{"id":4227,"date":"2018-01-15T16:17:51","date_gmt":"2018-01-15T15:17:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=4227"},"modified":"2018-01-15T18:27:38","modified_gmt":"2018-01-15T17:27:38","slug":"handlungsoptionen-im-umgang-mit-der-koreakrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=4227","title":{"rendered":"Handlungsoptionen im Umgang mit der Koreakrise"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In der Nuklear- und Raketenr\u00fcstung hat Nordkorea vergangenes Jahr zwei Durchbr\u00fcche schaffen k\u00f6nnen. Das Land testete am 3. September erstmals eine Wasserstoffbombe mit einer Zerst\u00f6rungskraft von bis zu 250 Kilotonnen. Zudem wurden 2017 drei Tests von Interkontinentalraketen (ICBMs) durchgef\u00fchrt \u2013 zuletzt am 29. November mit dem Test der Hwasong-15 (\u201eMars\u201c) mit einer Reichweite von 13.000 km. Die ICBM ist noch nicht operativ einsetzbar; weitere Tests sind noch n\u00f6tig, wie auch bei den nuklearen Sprengk\u00f6pfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nordkorea verf\u00fcgt h\u00f6chstwahrscheinlich \u00fcber die F\u00e4higkeit, ausreichend kompakte und leichte Sprengk\u00f6pfe herzustellen (Miniaturisierung), um diese an ICBMs montieren zu k\u00f6nnen, ohne deren Reichweite zu stark einzuschr\u00e4nken. Sehr wahrscheinlich fehlt Nordkorea aber die F\u00e4higkeit, Sprengk\u00f6pfe zu bauen, die dem Druck und der Hitze beim Wiedereintritt in die Atmosph\u00e4re standhalten k\u00f6nnen. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis Nordkorea auch dies beherrschen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vier Handlungsoptionen sind zu diskutieren, um auf diese nukleare und ballistische Kapazit\u00e4t Nordkoreas zu reagieren: Erzwingende Diplomatie, Milit\u00e4rschl\u00e4ge, Verhandlungen und Abschreckung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erzwingende Diplomatie<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Strategie versucht \u00fcber politische Isolation, diplomatischen Druck und wirtschaftliche und finanzielle Sanktionen Nordkorea dazu zu zwingen, sein Verhalten zu \u00e4ndern, d.h. sein Raketen- und Nuklearprogramm auszusetzen. Der Sicherheitsrat der VN hat bislang bereits neun Sanktionsresolutionen beschlossen, allein 2017 die Resolutionen 2371, 2375 und 2379. Verboten sind nunmehr nordkoreanische Kohle-, Eisen-, Eisenerz und Bleiexporte, der Export von frischer Seenahrung und Textilien. Gastarbeiter aus Nordkorea m\u00fcssen innerhalb von zwei Jahren zur\u00fcckgeschickt werden. Diesel- und Benzinlieferungen wurden um 89 Prozent auf nur mehr 500.000 Fass\/Jahr reduziert. China ist mit 92 Prozent der dominante Handelspartner Nordkoreas und damit der entscheidende Akteur bei der Umsetzung der Sanktionen. Die Exporte nach China sind 2017 um 32 Prozent zur\u00fcckgegangen. Zudem hat China alle chinesisch-nordkoreanischen Joint Ventures aufgel\u00f6st; nordkoreanische Firmen d\u00fcrfen keine Bankguthaben mehr bei chinesischen Banken haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">China setzt die UN-Sanktionen weitgehend um, weil ein nukleares Nordkorea seinen strategischen Interessen schaden w\u00fcrde. Zugleich m\u00f6chte China die Sanktionen nicht noch weiter versch\u00e4rfen (v\u00f6llige Unterbrechung der \u00d6lzufuhr), weil dadurch der Zusammenbruch des nordkoreanischen Regimes ausgel\u00f6st werden k\u00f6nnte. Ein wiedervereinigtes Korea mit Milit\u00e4rpr\u00e4senz der USA bis an dessen Nordgrenzen will China unbedingt vermeiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Strategie der erzwingenden Diplomatie sch\u00e4digt zwar die nordkoreanische Wirtschaft erheblich, hat Nordkorea bislang aber nicht dazu gebracht, von seiner Raketen- und Nuklearr\u00fcstung abzulassen. Putin hat wohl recht, wenn er meint, die Nordkoreaner w\u00fcrden eher \u201eGras fressen\u201c, als von ihrem R\u00fcstungsprogramm abzugehen. Zudem sollten wir auch dar\u00fcber nachdenken, ob es nicht eine humanit\u00e4re Grenze f\u00fcr die immer weiter versch\u00e4rften Sanktionen gibt. Hunger und Verelendung der nordkoreanischen Bev\u00f6lkerung k\u00f6nnen keine duldbaren Konsequenzen der Sanktionen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Milit\u00e4rische Optionen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der heftigste Verfechter einer milit\u00e4rischen L\u00f6sung in der Trump Administration ist Sicherheitsberater H.R.McMaster. Nachgedacht wird dabei \u00fcber mehrere Varianten: