{"id":5039,"date":"2022-11-08T15:26:15","date_gmt":"2022-11-08T14:26:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5039"},"modified":"2022-11-08T15:26:15","modified_gmt":"2022-11-08T14:26:15","slug":"keine-aussicht-fur-verhandlungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5039","title":{"rendered":"Keine Aussicht f\u00fcr Verhandlungen"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Im Ukrainekrieg ist die Forderung nach Verhandlungen ziemlich toxisch \u2013 nicht nur f\u00fcr die Kriegsparteien, sondern auch f\u00fcr andere Staaten. Die ukrainische F\u00fchrung hat Verhandlungen mit Putin per Dekret ausgeschlossen. Inhaltlich nachvollziehbar, aber keine gerade geschickte Position, weil dadurch bei zaudernden westlichen Staaten der Eindruck entstanden ist, die Ukraine w\u00fcrde sich Verhandlungen verschlie\u00dfen \u2013 denn ein Abgang Putins von der Macht ist auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Zudem verlangt die Ukraine vor dem Beginn der Verhandlungen den Abzug aller russischen Truppen von ukrainischem Territorium. Aber was sollte dann noch verhandelt werden au\u00dfer die Bedingungen der Kapitulation Russlands und der Forderung nach russischen Kriegsreparationen?<\/p>\n<p>Die russische F\u00fchrung, auch Putin selbst, haben in den vergangenen Wochen immer wieder erkl\u00e4rt, sie seien zu Verhandlungen mit der Ukraine bereit. Gleichzeitig wird aber betont, dass Russland kein besetztes Gebiet abgeben werde, zumal es die eroberten Gebiete annektiert hat. Wor\u00fcber soll dann \u00fcberhaupt verhandelt werden? Der russische Diktatfrieden, der der Ukraine aufgezwungen werden soll? Zudem ist anzumerken, dass die wiederholten rhetorischen Verhandlungsangebote Russlands wohl auch westlichen Bev\u00f6lkerungen suggerieren sollen, das Land sei zu Verhandlungen bereit, aber die Ukraine wolle nicht.<\/p>\n<p>Festzuhalten ist wohl zu Recht, dass derzeit beide Kriegsparteien nicht bereit sind, ernsthafte Verhandlungen zu f\u00fchren, die diesen Namen auch verdienen. Beide erwarten sich noch immer noch Erfolge auf dem Schlachtfeld, mit der die eigene Position bei sp\u00e4teren Verhandlungen gest\u00e4rkt werden soll. Das gilt insbesondere, aber nicht nur, f\u00fcr die ukrainische Seite, die in den letzten beiden Monaten doch beachtliche Gel\u00e4ndegewinne erzielt und die russischen Truppen stark zur\u00fcckgedr\u00e4ngt hat. Ein Krieg kann nur auf zwei Arten beendet werden: Entweder eine der Kriegsparteien setzt sich milit\u00e4risch durch und oktroyiert der anderen Seite die Kapitulationsbedingen. Oder beide Seiten k\u00e4mpfen so lange, bis sie milit\u00e4risch ersch\u00f6pft sind und keine Perspektiven mehr auf dem Schlachtfeld zu haben glauben. In der Ukraine sind wir von beiden Szenarien noch weit entfernt.<\/p>\n<p>Viele westliche Politiker sagen, zumindest \u00f6ffentlich, es sei an der Ukraine zu entscheiden, ob und wann sie Verhandlungen wor\u00fcber aufnehmen will. Das ist zun\u00e4chst richtig, denn es gilt der Ukraine selbst\u00e4ndige Handlungsfreiheit einzur\u00e4umen. Doch bei genauerem Hinsehen ist diese Position doch nicht sehr \u00fcberzeugend. Diejenigen Staaten, die milit\u00e4rische Hilfe an die Ukraine liefern, sollten auch wissen, welche Kriegsziele die ukrainische F\u00fchrung verfolgt und dann entscheiden, ob sie das Erreichen dieser mit Hilfe weiterer Waffenlieferungen unterst\u00fctzen wollen. Westliche Staaten kommunizieren der Ukraine auch nicht-\u00f6ffentlich, welche Kriegsziele sie unterst\u00fctzen. Dabei ist der Westen aber alles andere als einig. Da sind die osteurop\u00e4ischen Staaten und Britannien, die das maximalistische Ziel der Ukraine teilen \u2013 n\u00e4mlich die russischen Truppen vollst\u00e4ndig aus der Ukraine zu vertreiben \u2013 auch von der Krim. Andere, v.a. einige westeurop\u00e4ische Staaten, haben aber Bedenken. Manche von ihnen f\u00fcrchten, dass bei der Verfolgung maximalistischer Kriegsziele eine milit\u00e4rische Eskalation drohen w\u00fcrde; vielleicht sogar eine nukleare Eskalation. Sie dr\u00e4ngen daher auf weniger weitreichende Kriegsziele.<\/p>\n<p>Was aber sollen weniger weitreichende ukrainische Kriegsziele sein? Verzicht auf eigenes Territorium, das vor und nach dem 24. Februar von Russland besetzt wurde? Eine R\u00fcckkehr zum status quo ante, d.h. die russischen Truppen ziehen sich auf die Frontlinie vor Kriegsbeginn zur\u00fcck? Dar\u00fcber wird im Hintergrund heftig gestritten. Da spielen moralische, politische und rechtliche \u00dcberlegungen und Bedenken eine gro\u00dfe Rolle. So wird es auf absehbare Zeit auch bleiben: Weder die Ukraine noch Russland wollen verhandeln. Plus: Der Westen ist nicht einm\u00fctiger \u00dcberzeugung, welche Verhandlungszugest\u00e4ndnisse denn welcher Kriegspartei abverlangt werden sollen.<\/p>\n<p><em>Dieser Kommentar ist am 8.11.2022 auf focus.de erschienen (https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/ukraine-krise\/gastbeitrag-von-gerhard-mangott-warum-russland-und-die-ukraine-keine-ernsthaften-verhandlungen-fuehren_id_178705385.html)<\/em><\/p>\n<p>Photo credit: https:\/\/www.dw.com\/en\/ukraine-and-russia-hold-third-round-of-talks\/a-61039008<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":5042,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-5039","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-russia"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5039","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5039"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5039\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5041,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5039\/revisions\/5041"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5042"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5039"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5039"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5039"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}