{"id":5113,"date":"2023-03-15T09:40:22","date_gmt":"2023-03-15T08:40:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5113"},"modified":"2023-03-15T10:22:33","modified_gmt":"2023-03-15T09:22:33","slug":"droht-geogien-und-moldawien-militarische-gefahr-von-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5113","title":{"rendered":"Droht Georgien und Moldawien milit\u00e4rische Gefahr von Russland?"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>\u201eWir empfehlen dem georgischen Volk, sich an eine \u00e4hnliche Situation in der Ukraine im Jahr 2014 zu erinnern und daran, wozu sie letztendlich f\u00fchrte!\u201c Mit dieser \u00c4u\u00dferung hat das russische Au\u00dfenministerium Georgien nach den Anti-Regierungsprotesten unverhohlen mit einer Invasion gedroht. In Georgien waren Proteste gegen ein von der Regierungspartei \u201eGeorgischer Traum\u201c vorgelegtes Gesetz \u00fcber die Einf\u00fchrung des Status eines \u201eausl\u00e4ndischen Agenten\u201c f\u00fcr NGOs, die mehr als 20 Prozent ihrer finanziellen Mittel aus dem Ausland erhalten, ausgebrochen. Die Demonstrationen hatten indirekt auch einen antirussischen Charakter.<\/p>\n<p>Die russische \u00c4u\u00dferung war typisch f\u00fcr das Auftreten dieser Gro\u00dfmacht. Russland wirbt nicht um Zustimmung, versucht nicht, mit weicher Macht Anerkennung zu finden, sondern droht offen, getreu dem Grundsatz: \u201eM\u00f6gen sie mich hassen, solange sie mich f\u00fcrchten\u201c. Auch wenn dieser Ansatz seit vielen Jahren keine fruchtbaren Ergebnisse bringt, h\u00e4lt Russland arrogant daran fest. Russland setzt nicht auf die Macht der \u00dcberzeugung, sondern auf die Macht des Zwangs.<\/p>\n<p>Gleichwohl ist es auch nur eine hohle Drohung. Russland hat nicht die milit\u00e4rische Kraft, an zwei Fronten Krieg zu f\u00fchren. Die russische Armee wurde im Krieg in der Ukraine deutlich entzaubert. Die Kr\u00e4fte dort sind, in krasser \u00dcberdehnung, nicht mehr zu gro\u00dfen Gel\u00e4ndegewinnen f\u00e4hig. Im Gegenteil, die russische Armee muss dort erfolgreiche ukrainische Gegenoffensiven f\u00fcrchten. Schon jetzt ist der Gro\u00dfteil des russischen Heeres in der Ukraine stationiert. Da reichen die Kr\u00e4fte Russlands in Georgien nur dazu, die separatistischen georgischen Regionen Abchasien und S\u00fcdossetien gegen einen georgischen R\u00fcckeroberungsversuch abzusichern.<\/p>\n<p>Eigentlich ist es genau andersrum. Die ukrainische Regierung hat ein Interesse daran, dass Georgien eine zweite Front gegen Russland er\u00f6ffnet. Russland w\u00fcrde dann milit\u00e4risch v\u00f6llig \u00fcberfordert sein und die Ukraine an der Front im eigenen Land ein wenig entlasten. Die gegenw\u00e4rtige georgische Regierung hat kein Interesse an einer milit\u00e4rischen Konfrontation mit Russland. Die derzeitige Opposition aber k\u00f6nnte dem Verlangen erliegen, die von Russland besetzten separatistischen Regionen zur\u00fcckzuerobern. Die Gelegenheit k\u00f6nnte als g\u00fcnstig erscheinen, nachdem Russland sich nahezu vollst\u00e4ndig auf die Front in der Ukraine konzentrieren muss.<\/p>\n<p>Ebenso wenig zu bef\u00fcrchten ist ein russisches milit\u00e4risches Ausgreifen nach Moldawien. W\u00e4re es den russischen Streitkr\u00e4ften im vergangenen Jahr gelungen, die Region Odessa zu erobern und damit eine Landbr\u00fccke bis zum Separatistengebiet Transnistrien in Moldawien zu bilden, w\u00e4re dieses Szenario noch wahrscheinlich gewesen. Genau das aber ist der russischen Seite nicht gelungen; und es wird ihr auch nicht mehr gelingen. Es w\u00e4re eine strategische Dummheit, wenn Russland in der derzeitigen Konstellation versuchen w\u00fcrde, milit\u00e4risch Moldawien anzugreifen.