{"id":5120,"date":"2023-03-31T08:02:06","date_gmt":"2023-03-31T06:02:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5120"},"modified":"2023-03-31T08:02:06","modified_gmt":"2023-03-31T06:02:06","slug":"die-sanktionen-des-westens-gegen-russland-wirken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5120","title":{"rendered":"Die Sanktionen des Westens gegen Russland wirken"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Putin sagt nun \u00f6ffentlich, die westlichen Sanktionen k\u00f6nnten &#8220;mittelfristig negative Konsequenzen&#8221; f\u00fcr Russland bringen. Bislang meinte er immer, die Sanktionen k\u00f6nnten der russischen Wirtschaft nichts anhaben. Diese Bemerkung ist beachtlich \u2013 nicht ob ihres Inhalts, sondern weil sie \u00f6ffentlich gemacht wurde. Damit unterst\u00fctzt Putin die westlichen Argumente, dass die Sanktionen gegen Russland sehr wohl wirksam sind; und das jedes Monat mehr. Das ist ein Erfolg, den Putin dem Westen hier bereitet. Es wird auch schwieriger, f\u00fcr die radikale Rechte und Linke in Europa an ihrem Argument festzuhalten, dass die Sanktionen nicht wirken w\u00fcrden; sondern vielmehr den westlichen L\u00e4ndern selbst schaden w\u00fcrden. Letztere Einsch\u00e4tzung wird durch Putins \u00c4u\u00dferung nicht widerlegt, sehr wohl aber das Argument der angeblichen Wirkungslosigkeit der Sanktionen.<\/p>\n<p>Putin ist nat\u00fcrlich bewusst, dass seine Worte im Westen dankbar aufgenommen und propagandistisch verwertet werden. Warum macht er dann diesen Schritt? Es gibt nur eine einzige plausible Erkl\u00e4rung: Putin will die russische Bev\u00f6lkerung auf negative Entwicklungen der Wirtschaft hinweisen und vorwarnen. Russland wird sich den Konsequenzen der westlichen Sanktionen nicht entziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Sanktionen haben bislang dazu gef\u00fchrt, dass die russische Wirtschaft 2022 in die Rezession geschlittert ist. Zwar nur um 2,1 Prozent, wie russische Regierungsbeh\u00f6rden sagen; oder auch um 3 Prozent, wie der Internationale W\u00e4hrungsfonds angibt. Das ist deutlich weniger, als noch im Fr\u00fchjahr 2022 im Westen erwartet und erhofft worden war. Es gilt aber zu bedenken, dass die Wachstumsaussichten f\u00fcr Russland im Jahr 2022 vor dem Krieg bei 3,5 Prozent lagen. Dieses Wachstum wurde nicht nur nicht realisiert, sondern die Kontraktion der Volkswirtschaft ist eingetreten. Auch ist zu sagen, dass die immens gesteigerten R\u00fcstungsausgaben das BIP Russlands st\u00fctzen.<\/p>\n<p>Deutlicher sind die Auswirkungen der Sanktionen auf den russischen Staatshaushalt. 2022 verzeichnete Russland ein Budgetdefizit von ca. 2 Prozent des BIP. Dieses Jahr wird das Defizit deutlich steigen. Das h\u00e4ngt vor allem mit den hohen R\u00fcstungsausgaben, aber auch mit den verminderten Einnahmen Russlands aus dem Energieexport zusammen. Die Sanktionen der EU im Kohle- und \u00d6lsektor treffen Russland hart; diese Produkte k\u00f6nnen nicht in vollem Umfang auf Drittm\u00e4rkten verkauft werden. Aber auch die Abkehr der meisten EU-Staaten von russischem Gas tr\u00e4gt zu dieser finanziellen Austrocknung bei. Russland kann das Budget auf kurze Zeit aber stabilisieren, in dem die Mittel aus dem Nationalen Wohlfahrtsfonds genutzt werden. Dieser hat eine mutma\u00dfliche Einlage von 162 Mrd. Dollar. Doch das wird nicht dauerhaft helfen. Irgendwann wird sich die russische F\u00fchrung der Tatsache widmen m\u00fcssen, dass hohe R\u00fcstungsausgaben bei sinkenden Staatseinnahmen auch die Sozialausgaben verringern werden. Das aber w\u00fcrde zu Unmut und Unzufriedenheit in der russischen Bev\u00f6lkerung f\u00fchren.<\/p>\n<p>Wachsende negative Auswirkungen werden die westlichen Exportverbote f\u00fcr Hochtechnologie haben. Besonders die russische Auto- und Luftfahrtindustrie leidet darunter stark. Aber auch andere Branchen in der zivilen und milit\u00e4rischen Industrie sind davon betroffen. Sie alle verwenden hochwertige westliche Komponenten in der Fertigung, die nur teilweise von China bereitgestellt werden k\u00f6nnen und wollen.<\/p>\n<p>Die anf\u00e4nglich hohe Inflation in Russland ist nach einem deutlichen Anstieg im Fr\u00fchjahr 2022 bis Ende des letzten Jahres auf 11,6 Prozent zur\u00fcckgegangen. Am Mittwoch wurde eine Inflationsrate von 6,4 Prozent gemeldet. Wenn diese Angaben stimmen, ist das ein Erfolg, der vor allem auf die Zinspolitik der Zentralbank Russlands zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Die Sanktionen treiben die Inflation also nicht wirklich in die H\u00f6he.<\/p>\n<p>Die Sanktionen des Westens wirken als Bestrafung Russlands. Russlands Verhalten, den Krieg in der Ukraine zu f\u00fchren, zu \u00e4ndern, wird aber nicht gelingen. Daf\u00fcr sind die geopolitischen Ambitionen f\u00fcr Putin wichtiger, als das wirtschaftliche und soziale Wohlergehen des Landes. Wirksam werden die Sanktionen mittelfristig auch darauf, die Kriegsf\u00fchrungsf\u00e4higkeit Russlands zu verringern \u2013 durch finanzielle und technologische Austrocknung.<\/p>\n<p>Die westlichen Sanktionen wirken also; und das immer mehr. An dieser Tatsache kann auch die russische Propaganda nicht mehr vorbei. Daher die Botschaft des Pr\u00e4sidenten an die Bev\u00f6lkerung: Die Zeiten werden h\u00e4rter werden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Dieser Text ist als Gastbeitrag am 30.3.2023 auf focus.de erschienen (https:\/\/www.focus.de\/panorama\/welt\/gastbeitrag-von-gerhard-mangott-und-ploetzlich-sagt-putin-einen-satz-der-wagenknecht-und-co-zu-denken-geben-sollte_id_189736756.html)<\/em><\/p>\n<p><em>Photo credit: https:\/\/www.entrepreneur.com\/growing-a-business\/how-entrepreneurs-can-win-during-a-recession\/348975<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":5125,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-5120","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-russia"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5120","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5120"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5120\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5126,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5120\/revisions\/5126"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5125"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}