{"id":5108,"date":"2023-02-24T09:22:29","date_gmt":"2023-02-24T08:22:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5108"},"modified":"2023-02-24T09:24:09","modified_gmt":"2023-02-24T08:24:09","slug":"krieg-in-der-ukraine-wie-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5108","title":{"rendered":"Krieg in der Ukraine: Wie weiter?"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Russlands \u00dcberfall auf die Ukraine geht nunmehr in das zweite Kriegsjahr. In den letzten Monaten hat sich die Frontlinie kaum verschoben. Nach den erfolgreichen ukrainischen Offensiven in den Regionen Charkiv und Cherson im Herbst des letzten Jahres, konnte Russland zwar kleine Gel\u00e4ndegewinne erzielen, aber f\u00fcr beide Seiten gab es keinen milit\u00e4rischen Durchbruch.<\/p>\n<p>F\u00fcr die n\u00e4chsten Wochen und Monate werden von beiden Kriegsparteien Fr\u00fchjahrsoffensiven erwartet. Erste Anzeichen der russischen Offensive verdichten sich. Russland wird vermutlich versuchen, das noch von der ukrainischen Armee kontrollierte Territorium der Provinz Donezk zu erobern. Die \u201eBefreiung\u201c des Donbass, zu dem diese Region geh\u00f6rt, z\u00e4hlt noch immer zu den erkl\u00e4rten Kriegszielen Russlands. Die russische Armee w\u00fcrde versuchen, zur Linie Kramatorsk und Slovjank in der Provinz Donezk vorzusto\u00dfen und in der Provinz Luhansk die Verteidigungslinie bei Kremmina zumindest zu halten. Die ukrainische Offensive ist wohl in der Region Zaporizhija zu erwarten. Ziel w\u00e4re es, \u00fcber die Stadt Melitopol bis an die K\u00fcste des Asowschen Meeres vorzusto\u00dfen. Damit w\u00fcrden die russischen Besatzungsgebiete in zwei H\u00e4lften geteilt und die Landbr\u00fccke zwischen der Krim und dem Donbass durchbrochen. Ob ein solcher Vorsto\u00df schon in den ersten Fr\u00fchjahrsmonaten stattfinden wird, ist unsicher. Kl\u00fcger w\u00e4re es wohl, die ukrainische Armee w\u00fcrde zuerst versuchen, einer offensiven russischen Armee standzuhalten und erst dann \u2013 nach Schw\u00e4chung der Russen \u2013 selbst in die Offensive zu gehen.<\/p>\n<p>Die russische Offensive aufzuhalten oder gar zur\u00fcckzuschlagen wird ohne substantielle Lieferungen westlicher Kampfpanzer aber nicht m\u00f6glich sein. Vermutlich aber werden gr\u00f6\u00dfere Zahlen von Leopard 2 Kampfpanzern nicht rechtzeitig zur Verf\u00fcgung stehen. Das auch weil europ\u00e4ische Staaten, anders als vor der deutschen Entsendungsentscheidung, nun bei der Lieferung der modernsten Variante des Leopard 2 (A6) z\u00f6gern. Den modernen Leopard 2 A6 wollen nur Deutschland und Portugal liefern; insgesamt 17 Panzer. F\u00fcr den Leopard 2 A4 gibt es bis jetzt Zusagen von Polen, Kanada und Norwegen \u2013 insgesamt 26 Panzer. Deutlich weniger also als die zwei Bataillone, die zu liefern geplant sind. Wichtig ist nat\u00fcrlich auch die nun von den USA zugesagte Pr\u00e4zisionsmunition mit langer Reichweite (<em>Ground Launched Small Diameter Bomb<\/em>). Kampfflugzeuge, die im Verbund mit westlichen Kampfpanzern, die Offensivkraft der ukrainischen Armee deutlich steigern w\u00fcrden, werden wohl (noch lange) nicht an die Ukraine \u00fcberstellt werden.