<\/p>\n<p>Russland versucht hingegen, die innenpolitische Lage in Moldawien zu destabilisieren. Die westfreundliche Regierung von Pr\u00e4sidentin Maia Sandu soll durch eskalierende Massenproteste gest\u00fcrzt werden und russlandfreundliche Kr\u00e4fte an die Macht bringen. Russland agiert hier im Verbund mit moldawischen Oligarchen wie Ilan Shor und Vladimir Plahotniuc, die eigene Interessen an einem Regierungssturz haben. Moldawien ist also von russischer Unterwanderung und Destabilisierung betroffen, aber es droht kein milit\u00e4rischer Angriff Russlands. Auch hier gilt, dass eine milit\u00e4rische Eskalation im Interesse der Ukraine w\u00e4re.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist die russische F\u00fchrung auch in der innenpolitischen Szenerie Georgiens aktiv. Mit der derzeitigen F\u00fchrung kann Moskau gut leben und Russland st\u00e4rkt sie indirekt. Russland mischt sich also sehr stark in die inneren Verh\u00e4ltnisse Georgiens und Moldawiens ein. Eine milit\u00e4rische Aktion Russlands ist aber nicht zu erwarten.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Dieser Kommentar ist am 15.3.2023 auf focus.de erschienen (<\/p>\n<p>\u201eWir empfehlen dem georgischen Volk, sich an eine \u00e4hnliche Situation in der Ukraine im Jahr 2014 zu erinnern und daran, wozu sie letztendlich f\u00fchrte!\u201c Mit dieser \u00c4u\u00dferung hat das russische Au\u00dfenministerium Georgien nach den Anti-Regierungsprotesten unverhohlen mit einer Invasion gedroht. In Georgien waren Proteste gegen ein von der Regierungspartei \u201eGeorgischer Traum\u201c vorgelegtes Gesetz \u00fcber die Einf\u00fchrung des Status eines \u201eausl\u00e4ndischen Agenten\u201c f\u00fcr NGOs, die mehr als 20 Prozent ihrer finanziellen Mittel aus dem Ausland erhalten, ausgebrochen. Die Demonstrationen hatten indirekt auch einen antirussischen Charakter.<\/p>\n<p>Die russische \u00c4u\u00dferung war typisch f\u00fcr das Auftreten dieser Gro\u00dfmacht. Russland wirbt nicht um Zustimmung, versucht nicht, mit weicher Macht Anerkennung zu finden, sondern droht offen, getreu dem Grundsatz: \u201eM\u00f6gen sie mich hassen, solange sie mich f\u00fcrchten\u201c. Auch wenn dieser Ansatz seit vielen Jahren keine fruchtbaren Ergebnisse bringt, h\u00e4lt Russland arrogant daran fest. Russland setzt nicht auf die Macht der \u00dcberzeugung, sondern auf die Macht des Zwangs.<\/p>\n<p>Gleichwohl ist es auch nur eine hohle Drohung. Russland hat nicht die milit\u00e4rische Kraft, an zwei Fronten Krieg zu f\u00fchren. Die russische Armee wurde im Krieg in der Ukraine deutlich entzaubert. Die Kr\u00e4fte dort sind, in krasser \u00dcberdehnung, nicht mehr zu gro\u00dfen Gel\u00e4ndegewinnen f\u00e4hig. Im Gegenteil, die russische Armee muss dort erfolgreiche ukrainische Gegenoffensiven f\u00fcrchten. Schon jetzt ist der Gro\u00dfteil des russischen Heeres in der Ukraine stationiert. Da reichen die Kr\u00e4fte Russlands in Georgien nur dazu, die separatistischen georgischen Regionen Abchasien und S\u00fcdossetien gegen einen georgischen R\u00fcckeroberungsversuch abzusichern.