{"id":818,"date":"2009-01-01T19:17:32","date_gmt":"2009-01-01T18:17:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=818"},"modified":"2009-01-01T19:17:32","modified_gmt":"2009-01-01T18:17:32","slug":"finanzkrise-und-oligarchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=818","title":{"rendered":"&#8230; finanzkrise und oligarchen &#8230;"},"content":{"rendered":"<div id=\"articletxt\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/stock_market_crash.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-820\" style=\"padding-right: 4px;\" title=\"stock_market_crash\" src=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/stock_market_crash-300x262.jpg\" alt=\"\" width=\"129\" height=\"113\" srcset=\"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/stock_market_crash-300x262.jpg 300w, https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/stock_market_crash.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 129px) 100vw, 129px\" \/><\/a><strong>&#8216;Renationalisierung wird wahrscheinlicher&#8217;. Interview mit der Tageszeitung &#8216;Der Standard&#8217;, abgedruckt am 2.1.2009<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>STANDARD:<\/strong> Gegen die Schockwellen von der Wall Street waren nicht einmal die Reichsten der Reichen in Russland gefeit. Warum?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott:<\/strong> Die gro\u00dfen russischen Unternehmen sind hoch verschuldet; die Expansion der letzten Jahre wurde nur \u00fcber Kredite finanziert. Zwar ist die Staatsverschuldung Russlands in den letzten acht Jahren stark gesunken &#8211; von 156 Mrd. Dollar im Jahr 2000 auf nun etwa 33 Mrd. Dollar. Die Unternehmensverschuldung ist aber dramatisch gestiegen. Die Au\u00dfenverschuldung der russischen Unternehmen betr\u00e4gt mehr als 520 Mrd. Dollar. <strong><\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong><strong>STANDARD:<\/strong> Warum ist das pl\u00f6tzlich ein Problem?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott:<\/strong> Zum einen sind diese Hartw\u00e4hrungskredite wegen des relativen Wertverlustes des Rubel jetzt teurer zu bedienen. Gleichzeitig haben die Sicherstellungen, die von russischen Unternehmen gegen\u00fcber ausl\u00e4ndischen Gl\u00e4ubigern vorgenommen wurden, aufgrund des Aktienkursverfalls stark an Wert verloren. Das hat wiederum Nachschussverpflichtungen ausgel\u00f6st. Selbst f\u00fcr gro\u00dfe Unternehmen aus dem Metallurgiebereich, der Petrochemie, der \u00d6l- und Gasindustrie wird es zunehmend schwer, sich zu refinanzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>STANDARD:<\/strong> Wer wird als Sieger, wer als Verlierer daraus hervorgehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott:<\/strong> Relativ gesichert sehe ich, in abnehmender Reihenfolge, den Eigent\u00fcmer der Bank Rossiya, Juri Kovalcuk, Roman Abramovich, Oleg Deripaska. Michail Fridman und den Chef der Interros-Holding, Wladimir Potanin. Sie haben enge Beziehungen zu Ministerpr\u00e4sident Wladimir Putin. Suleiman Kerimow, der seine Anteile an Gasprom und Sberbank inzwischen verkauft hat, steht st\u00e4rker unter Druck. F\u00fcr alle aber gilt: Die Abh\u00e4ngigkeit vom Staat wird gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p><strong>STANDARD:<\/strong> Der Kreml entscheidet, wem geholfen wird und wem nicht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott:<\/strong> Das kann man so sagen. Es gibt keine transparenten Verfahren, welches Unternehmen wie viel an staatlicher Hilfe zur Refinanzierung seiner Au\u00dfenschulden erh\u00e4lt, die Aktien welcher Unternehmen durch staatliche Aktienk\u00e4ufe gest\u00fctzt werden. Sollte die Rubelabwertung anhalten und die Liquidit\u00e4tskrise am Finanzmarkt anhalten, wird eine teilweise Renationalisierung wahrscheinlicher, auch wenn die Regierung dies jetzt dementiert.