{"id":4081,"date":"2017-03-27T13:51:59","date_gmt":"2017-03-27T11:51:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=4081"},"modified":"2017-03-27T13:51:59","modified_gmt":"2017-03-27T11:51:59","slug":"der-irre-mit-der-bombe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=4081","title":{"rendered":"Der Irre mit der Bombe."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In der Forschung \u00fcber nukleare Waffen gibt es den Begriff des &#8220;nuklearen Orientalismus&#8221;. Damit ist gemeint, dass Staaten, die nicht dem westlichen Kulturkreis\u00a0angeh\u00f6ren, angeblich weniger verantwortungsvoll, sogar\u00a0irrational mit Nuklearwaffen umgehen. Besonders h\u00e4ufig wird dieser Vorwurf gegen\u00fcber Nordkorea erhoben. Das Land des Kim Jong un, dem Enkel des Staatsgr\u00fcnders, sei von einer irrationalen F\u00fchrung gelenkt, die Nuklearwaffen offensiv und, gleichsam einer irrationalen Logik folgend, haltlos einzusetzen bereit sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nicht zu leugnen, dass die nordkoreanische F\u00fchrung diesen Eindruck bewusst erwecken will, um als unberechenbar und zu Allem entschlossen zu erscheinen. Es gibt allerdings keine Belege, dass ein mit einsetzbaren Nuklearwaffen ausgestattetes Nordkorea, diese nicht, wie andere Staaten auch, zur Abschreckung einsetzen w\u00fcrde, nicht aber als tats\u00e4chliche Waffe in einem kriegerischen Erstschlag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt allerdings viele rationale Gr\u00fcnde, warum Nordkorea den Besitz einsetzbarer Nuklearwaffen anstrebt. Das oberste Ziel der nordkoreanischen F\u00fchrung ist die Sicherheit des Regimes. Libyen und Irak haben gezeigt, dass der Verzicht auf ein Nuklearwaffenprogramm ausl\u00e4ndische Interventionen, die darauf abzielten, die Regierung zu st\u00fcrzen, beg\u00fcnstigt haben. Die intensiven Bem\u00fchungen Nordkoreas, ein Arsenal an nuklearen Sprengs\u00e4tzen und Tr\u00e4gersysteme f\u00fcr miniaturisierte nukleare Sprengk\u00f6pfe aufzubauen, dient daher der Absicherung der Herrschaft der Kim-Dynastie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie weit Nordkorea bei der Miniaturisierung der Sprengk\u00f6pfe &#8211; also der F\u00e4higkeit, die nuklearen Sprengk\u00f6pfe soweit zu verkleinern, dass sie an Raketen unterschiedlicher Reichweite angebracht werden k\u00f6nnen &#8211; fortgeschritten ist, ist \u00f6ffentlich nicht bekannt. Der Schritt von nuklearen Test bis zum nuklearen Sprengkopf ist technologisch sehr weit. Bekannt ist hingegen, dass das nordkoreanische Milit\u00e4r \u00fcber leistungsf\u00e4hige und effektive Kurz- und Mittelstreckenraketen verf\u00fcgt, die S\u00fcdkorea und Japan erreichen k\u00f6nnen. Ob Nordkorea tats\u00e4chlich erhebliche Fortschritte bei der Entwicklung einer Interkontinentalrakete (ICBM), die das Festland der USA bedrohen k\u00f6nnte, gemacht hat hat, ist hingegen unklar. Kim Jong un hat in seiner Neujahrsansprache von einem baldigen Test einer ICBM gesprochen. Klar ist nur, dass Nordkorea bei Raketenantrieben deutliche Fortschritte erzielt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nordkoreas F\u00fchrung hat zwar \u00f6ffentlich mit einem nuklearen Erstschlag gedroht, aber das wohl vor allem, um den Eindruck des unverantwortlichen und unberechenbaren \u00a0Besitzers von Nuklearwaffen zu n\u00e4hren. Milit\u00e4risch vern\u00fcnftig