<\/p>\n<p>Eigentlich ist es genau andersrum. Die ukrainische Regierung hat ein Interesse daran, dass Georgien eine zweite Front gegen Russland er\u00f6ffnet. Russland w\u00fcrde dann milit\u00e4risch v\u00f6llig \u00fcberfordert sein und die Ukraine an der Front im eigenen Land ein wenig entlasten. Die gegenw\u00e4rtige georgische Regierung hat kein Interesse an einer milit\u00e4rischen Konfrontation mit Russland. Die derzeitige Opposition aber k\u00f6nnte dem Verlangen erliegen, die von Russland besetzten separatistischen Regionen zur\u00fcckzuerobern. Die Gelegenheit k\u00f6nnte als g\u00fcnstig erscheinen, nachdem Russland sich nahezu vollst\u00e4ndig auf die Front in der Ukraine konzentrieren muss.<\/p>\n<p>Ebenso wenig zu bef\u00fcrchten ist ein russisches milit\u00e4risches Ausgreifen nach Moldawien. W\u00e4re es den russischen Streitkr\u00e4ften im vergangenen Jahr gelungen, die Region Odessa zu erobern und damit eine Landbr\u00fccke bis zum Separatistengebiet Transnistrien in Moldawien zu bilden, w\u00e4re dieses Szenario noch wahrscheinlich gewesen. Genau das aber ist der russischen Seite nicht gelungen; und es wird ihr auch nicht mehr gelingen. Es w\u00e4re eine strategische Dummheit, wenn Russland in der derzeitigen Konstellation versuchen w\u00fcrde, milit\u00e4risch Moldawien anzugreifen.<\/p>\n<p>Russland versucht hingegen, die innenpolitische Lage in Moldawien zu destabilisieren. Die westfreundliche Regierung von Pr\u00e4sidentin Maia Sandu soll durch eskalierende Massenproteste gest\u00fcrzt werden und russlandfreundliche Kr\u00e4fte an die Macht bringen. Russland agiert hier im Verbund mit moldawischen Oligarchen wie Ilan Shor und Vladimir Plahotniuc, die eigene Interessen an einem Regierungssturz haben. Moldawien ist also von russischer Unterwanderung und Destabilisierung betroffen, aber es droht kein milit\u00e4rischer Angriff Russlands. Auch hier gilt, dass eine milit\u00e4rische Eskalation im Interesse der Ukraine w\u00e4re.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist die russische F\u00fchrung auch in der innenpolitischen Szenerie Georgiens aktiv. Mit der derzeitigen F\u00fchrung kann Moskau gut leben und Russland st\u00e4rkt sie indirekt. Russland mischt sich also sehr stark in die inneren Verh\u00e4ltnisse Georgiens und Moldawiens ein. Eine milit\u00e4rische Aktion Russlands ist aber nicht zu erwarten.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Dieser Kommentar ist am 14.2.2023 auf focus.de erschienen (https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/ukraine-krise\/gastbeitrag-von-gerhard-mangott-putin-ministerium-droht-georgien-dabei-gibt-es-fuer-kreml-eine-andere-gefahr_id_188308728.html)<\/em><\/p>\n<p><em>Photo credit:\u00a0https:\/\/edition.cnn.com\/2023\/03\/08\/europe\/georgia-protests-wednesday-intl\/index.html<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":5116,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-5113","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-russia"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5113","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5113"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5113\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5118,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5113\/revisions\/5118"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5116"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5113"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5113"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5113"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}