{"id":4148,"date":"2017-08-31T09:23:59","date_gmt":"2017-08-31T07:23:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=4148"},"modified":"2017-09-02T09:55:44","modified_gmt":"2017-09-02T07:55:44","slug":"fire-and-fury-nordkorea-am-rande-des-nuklearkrieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=4148","title":{"rendered":"Fire and Fury. Nordkorea am Rande des Nuklearkrieges"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In der Haltung der USA zu Nordkorea und dessen Raketen- und Nuklearprogramm zeichnet sich eine \u00c4nderung ab. Seit 1993 waren alle Pr\u00e4sidenten der USA davon ausgegangen, dass die Kosten eines milit\u00e4rischen Pr\u00e4ventivschlages gegen Nordkorea inakzeptabel hoch w\u00e4ren, auch wenn immer wieder betont wurde, dass &#8220;alle Optionen auf dem Tisch&#8221; l\u00e4gen. Nunmehr aber halten mehrere\u00a0Sicherheitsberater Trumps, allen voran National Security Adviser H.R. McMaster, eine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konfliktes f\u00fcr erfolgreich durchf\u00fchrbar. Zwar\u00a0mit hohen Kosten \u2013 Verteidigungsminister\u00a0James Mattis h\u00e4lt sie f\u00fcr &#8220;horrific&#8221; \u2013, aber mit dem erreichbaren Ziel einer Zerst\u00f6rung der nordkoreanischen milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten. Unerw\u00e4hnt bleibt offiziell, dass die hohen Kosten eines milit\u00e4rischen Angriffs der USA auf Nordkorea derzeit nahezu ausschlie\u00dflich S\u00fcdkorea und Japan zu tragen h\u00e4tten \u2013 abgesehen vom Flotten- und Luftwaffenst\u00fctzpunkt der USA auf Guam und den US-Soldaten in S\u00fcdkorea und Japan.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieselben Berater Trumps gehen zudem davon aus, dass Nordkorea nicht abgeschreckt werden k\u00f6nne. Anders als bei Russland und China sei nukleare Abschreckung Nordkoreas nicht m\u00f6glich, weil es sich dabei nicht um einen rationalen Akteur handle. Das Axiom, Nordkorea sei irrational und daher bereit, einen Nuklearkrieg zu f\u00fchren, auch wenn damit seine eigene Vernichtung die unvermeidbare Folge w\u00e4re, h\u00e4lt sich hartn\u00e4ckig. Damit verbunden ist die beleglose Annahme, dass Nordkorea sein Raketen- und Nukleararsenal offensiv und als erster nutzen w\u00fcrde, sobald die daf\u00fcr erforderlichen technischen Voraussetzungen und F\u00e4higkeiten erreicht w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nordkorea ist ein rationaler Akteur<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Verhalten und die Handlungen Nordkoreas legen aber nahe, dessen F\u00fchrung als rationalen Akteur anzusehen. Ziel des R\u00fcstungsprogrammes ist die F\u00e4higkeit zur vollst\u00e4ndigen Abschreckung eines konventionellen oder nuklearen Angriffes auf das Land. Ziel ist die Sicherung der eigenen Staatlichkeit und des herrschenden Regimes in Nordkorea. Zwar war der Ursprung der nordkoreanischen Programme nicht die interventionistische und auf Regierungswechsel abzielende Au\u00dfenpolitik der USA, aber letztere hat in den letzten 20 Jahren die Entschlossenheit der Kim-Dynastie wesentlich best\u00e4rkt, die eigene R\u00fcstung konsequent voranzutreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nordkorea, das sich immer noch im Kriegszustand mit S\u00fcdkorea befindet \u2013 seit 1953 gibt es nur einen Waffenstillstand, aber keinen Friedensvertrag \u2013, konfrontiert mit der starken milit\u00e4rischen Pr\u00e4senz der USA in S\u00fcdkorea \u2013 die angesichts der nordkoreanischen Verantwortung f\u00fcr den Korea-Krieg 1950-53 nachvollziehbar ist \u2013\u00a0und ohne diplomatische Beziehungen zu und Anerkennung durch die USA, sieht in der R\u00fcstung die einzige R\u00fcckversicherung f\u00fcr seine ungef\u00e4hrdete Existenz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn die Existenz eines einsatzf\u00e4higen nuklearen Arsenals Nordkoreas sicher nicht w\u00fcnschenswert ist \u2013 sowie die totalit\u00e4re und brutale F\u00fchrung des Landes selbst \u2013, so wird sie doch mehr und mehr zur Wirklichkeit. Eine Realit\u00e4t, die gekommen ist, um zu bleiben. Wenn eine milit\u00e4rische L\u00f6sung dieses Umstandes nicht vertretbar und im \u00dcbrigen wohl kaum erfolgreich ist \u2013 was bleibt dann als Strategie im Umgang mit Nordkorea?