w\u00e4re das aber nicht, denn das w\u00fcrde mit einem massiven nuklearen Gegenschlag der USA beantwortet werden, der Nordkorea zerst\u00f6ren w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sicher aber kann die Bereitschaft der nordkoreanischen F\u00fchrung angesehen werden, auf einen Angriff von au\u00dfen nicht nur mit konventionellen Waffen zu antworten, sondern auch mit dem Ersteinsatz nuklearer Waffen. US-Au\u00dfenminister Tillerson hat vorige Woche in Beijing mit pr\u00e4emptiven Milit\u00e4rschl\u00e4gen gegen Nordkorea gedroht, wenn dessen Nuklear- und Raketenprogramm ein &#8220;inakzeptables Ausma\u00df&#8221; erreichen sollte. Die Wiederaufnahme von Verhandlungen, bilaterale oder multilaterale, schloss er aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pr\u00e4emptive Schl\u00e4ge k\u00f6nnen unterschiedliche Ausnahme annehmen &#8211; von der Zerst\u00f6rung von Abschussvorrichtungen, \u00fcber einen Enthauptungsschlag gegen die nordkoreanische F\u00fchrung \u00a0bis hin zum Versuch, das nukleare und ballistische Material v\u00f6llig zu zerst\u00f6ren. Letzteres k\u00f6nnte allein schon daran scheitern, dass nicht alle derartigen Ziele bekannt sind. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Nordkorea nicht auch schon auf einen sehr begrenzten Schlag mit einem Vergeltungsangriff reagieren w\u00fcrde. Dabei w\u00e4re Nordkorea aus der Kriegslogik heraus geradezu dazu gezwungen, als erste Seite nukleare Waffen einzusetzen. Zum einen, weil das Land nur begrenzt\u00a0zweitschlagsf\u00e4hig ist; zum anderen, weil es mit einem Erstschlag zu erreichen versuchen wird, die USA zum Abbruch des Erstangriffs zu zwingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Opfer eines nordkoreanischen nuklearen Ersteinsatzes w\u00e4ren die B\u00fcrger Japans und S\u00fcdkoreas. Fraglich daher, ob deren Regierungen mit dem US-Konzept eines pr\u00e4emptiven Schlages einverstanden w\u00e4ren. Sich dabei auf die Schutzfunktion des derzeit in S\u00fcdkorea errichteten Raketenabwehrsystems THAAD zu verlassen, w\u00e4re eine \u00e4u\u00dferst riskante Strategie. Gegen einen konventionellen Vergeltungsschlag Nordkoreas, in dessen Einzugsbereich sich Seoul befindet, n\u00fctzt THAAD gar nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obamas Strategie der &#8220;strategischen Geduld&#8221;, d.h. keine Verhandlungen ohne Vorleistungen Nordkoreas bei der Denuklearisierung und Cyber-Operationen gegen seine milit\u00e4rischen Einrichtungen ist wirkungslos geblieben. Sanktionen scheiterten bisher immer an der konsequenten Umsetzung durch China. Milit\u00e4rische Angriffe sind mit einem nicht vertretbaren Eskalationsrisiko verbunden.\u00a0An Verhandlungen (ohne Erfolgsgarantie) f\u00fchrt daher kein Weg vorbei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\">Foto credit:\u00a0http:\/\/abcnews.go.com\/International\/photos\/kim-jong-un-photos-18513624\/image-41892069<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Forschung \u00fcber nukleare Waffen gibt es den Begriff des &#8220;nuklearen Orientalismus&#8221;. Damit ist gemeint, dass Staaten, die nicht dem westlichen Kulturkreis\u00a0angeh\u00f6ren, angeblich weniger verantwortungsvoll, sogar\u00a0irrational mit Nuklearwaffen umgehen. Besonders h\u00e4ufig wird dieser Vorwurf gegen\u00fcber Nordkorea erhoben. 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