<\/p>\n<p>Dennoch wird die ukrainische F\u00fchrung die Forderung nach Kampfflugzeugen nicht aufgeben. Das wird den Druck auf Deutschland wieder erh\u00f6hen, Tornados oder Eurofighter zu liefern. Allerdings w\u00fcrde Bundeskanzler Scholz an Glaubw\u00fcrdigkeit verlieren, w\u00fcrde er die von ihm selbst gezogene rote Linie \u2013 n\u00e4mlich keine Kampfflugzeuge liefern zu wollen &#8211; dann doch \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p>Doch auch der Ruf nach diplomatischen Initiativen ist von der deutschen Regierung nicht zu erwarten. F\u00fcr Verhandlungen gibt es derzeit keine M\u00f6glichkeiten. Beide Kriegsparteien setzen noch immer auf Erfolge auf dem Schlachtfeld. Zwar erkl\u00e4ren zwar Russland und die Ukraine zu Verhandlungen bereit zu sein; sie stellen daf\u00fcr aber Vorbedingungen, die die jeweils andere Seite nicht akzeptieren kann. Russland verlangt von der ukrainischen F\u00fchrung die \u201eRealit\u00e4ten am Boden\u201c anzuerkennen, d.h. die Zugeh\u00f6rigkeit der vier teilweise von Russland besetzten Regionen in der Ost- und S\u00fcdukraine. Selenskij denkt aber nicht daran, territoriale Zugest\u00e4ndnisse zu machen; das will auch die deutliche Mehrheit der ukrainischen Bev\u00f6lkerung nicht. Die ukrainische F\u00fchrung will zum einen nicht mit Putin verhandeln; zum anderen will sie erst verhandeln, wenn alle russischen Truppen die Ukraine einschlie\u00dflich der Krim verlassen haben. Aber wor\u00fcber soll dann noch verhandelt werden? Verhandlungen, zumindest \u00fcber einen Waffenstillstand, werden erst m\u00f6glich werden, wenn eine der beiden Kriegsparteien vor der milit\u00e4rischen Niederlage steht oder beide Armeen ersch\u00f6pft sind und sich keinen Zugewinn auf dem Schlachtfeld mehr erwarten.<\/p>\n<p>Neben der Milit\u00e4rhilfe versucht der Westen auch durch Wirtschafts- und Finanzsanktionen den Kriegsverlauf zu beeinflussen. Die Volkswirtschaft Russlands hat sich bislang als resilienter erwiesen als erwartet und erhofft. Nach einer relativ leichten Rezession im Jahr 2022, k\u00f6nnte sich f\u00fcr Russland dieses Jahr ein Nullwachstum ausgehen. Die Verbote von Hochtechnologieexporten werden der russischen Wirtschaft aber zusetzen und zu Produktionsausf\u00e4llen oder -r\u00fcckg\u00e4ngen f\u00fchren. Als wirkungsstark haben sich die Sanktionen des Westens gegen russische Exporte von Roh\u00f6l und \u00d6lprodukten erwiesen. Die Einnahmen aus der \u00d6l- und Gasf\u00f6rderung und dem Export f\u00fcr den russischen Staatshaushalt sind im J\u00e4nner 2023 um 46 Prozent niedriger gewesen als im J\u00e4nner 2022. Der Staatshaushalt wird heuer ein deutliches Defizit aufweisen. Das wird die Kriegsf\u00fchrungsf\u00e4higkeit Russlands schw\u00e4chen. Durch Sanktionen wird in der Regel auch der Sanktionsgeber betroffen. Das zeigt sich im R\u00fcckgang des Au\u00dfenhandels der EU mit Russland und erh\u00f6hten Energiepreisen. Das aber ist ein Preis, den die EU zahlen will.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Dieser Kommentar ist am 23.2.2023 auf focus.de erschienen (https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/ukraine-krise\/gastbeitrag-von-gerhard-mangott-der-poker-mit-den-offensiven-warum-es-fuer-die-ukraine-klug-waere-abzuwarten_id_186444262.html).<\/em><\/p>\n<p><em>Photo credit: https:\/\/www.businessinsider.com\/ukraine-video-shows-aftermath-russian-attack-town-north-of-kyiv-2022-3<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":5025,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-5108","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-russia"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5108","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5108"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5108\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5111,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5108\/revisions\/5111"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5025"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5108"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5108"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5108"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}