{"id":5210,"date":"2024-02-09T11:12:54","date_gmt":"2024-02-09T10:12:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5210"},"modified":"2024-02-09T11:13:35","modified_gmt":"2024-02-09T10:13:35","slug":"ein-versager-und-sein-lehrmeister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5210","title":{"rendered":"Ein Versager und sein Lehrmeister"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Hillary Clinton hatte ihn schon vor der Ausstrahlung des Interviews einen n\u00fctzlichen Idioten Putins genannt. Tucker Carlson hat sich angebiedert, um ein Interview mit dem eisernen Kriegsherren, mit Vladimir Putin, zu bekommen. Es sollte ein langatmiges Interview werden. Putin inszeniert sich in diesem Interview als gro\u00dfer Historiker, der die Geschichte Russlands in all seinen Epochen zu erkl\u00e4ren vermag. Nat\u00fcrlich bestreitet Putin in diesem Gespr\u00e4ch das Recht des ukrainischen Territoriums auf Eigenstaatlichkeit; Putin macht die sowjetischen Kommunisten verantwortlich f\u00fcr ein ukrainisches staatliches Artefakt.<\/p>\n<p>Da ist es auch wieder \u2013 die Behauptung Putins, die NATO h\u00e4tte 1990 versichert, sich nicht nach Osteuropa auszudehnen. Dabei gab es niemals so ein Versprechen \u2013 weder m\u00fcndlich, noch schriftlich. Putin attackiert den Westen, der das V\u00f6lkerrecht gebeugt und seinen Interessen untergeordnet zu haben und verweist auf die NATO-Milit\u00e4roperation gegen Serbien im Jahr 1999. Dann folgt das Wehklagen \u00fcber die gegen Russland gerichteten Entscheidungen und Handlungen der USA in den Jahren danach. Der Westen habe st\u00e4ndig Druck auf Russland ausge\u00fcbt und dessen Interessen nicht respektiert.<\/p>\n<p>Tucker Carlson unterbricht Putin kaum; er stellt keine kritischen Fragen, sondern erlaubt Putin, weiter zu dozieren. Es bleibt auch unangefochten, als Putin den Umsturz in der Ukraine im Februar 2014 als vom CIA organisiert darstellt. Ohne diesen Putsch h\u00e4tte Russland die Grenzen der Ukraine nicht angetastet. Dann wirft Putin der Ukraine vor, das Minsker Abkommen zur friedlichen Konfliktregelung in der \u00f6stlichen Ukraine aufgek\u00fcndigt zu haben. Dann kommt die gro\u00dfe L\u00fcge: Putin betont, nicht Russland habe den Krieg im Krieg im Jahr 2022 gestartet, die Ukraine habe ihn gestartet und Russland wolle diesen Krieg mit seiner Invasion beenden. Das ist dieselbe T\u00e4ter-Opfer Umkehr, von der die russische F\u00fchrung seit Kriegsbeginn spricht.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich redet Putin \u00fcber die notwendige Denazifizierung der Ukraine, weist auf die Verehrung des Nazi-Kollaborateurs Bandera hin. Putin genie\u00dft es sichtlich, seine Deutung der Geschichte und der Gegenwart des ukrainischen Staates darlegen zu k\u00f6nnen. Tucker Carlson fordert ihn nicht mit harten Fragen und Einw\u00e4nden; er bleibt Stichwortgeber Putins, ein braves Gegen\u00fcber, das nichts in Frage stellt. Das l\u00e4sst Putin auch unwidersprochen behaupten, dass es im Fr\u00fchjahr 2022 mit der ukrainischen F\u00fchrung ein Abkommen gegeben habe, diesen Krieg zu beenden. Westliche Staaten h\u00e4tte das aber verhindert.<\/p>\n<p>Es gebe keinen Grund f\u00fcr ihn, mit Biden zu sprechen. Der Westen m\u00fcsse nur aufh\u00f6ren, Waffen an die Ukraine zu liefern. Dann w\u00e4re alles in einigen Wochen vor\u00fcber und man k\u00f6nnte sich dann \u00fcber die Regelung des Konfliktes unterhalten. Putin leugnet auch russische Absichten Polen oder die baltischen Staaten anzugreifen. Das sei nur eine Kriegshysterie des Westens, um die eigene Bev\u00f6lkerung zu ver\u00e4ngstigen. Es sei v\u00f6llig absurd, von solchen russischen Eroberungspl\u00e4nen zu sprechen. Das Ziel des Westens sei vielmehr, Russland so weit als m\u00f6glich zu schw\u00e4chen und er benutze die Ukraine dazu, dieses Ziel zu erreichen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kam, was alle Beobachter erwartet hatten: Putin fragt, ob die USA nicht gr\u00f6\u00dfere Probleme zuhause h\u00e4tten, statt die Ukraine, Tausende Kilometer entfernt von den USA zu unterst\u00fctzen. Er appelliert hier an die US-B\u00fcrger, die an \u201eAmerica first\u201c glauben und einen isolationistischen Kurs unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Dann der Angriff auf Deutschland: Die deutsche Regierung verfolge nicht ihre eigenen Interessen, sondern vertrete fremde Interessen. Deutschland werde von v\u00f6llig unf\u00e4higen Personen gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Letztlich bleibt der Eindruck, dass hier ein dummer Amerikaner sitzt, den zu bel\u00fcgen und zu t\u00e4uschen Putin ein Vergn\u00fcgen ist. Carlson wehrt sich nicht, nimmt sich offenbar selber nicht ernst und bietet Putin eine B\u00fchne zur Selbstdarstellung, zur Verf\u00fchrung der Menschen, die sich dieses monstr\u00f6se Interview ansehen werden. Putin lacht immer wieder selbstgef\u00e4llig, er genie\u00dft die Szenerie und denkt wohl, mir sitzt ein Trottel gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wirft Putin den USA vor, Russland als Staat zerst\u00f6ren zu wollen, das Land aufspalten zu wollen. Er erz\u00e4hlt das Narrativ, das vom russischen Regime auch gegen\u00fcber der eigenen Bev\u00f6lkerung benutzt wird. Die USA w\u00fcrden aber nicht verstehen, wie sehr sich die Welt ver\u00e4ndere und wie neue Machtzentren die Dominanz der USA beschr\u00e4nken w\u00fcrden. Schlie\u00dflich ist sich Carlson nicht zu schade, das absurde Argument in den Ring zu werfen, dass die USA Russland zum Angriff auf die Ukraine provoziert habe. Nein., das war kein Interview; es gab keine bohrenden Fragen, keinen Widerspruch, keinen Dissens. Carlson begn\u00fcgte sich, Putin ein Podium zu bieten \u2013 zu dessen Gaudium. Es lohnt sich nicht, diese 127 Minuten Putinscher Weltdeutung anzusehen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Photo credit: https:\/\/www.cbc.ca\/news\/politics\/putin-tucker-carlson-interview-hunka-affair-canada-1.7109911<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":5211,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-5210","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-russia"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5210","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5210"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5210\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5213,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5210\/revisions\/5213"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5211"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5210"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5210"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5210"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}