{"id":5214,"date":"2024-02-16T11:30:46","date_gmt":"2024-02-16T10:30:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5214"},"modified":"2024-02-16T11:30:46","modified_gmt":"2024-02-16T10:30:46","slug":"zur-kriegslage-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5214","title":{"rendered":"Zur Kriegslage in der Ukraine"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Ukraine ist milit\u00e4risch in Bedr\u00e4ngnis. Die Hoffnungen auf einen milit\u00e4rischen Durchbruch der ukrainischen Armee an der langen Frontlinie haben sich schon vor drei Monaten zerschlagen. Der Krieg ist zu einem Stellungs- und Abn\u00fctzungskrieg geworden. Die Ukraine verfolgt seitdem die Strategie der \u201eaktiven Verteidigung\u201c. Im Zentrum steht nun die Absicherung der Frontlinie, der Ausbau von Verteidigungsanlagen, um eine Offensive der russischen Armee vereiteln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Den russischen Soldaten gelingen trotzdem Verst\u00f6\u00dfe und kleinr\u00e4umige Eroberungen. Diese Vorst\u00f6\u00dfe gibt es in der Region Donezk, wo die russische Armee versucht, die Stadt Avdijivka zu erobern \u2013 oder das, was von der kriegszerst\u00f6rten Stadt noch \u00fcbriggeblieben ist. Die Russen sind nahe daran, die letzte Verbindungsstra\u00dfe in die Ruinenstadt zu erobern.<\/p>\n<p>In der Region Charkiv sto\u00dfen die russischen Streitkr\u00e4fte in der Region um die Stadt Kupjansk vor. Die russische Armee hatte diesen Ort schon kurz nach der Invasion erobert, im Herbst 2022 aber wieder an die Ukraine verloren. Schlie\u00dflich versuchen die Russen, einen kleinen ukrainischen Br\u00fcckenkopf am ostseitigen Ufer des Dnipro zur\u00fcckzuerobern. Ein russischer Vormarsch in den genannten Regionen w\u00e4re f\u00fcr Putin ein dringend ben\u00f6tigter milit\u00e4rischer Erfolg, wichtig f\u00fcr die Moral der russischen Truppe und umgekehrt ein D\u00e4mpfer f\u00fcr die Moral der ukrainischen Soldaten.<\/p>\n<p>In den letzten Wochen hat sich eine leichte milit\u00e4rische \u00dcbermacht der russischen Seite aufgebaut. Das h\u00e4ngt vor allem mit zwei Faktoren zusammen. Zum einen fehlt es den ukrainischen Soldaten an Munition, v.a. an Artilleriegeschossen. Russland kann davon deutlich mehr einsetzen; gegenw\u00e4rtig liegt das Verh\u00e4ltnis bei 5:1 f\u00fcr Russland. Zum anderen haben die ukrainischen Streitkr\u00e4fte Rekrutierungsprobleme. Viele Soldaten sind gefallen oder nun kriegsversehrt und kampfunf\u00e4hig. Die meisten Soldaten sind auch schon seit Kriegsbeginn an der Front, ohne dass es eine regelm\u00e4\u00dfige Rotation gegeben h\u00e4tte. Anders als zu Beginn des Krieges gibt es auch nur mehr wenige Freiwillige, die sich zum Kriegsdienst bereit erkl\u00e4ren. Eine neue Mobilmachung ist erforderlich, aber diese ist politisch umstritten, w\u00e4re finanziell sehr teuer und w\u00fcrde der ukrainischen Wirtschaft stark schaden.<\/p>\n<p>Der abgesetzte Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkr\u00e4fte, ein potentieller politischer Konkurrent f\u00fcr Pr\u00e4sident Selenskyj, forderte vor seiner Abl\u00f6se die Mobilisierung von bis zu 500.000 M\u00e4nnern und Frauen. Selenskyj aber z\u00f6gert, daf\u00fcr die politische Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Neben Munition braucht die ukrainische Armee aber zus\u00e4tzliche Luftabwehrsysteme mit Munition, Kampf- und Sch\u00fctzenpanzer, Minenr\u00e4umger\u00e4te und anderes mehr. Im April wird die Ukraine von D\u00e4nemark erste westliche Kampfflugzeuge bekommen \u2013 die F-16. Die Zahl wird aber nicht gro\u00df sein und auch mit welcher Bewaffnung die Flugzeuge geliefert werden, ist noch unsicher. Eine dramatische Wende im Krieg werden aber auch diese nicht bringen.<\/p>\n<p>Das Ziel des ukrainischen Generalstabs, die gegenw\u00e4rtige Frontlinie zu halten, um dann vielleicht 2025 wieder eine neue Offensive zu versuchen, ist aber ohne massive westliche Milit\u00e4rhilfe kaum m\u00f6glich. Die europ\u00e4ische Milit\u00e4rhilfe wird sowohl \u00fcber bilaterale Lieferungen als auch die Bereitstellung von R\u00fcstungsg\u00fctern \u00fcber die Europ\u00e4ische Friedensfazilit\u00e4t laufen. Das werden in diesem Jahr bestenfalls 25 Mrd. Euro sein. Der politische Wille zu h\u00f6heren Aufwendungen fehlt allerdings in vielen europ\u00e4ischen Staaten, zumal auch sehr viel Geld in die Ausr\u00fcstung der europ\u00e4ischen Armeen investiert werden muss.<\/p>\n<p>Bleibt weitere Milit\u00e4rhilfe der USA aus \u2013 vielleicht schon vor den US-Pr\u00e4sidentenwahlen im November, wenn der Kongress weiter blockiert wird, oder aber sp\u00e4testens, wenn Trump wieder das Pr\u00e4sidentenamt \u00fcbernehmen werden.<\/p>\n<p>Russland und die Ukraine sind derzeit nicht verhandlungsbereit. Es muss aber realistisch erwartet werden, dass sich die ukrainische Verhandlungsposition in diesem Jahr noch verschlechtern k\u00f6nnte. Daher sollte der Beginn von Verhandlungen \u00fcber eine Waffenruhe dringlich \u00fcberlegt werden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Photo credit: https:\/\/www.derstandard.at\/story\/3000000207611\/ukraine-zieht-sich-aus-strategisch-wichtiger-stadt-awdijiwka-zurueck<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":5216,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-5214","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-russia"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5214","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5214"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5214\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5217,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5214\/revisions\/5217"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5216"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5214"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5214"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5214"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}