<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Verhandlungen, aber wor\u00fcber?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorauszuschicken ist meine Annahme, wonach Nordkorea kein Proliferationsfall mehr ist, sondern ein R\u00fcstungskontrollfall. Es kann realistisch also nicht mehr darum gehen, die nukleare und ballistische Raketenbewaffnung zu verhindern beziehungsweise r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Was bleibt ist, Nordkorea als inoffizielle Nuklearmacht anzuerkennen und in Verhandlungen mit Nordkorea Vereinbarungen \u00fcber R\u00fcstungskontrolle und die\u00a0Nicht-Weitergabe des technologischen Wissens durch Nordkorea an andere L\u00e4nder zu treffen. Das lehnen die USA aber kategorisch ab. Die Bereitschaft der USA, sich mit Nordkorea an einen Verhandlungstisch zu setzen, ist nur gegeben, wenn Nordkorea denuklearisiert wird. Nordkorea lehnt Gespr\u00e4che mit den USA wiederum ab, solange die eigene Denuklearisierung das Thema dieser Verhandlungen ist. Solange Nordkorea nicht als inoffizielle Nuklearmacht de facto anerkannt wird, wird es keine Gespr\u00e4chsbereitschaft auf nordkoreanischer Seite geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist das strategische Dilemma, vor dem die Staaten der Region nun stehen. Die Hoffnung, mit harten Sanktionen Nordkorea zu einem \u00dcberdenken seiner Position zu bewegen, ist sehr gering. F\u00fcr Nordkorea ist die nukleare R\u00fcstung ein vitales, strategisches Interesse, eine R\u00fcckversicherung f\u00fcr seine Existenz. Dar\u00fcber wird die derzeitige Regierung nicht verhandeln. Auch wenn die Resolution 2371 des Sicherheitsrates der Uno die Exporte Nordkoreas stark beschneidet \u2013 vorausgesetzt vor allem China setzt diese auch in der Praxis um\u2013, wird die nordkoreanische F\u00fchrung das Leiden der eigenen Bev\u00f6lkerung einer Beschr\u00e4nkung seines R\u00fcstungsprogrammes vorziehen. Die Sanktionspolitik der Uno\u00a0wird sich bald die Frage stellen m\u00fcssen, welches Leid der nordkoreanischen Zivilbev\u00f6lkerung in Kauf genommen werden kann und darf, um das unrealistische Ziel der Denuklearisierung Nordkoreas zu erreichen.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Abschreckung und Eind\u00e4mmung<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts dieser Bilanz, die von der Unm\u00f6glichkeit der Denuklearisierung Nordkoraus ausgeht, bleiben daher nur die klassischen Strategien im Umgang mit nuklearer Bewaffnung und Gegenbewaffnung. Zwischen den nuklear ger\u00fcsteten Staaten muss eine glaubw\u00fcrdige und rationale Strategie der Abschreckung entwickelt werden. Die Abschreckung soll die unbedingte Vermeidungsnotwendigkeit einer nuklearen Auseinandersetzung verankern. Das ist besonders schwierig, wenn man bedenkt, dass Nordkorea auf lange Sicht keine Zweitschlagsf\u00e4higkeit (<em>second strike capability<\/em>) erreichen wird \u2013 also verletzlich bleibt f\u00fcr einen nuklearen Erstschlag der USA. Daher ist das Bekenntnis beider Seiten, nicht als erster zu einem milit\u00e4rischen Waffengang zu schreiten, unabdingbar. Die Rede von einer milit\u00e4rischen L\u00f6sung versch\u00e4rft daher die Krise \u2013 bis hin zu einem nuklearen Ersteinsatz durch Nordkorea \u2013, sie l\u00f6st sie nicht.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">Foto:\u00a0http:\/\/english.hani.co.kr\/arti\/english_edition\/e_northkorea\/794984.html<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Haltung der USA zu Nordkorea und dessen Raketen- und Nuklearprogramm zeichnet sich eine \u00c4nderung ab. Seit 1993 waren alle Pr\u00e4sidenten der USA davon ausgegangen, dass die Kosten eines milit\u00e4rischen Pr\u00e4ventivschlages gegen Nordkorea inakzeptabel hoch w\u00e4ren, auch wenn immer wieder betont wurde, dass &#8220;alle Optionen auf dem Tisch&#8221; l\u00e4gen. Nunmehr aber halten mehrere\u00a0Sicherheitsberater Trumps, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=4148\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Fire and Fury. 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