{"id":4893,"date":"2022-07-07T14:16:07","date_gmt":"2022-07-07T12:16:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=4893"},"modified":"2022-07-07T14:16:07","modified_gmt":"2022-07-07T12:16:07","slug":"hunger-als-russische-waffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=4893","title":{"rendered":"Hunger als russische Waffe"},"content":{"rendered":"\n<p>Russland hat eine Nahrungsmittelkrise radikal versch\u00e4rft; eine Krise in diesem Sektor und stark steigende Preise f\u00fcr Nahrungsmittel gab es aber auch vorher schon. Die Versch\u00e4rfung der Lage haben russische milit\u00e4rische Angriffe auf ukrainische Getreidespeicher, vor allem aber die Blockade des Schiffsexportes von den H\u00e4fen in Odessa und Ju\u017ene hervorgerufen. Odessa war immer der Hauptumschlagplatz f\u00fcr ukrainisches Getreide gewesen. Die Ausfuhr \u00fcber Odessa wird derzeit aber auch durch die Ukraine verunm\u00f6glicht, die den Hafeneinzugsbereich vermint hat, um sich vor einem maritimen russischen Angriff auf die Stadt zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Ukraine will den Mineng\u00fcrtel nicht beseitigen. Das ist verst\u00e4ndlich, denn das w\u00fcrde das Gef\u00e4hrdungsrisiko durch die russische Marine f\u00fcr die Region Odessa erheblich verst\u00e4rken. Wenn der Mineng\u00fcrtel aber aufrecht bleibt, sind Exporte schwierig, auch wenn Russland, was wenig wahrscheinlich ist, dem freien Schiffstransit zustimmen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Russland hat zwar begonnen, v\u00f6llig rechtswidrig ukrainisches Getreide \u00fcber die H\u00e4fen Berdjansk und Mariupol \u2013 beide unter russischer milit\u00e4rischer Kontrolle \u2013 zu verschiffen. Aber zuletzt hat die T\u00fcrkei ein mit ukrainischem Getreide gef\u00fcllten Frachter gestoppt. Das verweist auf ein Dilemma: Nat\u00fcrlich darf Russland mit gestohlenem ukrainischem Getreide nicht auch noch Geld verdienen. Andererseits bewirkt jeder aufgehaltene Frachter eine Verschlimmerung des globalen Getreideangebots.<\/p>\n<p>Zeitgleich hat Russland teilweise auch eigenes Getreide vom Weltmarkt ferngehalten. Ziel war es, die Getreidepreise nach oben zu treiben und die Inflation in den westlichen Staaten anzuheizen. Davon verspricht sich die russische F\u00fchrung eine Ermattung der westlichen Bev\u00f6lkerung und Druck auf deren Regierungen, die Unterst\u00fctzung der Ukraine aufzugeben. Die Inflation betrifft aber nicht nur westliche L\u00e4nder, sondern viele arme Staaten dieser Welt. In vielen dieser Staaten wird das die soziale und dann die politische Stabilit\u00e4t ersch\u00fcttern. Schon 2010\/11 hat eine Nahrungsmittelversorgungskrise die Rebellionen in nordafrikanischen und nah\u00f6stlichen arabischen Staaten hervorgerufen. Krisen in dieser Region sind f\u00fcr Russland interessant, k\u00f6nnten sie doch den Fl\u00fcchtlingsdruck auf die EU deutlich steigern. So w\u00fcrde sich der durch den Klimawandel bedingte Fl\u00fcchtlingsstrom verst\u00e4rken zu einem Strom von Fl\u00fcchtlingen vor der Hungerkrise. Dadurch w\u00fcrde aber auch sichtbar, dass die s\u00fcdeurop\u00e4ischen Staaten viel mehr an Stabilit\u00e4t in Nordafrika und im Nahen Osten interessiert sind, als an der Beendigung des Krieges in der Ukraine.<\/p>\n<p>Wird sich die russische Rolle in der globalen Versorgungskrise bei Getreide in den davon am st\u00e4rksten betroffenen L\u00e4ndern zu Unmut gegen\u00fcber Russland auswachsen? Zum Teil schon. Aber auch das von Russland bef\u00f6rderte Narrativ, der Westen habe eine Mitverantwortung, weil er einen regionalen Konflikt zu einem globalen Konflikt gemacht habe, wird verfangen. Die russischen Ma\u00dfnahmen seien eben das Ergebnis westlicher Sanktionen.<\/p>\n<p>Der indische Ministerpr\u00e4sident Modi meinte denn j\u00fcngst auch: \u201eEuropa macht seine Probleme zu Problemen der ganzen Welt. Die Probleme der Welt aber werden von den Europ\u00e4ern aber nicht auch als ihre eigenen angesehen.\u201c.<\/p>\n<p>In einigen L\u00e4ndern wird sich Russland zudem als Retter in einer Notlage verkaufen, indem besonders arme L\u00e4nder mit russischem Getreide versorgt werden.<\/p>\n<p>Es ist also richtig, dass Russland Hunger als Waffe im geopolitischen Ringen mit dem Westen einsetzt. Das ist ein schweres Verbrechen. Auch in der Energieversorgung nutzt Russland die europ\u00e4ischen Abh\u00e4ngigkeiten und nutzt die Drosselung von Gasexporten als Vergeltung f\u00fcr die Sanktionen der EU. So verwerflich das russische Verhalten auch ist \u2013 es musste allen Akteuren von Beginn an klar gewesen sein, dass Russland f\u00fcr die westlichen Sanktionen Vergeltung \u00fcben wird. Wirtschaftsminister Habeck spricht von einem \u201e\u00f6konomischen Angriff\u201c Russlands auf Europa. In Moskau nennt man die Sanktionen der EU einen \u201e\u00f6konomischen Blitzkrieg\u201c gegen Russland. In diesem Streit setzt Russland alle Waffen ein, die ihm zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em>Foto Credit: https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/gesundheit\/2017-12\/hunger-welternaehrung-weihnachten-afrika-hungersnot-heiligabend?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.at%2F<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":4896,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-4893","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-russia"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4893","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4893"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4893\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4895,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4893\/revisions\/4895"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4896"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4893"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4893"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4893"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}