Da w\u00e4re zun\u00e4chst ein Enthauptungsschlag\u00a0 (decapitation strike) gegen die politische und milit\u00e4rische F\u00fchrung Nordkoreas. Selbst wenn dieser erfolgreich w\u00e4re, lassen \u00dcberl\u00e4ufer vermuten, dass f\u00fcr diesen Fall niedrigere Kommandoebenen autorisiert sind, konventionell und nuklear zu vergelten. Eine andere Variante w\u00e4re ein pr\u00e4ventiver Schlag gegen die Nuklear- und Raketenarsenale Nordkoreas. Die USA wissen nicht einmal, \u00fcber wie viele nukleare Sprengk\u00f6pfe Nordkorea verf\u00fcgt; mehr noch, sie wissen nicht, wie viele sich wo befinden. Dasselbe gilt f\u00fcr die verbunkerten Raketen des Landes. Zur geordneten und systematischen Sicherstellung dieser Arsenale w\u00e4re eine Bodeninvasion erforderlich. F\u00fcr alle milit\u00e4rischen Varianten gilt das hohe und unberechenbare Risiko einer milit\u00e4rischen Eskalation durch die konventionelle und nukleare Vergeltung Nordkoreas. Das Ergebnis w\u00e4ren entsetzlich hohe Verluste an Menschenleben und \u00f6kologische Zerst\u00f6rung. Nur wer dies in Kauf nehmen will, kann ernsthaft weiterhin von milit\u00e4rischen \u201eL\u00f6sungen\u201c sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Verhandlungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollte die US-F\u00fchrung davon abr\u00fccken, Verhandlungen mit Nordkorea als \u201ewaste of time\u201c abzutun, stellt sich zun\u00e4chst die Frage, ob Verhandlungen durch die USA mit Vorbedingungen verbunden werden \u2013 etwa einem l\u00e4ngeren Teststopp f\u00fcr Nuklearwaffen und Raketen durch Nordkorea. Dann stellte sich die Frage, wor\u00fcber denn zwischen Nordkorea und der USA verhandelt werden sollte. Die USA fordern Verhandlungen \u00fcber die vollst\u00e4ndige und verifizierbare Denuklearisierung; Nordkorea will dar\u00fcber nicht einmal sprechen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hoffnung w\u00e4re, dass beide Seiten sich darauf einigen k\u00f6nnten, \u00fcber R\u00fcstungskontrollverhandlungen die nordkoreanische R\u00fcstung zu begrenzen und sicher zu stellen, dass Nordkorea seine Raketen- und Nukleartechnologie nicht weitergibt. Daf\u00fcr m\u00fcsste die USA Zugest\u00e4ndnisse machen \u2013 Friedensvertrag, diplomatische Anerkennung, Gewaltverzicht und Lockerung der Sanktionen. Auf absehbare Zeit ist dieser weitreichende Verhandlungsweg aber verschlossen. Zumindest sollte aber \u00fcber Krisenkommunikation und vertrauensbildende Ma\u00dfnahmen verhandelt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abschreckung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nordkorea ist ein rationaler Akteur, der sein ballistisches und nukleares Arsenal zur Sicherung der Regime- und Staatsexistenz verwendet. Nordkorea wird Nuklearwaffen nicht offensiv einsetzen, was nicht ausschlie\u00dft, dass Nordkorea in einem begonnenen milit\u00e4rischen Konflikt als Erstes Nuklearwaffen einsetzt (Strategie der asymmetrischen Eskalation). Ein rationaler Akteur mit einer defensiven Nukleardoktrin kann abgeschreckt werden \u2013 wie Russland und China auch. Abschreckung w\u00fcrde allerdings bedeuten, Nordkorea als Nuklearwaffenstaat implizit anerkannt wird. Das untergr\u00e4bt zwar das Non-Proliferationsregime des NPT nachhaltig, w\u00e4re aber letztlich nichts Anderes als die Anerkennung der Realit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Strategie der Abschreckung und der Einhegung w\u00e4re daher die vermutlich sicherste und risiko\u00e4rmste Art, mit der R\u00fcstung Nordkoreas umzugehen. In mittlerer Zeitperspektive k\u00f6nnte die Abschreckung dann durch R\u00fcstungskontrollgespr\u00e4che erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die anderen Handlungsoptionen sind erfolglos geblieben (erzwingende Diplomatie), mit katastrophalen Konsequenzen verbunden (Milit\u00e4rschl\u00e4ge) oder, zumindest auf absehbare Zeit, nicht m\u00f6glich (Verhandlungen).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Foto:\u00a0https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/nordkorea-bedroht-die-gesamte-welt-nach-nordkoreas-raketentest-richten-usa-appell-an-deutschland_id_7916921.html<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Nuklear- und Raketenr\u00fcstung hat Nordkorea vergangenes Jahr zwei Durchbr\u00fcche schaffen k\u00f6nnen. Das Land testete am 3. September erstmals eine Wasserstoffbombe mit einer Zerst\u00f6rungskraft von bis zu 250 Kilotonnen. 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