{"id":5048,"date":"2022-11-15T10:02:00","date_gmt":"2022-11-15T09:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5048"},"modified":"2022-11-15T10:57:26","modified_gmt":"2022-11-15T09:57:26","slug":"es-lauft-nicht-gut-fur-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5048","title":{"rendered":"Es l\u00e4uft nicht gut f\u00fcr Russland"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Der erzwungene R\u00fcckzug der russischen Truppen vom Westufer der Regionen Cherson war die dritte schwere Niederlage f\u00fcr die russische F\u00fchrung seit dem Beginn des Krieges. Auch wenn in Moskau offiziell von einer \u201eUmgruppierung\u201c zum Schutz der Soldaten die Rede ist, bleibt es dennoch eine Niederlage.<\/p>\n<p>Es l\u00e4uft nicht gut f\u00fcr Putin in den letzten Wochen. Milit\u00e4risch gelingt keine Offensive mehr, sondern bleibt nur der verzweifelte Versuch, die Frontlinien zu halten. Die versuchte Anzettelung einer wirtschaftlichen und politischen Krise in der EU durch die starke Drosselung der Gaslieferungen scheint nicht zu wirken. Umfragen zufolge, ist in der EU noch immer eine Bev\u00f6lkerungsmehrheit f\u00fcr die fortgesetzte Unterst\u00fctzung der Ukraine.<\/p>\n<p>Die impliziten Drohungen der russischen F\u00fchrung, \u201ealle verf\u00fcgbaren Mittel\u201c zur Verteidigung der eroberten und annektierten Regionen einzusetzen, blieb bislang nur eine leere Drohung. Moskau muss einen Gebietsverlust nach dem anderen hinnehmen. Die in der Drohung angelegte Botschaft, auch Nuklearwaffen einzusetzen, bleibt ohne Wirkung. Es gibt zwar westliche Regierungen, die aufgrund eines derartigen Eskalationsrisikos ihre Waffenlieferungen an die Ukraine in Grenzen halten. Die meisten westlichen Staaten hingegen sind der Ansicht, man d\u00fcrfe sich nicht nuklear erpressen lassen und die Ukraine mit allen notwendigen milit\u00e4rischen Mitteln unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Ganz im Gegenteil drohen enge Verb\u00fcndete wie China von Russland abzur\u00fccken, sollte dieses Nuklearwaffen zur Verhinderung einer russischen Niederlage in der Ukraine einsetzen. Die Botschaft von Xi Jinping beim Besuch des deutschen Kanzlers war eindeutig. Die Drohung mit dem Einsatz von Nuklearwaffen sei \u201eunverantwortlich\u201c. Vielleicht auch deswegen buchstabiert die russische F\u00fchrung in dieser Hinsicht etwas zur\u00fcck. In einer Erkl\u00e4rung des Au\u00dfenministeriums wird noch einmal die Nukleardoktrin best\u00e4tigt, wonach Russland in einem konventionellen Krieg nur dann Nuklearwaffen einsetzen wird, wenn seine staatliche Existenz gef\u00e4hrdet ist. Auch die alte Formal, wonach ein Nuklearkrieg nicht gewonnen und niemals gef\u00fchrt werden d\u00fcrfe, wurde bekr\u00e4ftigt. Ist das ein Einknicken vor der chinesischen Haltung? R\u00fcckt Russland von den Atomdrohungen ab, weil die USA deutlich gemacht haben, mit welchen milit\u00e4rischen Konsequenzen Russland bei einem Einsatz von Nuklearwaffen zu rechnen habe? Es ist wohl beides. So vern\u00fcnftig die neue postulierte Haltung Russlands auch ist, sie ist letztlich ein Zeichen von Schw\u00e4che.<\/p>\n<p>Putins Position ist angeschlagen. Zwar gibt es kaum direkte Kritik am Pr\u00e4sidenten. Aber Putin muss zuschauen, wie unbotm\u00e4\u00dfige Stimmen zunehmen. Das sind nicht nur die rechtsnationalistischen Milit\u00e4rblogger, die angesichts des R\u00fcckzugs von Cherson von \u201eVerrat\u201c und von der \u201eschwarzen Seite in der Geschichte der russischen Armee\u201c sprechen. Es sind auch Akteure, die \u00fcber eigene milit\u00e4rische Ressourcen verf\u00fcgen \u2013 wie Tschetscheniens Machthaber Ramzan Kadyrov und der Finanzier der S\u00f6ldnergruppe Wagner, Jevgenij Prigo\u017ein. Zwar haben beide den R\u00fcckzug vom Westufer des Dnjepr gutgehei\u00dfen. Aber sie nehmen sich immer mehr Freiraum f\u00fcr Kritik, insbesondere an der russischen Milit\u00e4rf\u00fchrung heraus. Sie wollen die Karriereleiter politischer Macht weiter nach oben steigen. Trotz ihrer milit\u00e4rischen S\u00f6ldnergruppen werden sie aber dennoch bald an die gl\u00e4serne Decke sto\u00dfen. Die Geheimdienste werden ihren Aufstieg nach ganz oben zu blockieren wissen. Noch kontrolliert Putin diese beiden, aber beide nutzen die sich verst\u00e4rkende Schw\u00e4che Putins.<\/p>\n<p>Putin wirkt aber in anderen Bereichen derzeit politisch gl\u00fccklos. Nach dem Drohnenangriff der Ukraine auf Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte, hat Russland seine Teilnahme am Abkommen zum Export ukrainischen Getreides ausgesetzt. All das, um nur Tage sp\u00e4ter eine Kehrtwende zu machen. Russland hatte mit ansehen m\u00fcssen, dass die Exportschiffe f\u00fcr das Getreide unbeeindruckt weiter machten und Russland ignorierten. Am 19. November wird das Abkommen auslaufen. Die T\u00fcrkei und die UN dr\u00e4ngen auf eine Verl\u00e4ngerung. Putin stellt noch Bedingungen: Russlands Exporte von Getreide und D\u00fcngemitteln sollten nicht weiter behindert werden. Wird sich Putin diesmal durchsetzen? Oder wird er wieder klein beigeben m\u00fcssen, weil er merkt, dass seine Verhandlungsmacht zu gering ist?<\/p>\n<p>Putins Zugriff auf die Macht ist derzeit zweifellos nicht gef\u00e4hrdet. Aber es sind Anzeichen eines bedingten Kontrollverlustes zu erkennen. Die Reihen um Putin werden unruhig. Viele stellen immer h\u00e4ufiger die Frage, welchen Preis das Land f\u00fcr einen Sieg in der Ukraine bezahlen muss. Immer mehr rechnen auch mit einer russischen Niederlage in diesem Krieg. Putin wird darauf Antworten finden m\u00fcssen. Bald. Die Zeichen stehen auf Sturm.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Dieser Kommentar ist am 14.11.2022 als Gastbeitrag auf focus.de erschienen: ttps:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/ukraine-krise\/gastbeitrag-von-gerhard-mangott-putins-verpuffte-nukleardrohung-ist-deutliches-zeichen-seiner-schwaeche_id_179693243.html<\/em><\/p>\n<p><em>Photo credit: https:\/\/edition.cnn.com\/videos\/world\/2022\/11\/11\/snihurivka-ukraine-liberated-russian-forces-withdrawal-robertson-ovn-intl-ldn-vpx.cnn<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":5051,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-5048","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-russia"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5048","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5048"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5048\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5055,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5048\/revisions\/5055"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5051"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5048"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5048"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5048"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}