Verheerung den Weg zur iranischen Atombombe nur l\u00e4nger, aber nicht unbegehbar machte, sollte besser dar\u00fcber nachgedacht werden, ob die iranische nukleare Bewaffnung akzeptiert und in einem regionalen Sicherheitssystem ausbalanciert werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Gewalt zu rufen, um Bedrohungen zu beseitigen, ist gerade dann eigenartig, wenn man diese durch Marins Gespr\u00e4chs-, Denk- und Verhandlungsverweigerung gar nicht richtig versteht. Der Zorn darf nicht blind machen \u2013 auch wenn er angeblich heilig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">My comment was written in response to two op-eds of Bernd Marin. The main messages of these comments:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8216;(&#8230;.) Will oder kann man nicht verstehen: Politiker, deren Realit\u00e4tssinn und Wahrheitsliebe sich am &#8220;historischen Ereignis Holocaust&#8221; zeigt, wie sie sich zeigt, die feindselig das &#8220;zionistische Gebilde&#8221; Israel &#8220;tilgen&#8221; wollen &#8211; mit Repr\u00e4sentanten eines solchen Regimes trotzig ihre &#8220;friedliche&#8221; Atompolitik diskutieren anstatt sie zu boykottieren, das ist f\u00fcr alle, die die Erde nicht f\u00fcr flach und die Shoah oder 9\/11 nicht f\u00fcr eine j\u00fcdische Weltverschw\u00f6rung halten, irgendwie unfassbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welcher Mensch bei Sinnen kann Friedensbeteuerungen solcher Realit\u00e4tsleugner irgendeinen Glauben schenken? Oder Verhandlungen mit ihnen &#8211; ohne massive Sanktionsdrohungen &#8211; f\u00fcr sinnvoll halten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(&#8230;)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur n\u00fctzliche Idioten und Komplizen diskutieren Frieden mit Hitler, die &#8220;Rassenfrage&#8221; mit dem Apartheid-, und Atompolitik mit dem Mullah-Regime.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn islamistisch-faschistische Staaten, die Holocaustleugnung und Opferverh\u00f6hnung vom Pr\u00e4sidenten abw\u00e4rts von Amts wegen betreiben, Terror f\u00f6rdern und anderen UN-Mitgliedern mit Ausl\u00f6schung drohen, m\u00fcssen mit allen, wirklich allen Mitteln bek\u00e4mpft werden, juristischen, politischen, gesellschaftlichen, diplomatischen &#8211; und wenn n\u00f6tig selbstverst\u00e4ndlich auch milit\u00e4rischen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Andernfalls w\u00fcrde die bittere Karikatur Wirklichkeit werden, in der Ahmadi-Nejad flammend ausruft &#8220;There is no Holocaust . . .&#8221; und auf einer zweiten Seite die Rede fortsetzend hinzuf\u00fcgt &#8220;. . . yet&#8221;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob das mit friedlichen Mitteln allein noch zu verhindern ist, wird sich erst zeigen m\u00fcssen.&#8217;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"wp-caption-dd\">(DER STANDARD-Printausgabe, 22.1.2007)<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"wp-caption-dd\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"wp-caption-dd\">The full text of Marins comments can be downloaded from http:\/\/www.euro.centre.org\/detail_people.php?xml_id=83\u00a0<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernd Marin &#8211; sociologist &#8211; in two op-eds has criticized talking to Iran on nuclear issues in scientific circles let alone engage that country in a long-term perspective. 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