<\/p>\n<p><strong>STANDARD:<\/strong> K\u00f6nnte das schon im Laufe des Jahres 2009 passieren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott: <\/strong>Nach jetzt vorliegenden Vereinbarungen w\u00fcrden Aktien\u00fcbertragungen in staatliche Hand 2010 erfolgen. Eine solche Vereinbarung gibt es etwa beim Metallurgiekonzern Norilsk Nickel &#8230;<\/p>\n<p><strong>STANDARD:<\/strong> &#8230; an dem Deripaska, der wegen der Finanzkrise im Oktober seine Beteiligungen an Magna und am Baukonzern Hochtief absto\u00dfen musste, die Sperrminorit\u00e4t h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott:<\/strong> Deripaska hat sich im Fr\u00fchjahr 2008 einen Machtkampf mit Potanin um die F\u00fchrung von Norilsk Nickel geliefert. Der Preis f\u00fcr die 25 Prozent plus zwei Aktien, die Deripaska gekauft hat, war damals sehr hoch. Inzwischen ist der Wert des Aktienpakets, das er bei der Kapitalaufnahme im Ausland als Sicherstellung verwendet hat, um 70 Prozent gefallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>STANDARD:<\/strong> Er musste Geld nachschie\u00dfen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott: <\/strong>Genau. Zur Refinanzierung hat er 4,5 Mrd. Dollar von der Entwicklungsbank VEB erhalten. Diese hat Mittel von der Zentralbank und aus dem staatlichen Reservefonds zur Gew\u00e4hrung von Refinanzierungskrediten bekommen.<\/p>\n<p><strong>STANDARD:<\/strong> War das politische Naheverh\u00e4ltnis Deripaskas zu Premier Putin daf\u00fcr ausschlaggebend?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott:<\/strong> Es hat sicher nicht geschadet. Es gibt aber auch ein starkes volkswirtschaftliches Interesse dabei. Die Regierung will unbedingt vermeiden, dass Deripaskas Anteil an Norilsk Nickel an ausl\u00e4ndische Banken f\u00e4llt. Deshalb die Vereinbarung mit der VEB, wonach das Aktienpaket, das Deripaska an Norilsk Nickel h\u00e4lt, an den Staat f\u00e4llt, sollte er binnen zwei Jahren die Refinanzierung nicht schaffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>STANDARD:<\/strong> Ist mit politischen Unruhen in Russland zu rechnen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott:<\/strong> Zuletzt hat es sehr viel zu verteilen gegeben. Die Realeinkommen sind durchschnittlich um gut zw\u00f6lf Prozent pro Jahr gestiegen, die individuelle Haushaltssituation hat sich in Russland stark verbessert. Das gilt nicht f\u00fcr den wachsenden Anteil der Pensionisten. Der Zuwachs bei den Renten ist deutlich unter den Lohn- und Gehaltssteigerungen geblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>STANDARD:<\/strong> Kann sich das zu einem Problem auswachsen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott:<\/strong> Die Unzufriedenheit nimmt zu. Nur &#8211; Pensionisten sind in Russland nicht organisiert. Durch die W\u00e4hrungsabwertung und Massenentlassungen wird die soziale Unruhe aber auch auf den Mittelstand \u00fcbergreifen. Allerdings sind derzeit keine politischen Kr\u00e4fte auszumachen, die daran interessiert sind, die soziale Unzufriedenheit politisch auszun\u00fctzen. Der gr\u00f6\u00dfte russische Gewerkschaftsverband beispielsweise hat die finanziellen Interessen der eigenen Organisation im Auge, nicht die der Mitglieder. Er hat ein betr\u00e4chtliches Immobilienverm\u00f6gen. Sollten die Gewerkschaftsfunktion\u00e4re sozialen Widerstand organisieren, w\u00fcrde der Staat die Gewerkschaft wohl enteignen. (G\u00fcnther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 2.1.2009)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Foto: http:\/\/bp1.blogger.com\/_-VAK4mPxH_k\/SHqr67FKmtI\/AAAAAAAAAOk\/h6JscU06o2E\/s1600-h\/stock_market_crash.jpg<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8216;Renationalisierung wird wahrscheinlicher&#8217;. Interview mit der Tageszeitung &#8216;Der Standard&#8217;, abgedruckt am 2.1.2009 STANDARD: Gegen die Schockwellen von der Wall Street waren nicht einmal die Reichsten der Reichen in Russland gefeit. Warum? Mangott: Die gro\u00dfen russischen Unternehmen sind hoch verschuldet; die Expansion der letzten Jahre wurde nur \u00fcber Kredite finanziert. Zwar ist die Staatsverschuldung Russlands in &hellip; <a href=\"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=818\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">&#8230; finanzkrise und oligarchen &#8230;<\/span> <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-818","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-russia"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/818","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=818"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/818\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":823,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/818\/revisions\/823"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=818"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=818"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}