{"id":798,"date":"2008-12-03T10:28:40","date_gmt":"2008-12-03T09:28:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=798"},"modified":"2014-05-01T14:58:52","modified_gmt":"2014-05-01T12:58:52","slug":"die-russlandische-finanzkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=798","title":{"rendered":"&#8230; die russl\u00e4ndische finanzkrise &#8230;"},"content":{"rendered":"<p><!--[endif]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" style=\"padding-right: 4px;\" src=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/russian_stock_exchange.jpg\" alt=\"\" width=\"161\" height=\"107\" \/>Die russl\u00e4ndische Volkswirtschaft wurde durch die Finanzkrise stark getroffen. Der Kapitalabfluss ab Juli 2008 war \u00e4usserst stark, der Bankenmarkt war mit einer drastischen Liquidit\u00e4tskrise konfrontiert und die im Ausland hoch verschuldeten Grossunternehmen waren starkem Druck der Gl\u00e4ubiger ausgesetzt. Der russl\u00e4ndische Rubel kam unter starken Abwertungsdruck; allein im September und Oktober 2008 musste die Zentralbank 57.5 Mrd. USD zur St\u00fctzung der W\u00e4hrung aufwenden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Russland war aber mit einer Doppelkrise konfrontiert. Zur Finanzkrise, die immer st\u00e4rker auf die Realwirtschaft durchzuschlagen begann, kam ein starker Einnahmer\u00fcckgang aus dem Export von Roh\u00f6l und, zeitversetzt, auch Erdgas (dessen Preis in den langfristigen Liefervertr\u00e4gen mit westeurop\u00e4ischen Abnehmern \u00fcber eine Preisformel an den \u00d6lpreis gebunden ist) sowie vieler metallurgischer Produkte, aufgrund der stark fallenden Preise f\u00fcr diese Rohstoffe. Der Staatshaushalt f\u00fcr 2008 war von einem durchschnittlichen Roh\u00f6lpreis von 75 USD\/barrel ausgegangen, das Budget f\u00fcr 2009 von 95 USD. Im November 2008 aber war der Preis f\u00fcr die russl\u00e4ndische Roh\u00f6lmarke Ural auf 46 USD\/barrel abgesunken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufgrund des anhaltenden globalen Nachfrager\u00fcckgangs f\u00fcr Roh\u00f6l, ist auch 2009 mit niedrigen Roh\u00f6lpreisen zu rechnen. Dadurch sinken nicht nur Devisenzufuhr und Einnahmen f\u00fcr den staatlichen Reservefonds, sondern auch die Budgeteinnahmen aus F\u00f6rdersteuern und Exportz\u00f6llen auf Energietr\u00e4ger gehen zur\u00fcck. Auch das allgemeine Steueraufkommen geht aufgrund der wirtschaftlichen Krise zur\u00fcck. Zur St\u00fctzung der russl\u00e4ndischen Unternehmen wird zudem die K\u00f6rperschaftssteuer mit J\u00e4nner 2009 um 4 Prozent auf 20 Prozent abgesenkt werden. Dadurch sind Mindereinahmen f\u00fcr den Staatshaushalt von ann\u00e4hernd 15 Milliarden USD zu erwarten. Die Regierung hat sich im November 2008 daher entschieden, auf die Mittel des Reservefonds zur\u00fcckzugreifen, um die Budgetlage zu stabilisieren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Regierung war auch gezwungen, die Hartw\u00e4hrungsreserven der Zentralbank zur St\u00fctzung des Rubels, zur Sicherung der Liquidit\u00e4t im Bankensektor und zum Ankauf von Aktien hoch bewerteter Unternehmer (blue chip) zu nutzen. Allein von September bis November 2008 hat die Zentralbank 185 Mrd. USD zur St\u00fctzung des Bankensektors eingesetzt. Der RR hat vor allem gegen\u00fcber dem USD an Wert verloren. Die russl\u00e4ndische Zentralbank war dem Konzept des \u201amanaged floating\u2018 gefolgt; dies bedeutet, den Wert der eigenen W\u00e4hrung sich gegen\u00fcber einem Korb ausl\u00e4ndischer W\u00e4hrungen nur innerhalb einer bestimmten Bandbreite bewegen zu lassen. Der W\u00e4hrungskorb besteht aus USD (55 Prozent) und Euros (45 Prozent). Angesichts des hohen Kapitalabflusses seit Juli 2008 und dem steigenden Inflationsdruck hat sich die Zentralbank entschieden, den W\u00e4hrungskorridor schrittweise auszuweiten, was zu einer langsamen Abwertung des RR f\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Regierung war entschlossen, eine Schockabwertung wie 1992 und 1998 zu verhindern. Die Rubelabwertung w\u00fcrde zwar grunds\u00e4tzlich die Wettbewerbsf\u00e4higkeit russl\u00e4ndischer Exporte erh\u00f6hen; gleichzeitig aber w\u00fcrden darunter viele russl\u00e4ndische Unternehmen leiden, die hohe Hartw\u00e4hrungskredite aufgenommen hatten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die Au\u00dfenwirtschaftsbank (Vne\u0161ekonombank) wurden privaten Unternehmen Kredite zur Refinanzierung ihrer Auslandschulden bereitgestellt. Die Verschuldung der Unternehmen (auch vieler staatlicher Unternehmen) war in den vergangenen Jahren drastisch angewachsen und erreichte im Juli 2008 510 Mrd. USD. Zusammen mit den souver\u00e4nen Hartw\u00e4hrungsschulden droht die Auslandsverschuldung die Hartw\u00e4hrungsreserven zu \u00fcbersteigen, weswegen Russland 2008 erstmals seit 1998 wieder ein Zahlungsbilanzdefizit aufweisen k\u00f6nnte. Viele Unternehmenskredite wurden durch Aktienanteile an russl\u00e4ndischen Unternehmen abgesichert. Durch den drastischen Kursverfall an den russl\u00e4ndischen B\u00f6rsen RTS und MICEX (der Aktienindex ist zwischen Juni und November 2008 um 64.5 Prozent gefallen) aber nahm der Wert der Sicherstellungen drastisch ab und die Gl\u00e4ubiger verlangten zus\u00e4tzliche Sicherstellungen oder Kreditrefinanzierungen. Allein die Aluminiumholding RusAl von Oleg Deripaska erhielt von der Au\u00dfenwirtschaftsbank 4.2 Mrd. USD an \u00dcberbr\u00fcckungshilfe zur Refinanzierung.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Lange Zeit versuchte die russl\u00e4ndische F\u00fchrung, die Finanzkrise herunterzuspielen; die staatlich kontrollierten Medien berichteten kaum dar\u00fcber. Im Sp\u00e4therbst 2008 aber begann die Finanzkrise auf die Realwirtschaft durchzuschlagen, vor allem auf die Bauindustrie. Das Wirtschaftswachstum ist eingebrochen. Im ersten Halbjahr 2008 war das BIP Russlands noch um 8.2 Prozent gewachsen; die Gesamtjahresprognose wurde auf 6.2 Prozent abgesenkt. Die Weltbank erwartet f\u00fcr 2009 einen Wachstumsr\u00fcckgang auf 3 Prozent. Die Wachstumsraten der Industrieproduktion sind stark abgefallen, die Arbeitslosenrate w\u00e4chst, das Volumen ausstehender Lohnzahlungen nimmt zu. Der private Konsum \u2013 in den letzten Jahren ein wesentlicher Faktor f\u00fcr das wirtschaftliche Wachstum \u2013 droht einzubrechen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Bev\u00f6lkerung beobachtete die Krise mit wachsender Unruhe; die Angst vor einer neuen W\u00e4hrungskrise ist angewachsen und die Erinnerungen an den W\u00e4hrungsverfall und die Inflation der Jahre 1992 und 1998 kehrte zur\u00fcck. Zwar ist der hypothekenfinanzierte Wohnungsbau in Russland noch nicht sehr entwickelt, doch sind viele B\u00fcrger durch die steigenden Kreditzinsen erheblich unter Druck geraten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die Regierung hat sich entschieden, unter R\u00fcckgriff auf Mittel des Reservefonds eine nachfrageorientierte Ausgabenpolitik zu finanzieren. Die Regierung h\u00e4lt an den langfristigen Investitionsprogrammen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wohnungsbau und Landwirtschaft fest. Gleichzeitig sollen Mittel des Reservefonds eingesetzt werden, die budget\u00e4ren Auswirkungen absinkender Steuereinnahmen abzufedern; aber nicht nur den Einnahmenr\u00fcckgang aufgrund der verschlechterten wirtschaftlichen Lage, sondern auch als Ergebnis der von der Regierung angek\u00fcndigten Steuersenkungen. Die Regierung hat zudem auch deutlich gemacht, die sozialen Ausgaben nicht zu k\u00fcrzen: Die Zahlungen an Arbeitslose werden Anfang 2009 auch deutlich angehoben; auch die Pensionen sollen inflationsdeckend angehoben werden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung der letzten Monate hat sichtbar gemacht, wie anf\u00e4llig Russland f\u00fcr externe Schocks ist \u2013 vor allem im Bereich der Weltmarktpreise f\u00fcr seine Exportg\u00fcter im Rohstoffsektor. Offensichtlich aber wurde auch, welche Vers\u00e4umnisse geschehen sind, die wirtschaftliche Struktur Russlands zu modernisieren und zu diversifizieren. Die meisten Experten aber meinen, Russland habe das Gl\u00fcck, durch die enormen finanziellen R\u00fccklagen die Folgen der wirtschaftspolitischen Fehler in der zweiten Amtszeit Vladimir Putins auffangen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die russl\u00e4ndische Volkswirtschaft wurde durch die Finanzkrise stark getroffen. Der Kapitalabfluss ab Juli 2008 war \u00e4usserst stark, der Bankenmarkt war mit einer drastischen Liquidit\u00e4tskrise konfrontiert und die im Ausland hoch verschuldeten Grossunternehmen waren starkem Druck der Gl\u00e4ubiger ausgesetzt. 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