{"id":953,"date":"2009-01-29T18:41:11","date_gmt":"2009-01-29T17:41:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=953"},"modified":"2009-02-15T18:29:10","modified_gmt":"2009-02-15T17:29:10","slug":"gas-kaufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=953","title":{"rendered":"&#8230; gas kaufen, wo es verk\u00e4ufer gibt &#8230;"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify; padding-left: 30px;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"padding-right: 3px;\" src=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/gasfeuer_weltde.jpg\" alt=\"\" width=\"140\" height=\"93\" \/>Vorbehalte gegen das iranische Regime und sein Vorhaben, eine nukleare Waffenoption zu entwickeln, sind zwar nachvollziehbar; deswegen aber die Zusammenarbeit im Energiesektor zu blockieren, ist aus strategischen \u00dcberlegungen nicht zweckm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Zur Wahrung der Energieversorgung der EU-27 ist die Zusammenarbeit mit vielen autorit\u00e4ren Regimen erforderlich \u2013 von Saudi Arabien und anderen Golfstaaten \u00fcber Algerien, Libyen und Russland bis Nigeria. Iran ist damit kein Einzelfall. Immerhin importieren die Mitgliedsstaaten der EU auch erhebliche Mengen an Roh\u00f6l aus dem Iran, allen voran Frankreich, Italien und Griechenland. Die OMV ist nicht der einzige Energiekonzern, der an iranischem Gas &#8211; immerhin 16 Prozent der globalen gesicherten Reserven \u2013 interessiert ist. Indien und China, und mittelfristig auch Japan, streben erhebliche Gasimporte aus Iran an. Die Errichtung eines Leitungsnetzes von Iran \u00fcber Pakistan nach Indien \u2013 die so genannte \u201aFriedenspipeline IPI\u2018 \u2013 k\u00f6nnte auch nach China verl\u00e4ngert werden. Auch ist ein Ausbau der LNG-Kapazit\u00e4ten Irans zu erwarten, wodurch zus\u00e4tzliche Exportm\u00e4rkte erschlossen werden k\u00f6nnen. Zudem schickt sich die russsche Gazprom an, in den iranischen Markt massiv einzusteigen. Das iranische Regime wird also ohnehin aus dem Gasexport zus\u00e4tzliche Exporteinnahmen gewinnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Neben der USA ist es auch Russland, das kein Interesse am Erdgasexport Irans in die EU hat. Gazprom m\u00f6chte den europ\u00e4ischen Markt exklusiv bedienen und wird alles daran setzen, Irans Gasexporte in die EU zu blockieren und nach Osten zu leiten. Der Verzicht der EU auf iranisches Gas w\u00e4re daher ein t\u00f6richter Beitrag zur Errichtung eines Gaskartells, das erheblichen Preisdruck auf den europ\u00e4ischen Gasmarkt bewirken k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Der Handel mit iranischem Gas kann die Stabilit\u00e4t des iranischen Regimes bef\u00f6rdern; immerhin bezieht Iran 85 Prozent seiner Exporteinnahmen aus dem \u00d6l- und Gassektor. Das trifft aber nicht nur auf den Iran zu, sondern auf eine Mehrheit der autorit\u00e4ren Staaten, mit denen die EU-27 im Energiesektor zusammenarbeiten. Den ethischen Gehalt dieser Verflechtungen zu diskutieren ist so legitim, wie die Betonung wechselseitiger Interessen. Das eine ist \u00fcber das andere nicht erhaben.Ist das iranische Regime aber ein Sonderfall, der andere Regeln erforderte? Die Kritiker werfen der OMV vor, das multi- (VN) und bilaterale (USA) Sanktionsregime gegen Iran zu unterlaufen. Gerade philoisraelische Organisationen sehen in Sanktionen taugliche Mittel, um das Innen- und Au\u00dfenverhalten des Iran zu beeinflussen. Wenn aber das iranische Regime rational genug ist, auf \u00e4u\u00dfere Sanktionen zu reagieren, muss dem iranischen Regime auch zugebilligt werden, sein Verhalten in der nah\u00f6stlichen Region rational zu steuern.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Ist dann der Vorwurf, der Iran sei ein irrationales Regime, das selbst die Zerst\u00f6rung des eigenen Landes in Kauf nehme, um Israel zu vernichten, gerechtfertigt? Als Ausdruck des irrationalen Herrschaftscharakters werden die Brandreden Ahmadi-nejads gegen das \u201azionistische Regime\u2018 angef\u00fchrt; ist das wirre Gefasel des in der Machthierarchie Irans ohnehin marginalisierten Staatspr\u00e4sidenten aber tats\u00e4chlich die Leitlinie der iranischen Au\u00dfenpolitik; sind die Hetzreden nicht vielmehr an die eigene Bev\u00f6lkerung gerichtet, um diese angesichts wirtschaftlicher und sozialer H\u00e4rten nationalistisch zu mobilisieren?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Selbst wenn Iran die nukleare Option erwerben oder sogar in der Lage w\u00e4re, Tr\u00e4gersysteme nuklear zu best\u00fccken, w\u00e4re deren Einsatz irrational, gerade gegen Israel. Irrational, weil die Zweitschlagsf\u00e4higkeit Israels nicht ausschaltbar ist und einen rational agierenden Iran ausreichend abschreckt. Auch die vielfach zitierte Erpressbarkeit Israels durch einen angedrohten nuklearen Schlag des Iran ist nicht gegeben, da auch in diesem Szenario die Abschreckungslogik greift.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Unbestritten ist die Rolle Irans als destabilisierende Kraft in der Region \u2013 durch die milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung f\u00fcr einige schiitische Milizen im Irak, die indirekte Schw\u00e4chung der libanesischen Regierung \u00fcber die Mobilisierung der schiitischen Hizbollah, die islamistische Penetration des pal\u00e4stinensischen militanten Lagers um die sunnitische Hamas und nicht zuletzt durch die strategische Allianz mit Syrien. Unbestritten ist auch, dass dadurch israelische Sicherheitsinteressen beeintr\u00e4chtig werden. Israel kann sich aber seiner eigenen Verantwortung f\u00fcr die regionale Stabilisierung nicht entziehen; der Ruf nach milit\u00e4rischer H\u00e4rte durch die USA gegen eine nicht bestehende Gef\u00e4hrdung Israels durch Iran darf nicht erhoben werden, nur weil die israelische F\u00fchrung nicht f\u00e4hig oder bereit ist, ihren Beitrag zu einer friedlichen L\u00f6sung der offenen Fragen in seiner Nachbarschaft zu leisten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"font-size: xx-small; text-align: justify;\">Foto: http:\/\/www.welt.de\/multimedia\/archive\/00572\/Gas_DW_Finanzen_Wue_572298g.jpg<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"font-size: xx-small; text-align: justify;\">Eine leicht abge\u00e4nderte Version dieses Kommentars wurde am 16.2.2009 in der Tageszeitung &#8216;Die Presse&#8217; unter dem Titel &#8216;<a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/meinung\/gastkommentar\/452831\/index.do\">Der rationale Iran<\/a>&#8216; abgedruckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbehalte gegen das iranische Regime und sein Vorhaben, eine nukleare Waffenoption zu entwickeln, sind zwar nachvollziehbar; deswegen aber die Zusammenarbeit im Energiesektor zu blockieren, ist aus strategischen \u00dcberlegungen nicht zweckm\u00e4\u00dfig. 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