{"id":5021,"date":"2022-10-22T14:00:33","date_gmt":"2022-10-22T12:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5021"},"modified":"2022-10-25T09:33:49","modified_gmt":"2022-10-25T07:33:49","slug":"terror-durch-angriffe-auf-die-zivile-infrastruktur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=5021","title":{"rendered":"Terror gegen die zivile Infrastruktur"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist Ausdruck von Schw\u00e4che. Die russische Armee setzt seit Tagen Angriffe auf die kritische Infrastruktur der Ukraine; auf Elektrizit\u00e4tswerke, auf Wasserwerke und Fernmeldeeinrichtungen; auch Wohngeb\u00e4ude werden beschossen. Anlass f\u00fcr diese asynchrone Kriegsf\u00fchrung war wohl der mutma\u00dflich vom ukrainischen Inlandsgeheimdienst SBU durchgef\u00fchrte Anschlag auf die Br\u00fccke, die russisches Festland \u00fcber die Stra\u00dfe von Kertsch mit der Krim befindet. Der Grund aber ist ein tieferer: Putin ist in Russland in den letzten Wochen unter massiven Druck der Kriegspartei im Geheimdienst und im Milit\u00e4r geraten; auch die nationalistische Rechte agitiert seit langem gegen die angeblich z\u00f6gerliche und zauderhafte Kriegsf\u00fchrung. Mit den \u2013 Kriegsverbrechen gleichen \u2013 Angriffen auf die zivile Infrastruktur will Putin nun H\u00e4rte und Entschlossenheit demonstrieren.<\/p>\n<p>Die Angriffe haben zwei Sto\u00dfrichtungen: Zum einen m\u00f6chte die russische F\u00fchrung das Alltagsleben der ukrainischen Bev\u00f6lkerung deutlich schwieriger machen. Engp\u00e4sse bei der Strom-, W\u00e4rme \u2013 und Wasserversorgung sollen vor allem im kommenden Winter den Widerstandswillen der Ukrainer schw\u00e4chen. Zum anderen bedeutet die Energiemangellage auch eine starke Belastung der ohnehin stotternden Wirtschaft der Ukraine. Betriebe k\u00f6nnen nicht oder nur teilweise produzieren, wenn ihnen die Energie fehlt.<\/p>\n<p>Daran schlie\u00dft sich ein weiterreichendes Motiv Russlands an: Durch die schwierige Versorgungslage im Winter soll eine weitere Fluchtwelle aus der Ukraine angesto\u00dfen werden. Das w\u00fcrde zum einen die EU-Staaten mit einer neuen Migrationswelle konfrontieren, zum anderen die Lage der ukrainischen Unternehmen noch weiter schw\u00e4chen \u2013 n\u00e4mlich durch fehlende Arbeitskr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Das Bombardement ziviler Infrastruktur ist f\u00fcr Russland daher sowohl ein Instrument des Terrors gegen die Zivilbev\u00f6lkerung als auch ein Hebel, um der ukrainischen Wirtschaft schwer zu schaden. Das BIP der Ukraine wird heuer ohnedies um mindestens 35 Prozent einbrechen. Je schwieriger die wirtschaftliche Lage aber wird, umso teurer wird es f\u00fcr den Westen, der die Ukraine finanziell am Leben erhalten muss.<\/p>\n<p>Die russischen Bombardements bringen Russland an der milit\u00e4rischen Frontlinie aber keine Vorteile. Die russische Armee kann die lange Front an mehreren Stellen nicht mehr halten. Die ausged\u00fcnnten Soldatenreihen sind daf\u00fcr ein wesentlicher Faktor. Es ist umstritten, ob die von Putin angeordnete Teilmobilmachung diese Zwangslage effektiv verbessern kann. Besonders gef\u00e4hrdet sind derzeit die Gebiete der Region Cherson, die Russland am Westufer des Dnipro besetzt h\u00e4lt. Hier ist wohl bald mit einer weiteren milit\u00e4rischen Niederlage der russischen Armee zu rechnen.<\/p>\n<p>Der Krieg wird sich aber noch lange fortsetzen. Ein Krieg endet, wenn sich eine Konfliktpartei milit\u00e4risch durchsetzen kann oder wenn beide Kriegsparteien milit\u00e4risch ersch\u00f6pft sind und sich auf dem Schlachtfeld keine Erfolge mehr erwarten. Von beiden Szenarien sind wir derzeit noch weit entfernt. Auch der anbrechende Winter wird die Kampfhandlungen nicht zum Stillstand bringen.<\/p>\n<p>Der Westen unterst\u00fctzt die Ukraine weiterhin milit\u00e4risch und finanziell. Durch die Lieferung von immer komplexer werdenden, modernen Waffensystemen erm\u00f6glicht der Westen, zusammen mit der Anleitung und Unterst\u00fctzung der operativen Kriegsf\u00fchrung, der ukrainischen Armee Erfolge bei der R\u00fcckeroberung von Territorium. Das wird auch sicher nicht nachlassen, auch wenn die warnenden Stimmen vor einer dadurch ausgel\u00f6sten milit\u00e4rischen (nuklearen) Eskalation immer lauter werden.<\/p>\n<p>Russland ger\u00e4t in der Ukraine also milit\u00e4risch immer st\u00e4rker in Bedr\u00e4ngnis. Aber auch politisch ist Russland unter Druck. Die UN-Generalversammlung hat die versuchten Annexionen von vier ukrainischen Regionen mit gro\u00dfer Mehrheit verurteilt. Diese Resolution ist zwar v\u00f6lkerrechtlich nicht verbindlich, aber ein deutliches politisches Signal. Signale der Unzufriedenheit und der Distanzierung kommen aber auch aus Indien und, etwas weniger deutlich, aus China. Beide Staaten dr\u00e4ngen auf eine Waffenruhe und lehnen eine weitere milit\u00e4rische Eskalation durch Russland entschieden ab. Russland ist in den n\u00e4chsten Wochen also sowohl an der milit\u00e4rischen, als auch an der politischen Front gefordert.<\/p>\n<p><em>Dieser Kommentar ist am 25.10.2022 auf focus.de erschienen (https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/ukraine-krise\/analyse-von-gerhard-mangott-die-maer-vom-allmaechtigen-putin-und-warum-er-wirklich-so-brutal-bombt_id_169945917.html)<\/em><\/p>\n<p><em>Photo credit: https:\/\/www.businessinsider.com\/ukraine-video-shows-aftermath-russian-attack-town-north-of-kyiv-2022-3<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":5025,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-5021","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-russia"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5021","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5021"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5021\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5028,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5021\/revisions\/5028"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5025"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5021"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5021"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5021"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}