{"id":307,"date":"2008-07-10T06:14:24","date_gmt":"2008-07-10T05:14:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=307"},"modified":"2014-05-01T15:27:45","modified_gmt":"2014-05-01T13:27:45","slug":"raketenabwehr-und-taktische-nuklearwaffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=307","title":{"rendered":"Raketenabwehr und taktische Nuklearwaffen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Einigung zwischen den USA und Tschechien \u00fcber die Errichtung einer Radaranlage in Brdy als zentrale Komponente der strategischen Raketenabwehr im \u00f6stlichen Europa hat Russland mit scharfer Rhetorik reagiert. Dies hat eine taktische und eine strategische Komponente. Taktisch versucht Russland mit milit\u00e4rischen Eskalationsdrohungen die Ratifizierung des Abkommens durch die Abgeordnetenkammer in Prag zu verhindern. Die Regierung Topolanek ist dazu auf die Unterst\u00fctzung der Regierungskoalition durch Abgeordnete anderer Parteien angewiesen. Moskau nutzt dabei auch den Umstand, dass 70 Prozent der tschechischen Bev\u00f6lkerung das Abkommen ablehnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Strategisch f\u00fchlt sich Russland aber tats\u00e4chlich bedroht. Das gilt nicht so sehr f\u00fcr die technischen und milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten der Anlagen in Tschechien und Polen \u2013 der Aufkl\u00e4rungskapazit\u00e4t der Radaranlage in Brdy im Verbund mit bereits bestehenden Radaranlagen im n\u00f6rdlichen Norwegen und auf den Aleuten; oder der technischen F\u00e4higkeit der Interzeptoren in Polen, russl\u00e4ndische Interkontintalraketen auf ihrer transpolaren Flugroute abzufangen. Das derzeitige nuklear best\u00fcckte Arsenal an russl\u00e4ndischen land- und seegest\u00fctzten Interkontintentalraketen (ICBMs und SLBMs) ist daf\u00fcr zu gro\u00df; auch bestehen erhebliche Zweifel, dass dies die Absicht der amerikanischen Milit\u00e4rplaner ist. Es ist aber anzumerken, dass die Interzeptorenstellungen ausgebaut werden k\u00f6nnen und zugleich die Zahl der Interkontinentalraketen Russlands bis 2015 stark zur\u00fcckgehen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die in Moskau derzeit ge\u00e4usserte Sorge, die Interzeptoren k\u00f6nnten nuklear best\u00fcckt und mit einer geringen Vorwarnzeit zu einem Enthauptungsschlag gegen Moskau benutzt werden, ist nicht haltbar, weil dies technisch kaum durchf\u00fchrbar ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die eigentliche Sorge Russlands gilt dem systematischen Aufbau einer milit\u00e4rischen Pr\u00e4senz der USA in Osteuropa. Nach der Errichtung von Basen in Rum\u00e4nien und Bulgarien, werden nunmehr auch amerikanische Soldaten in Tschechien und in Polen (oder Litauen) stationiert sein. Dar\u00fcberhinaus hat Condoleezza Rice vor wenigen Tagen in Sofia erkl\u00e4rt, mehere Staaten der Region w\u00fcrden \u201ain der einen oder anderen Weise\u2018 in die Raketenabwehranlage eingebunden werden. Russland f\u00fcrchtet daher eine milit\u00e4rische Einkreisung, zumal die USA auch milit\u00e4rische Pr\u00e4senz in Georgien (Milit\u00e4rberater sind bereits vor Ort) und Aserbajd\u017ean anstreben und auch in Kirgisistan \u00fcber die Luftwaffenbasis Manas verf\u00fcgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Russland wird darauf mit assymetrischen milit\u00e4rischen Massnahme reagieren, allen voran mit der Stationierung von taktischen Nuklearwaffen in Kaliningrad (und m\u00f6glicherweise auch in Belarus). Dadurch wird ein informelles \u00dcbereinkommen zwischen Russland und der USA aus dem Oktober 1991 gebrochen, taktische Nuklearwaffen (TNWs) radikal abzur\u00fcsten, nur noch luftgest\u00fctzt zuzulassen und die restlichen TNWs in zentralen Lagerst\u00e4tten (central storage facilities) aufzubewahren. Die Stationierung von TNWs in Kaliningrad w\u00e4re kein Vertragsbruch, aber eine Abkehr von einem weiteren Element der strategischen R\u00fcstungskontroll- und Sicherheitsarchitektur zwischen den beiden Grossm\u00e4chten. Auch eine K\u00fcndigung des INF-Vertrages aus 1987 \u00fcber die Zerst\u00f6rung von ballistischen Tr\u00e4germitteln mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 km durch Russland ist m\u00f6glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Ergebnis der Raketenabwehrpl\u00e4ne der USA k\u00f6nnte daher eine weitere Erosion der Abr\u00fcstungsarchitektur sein, die seit SALT I und ABM-Vertrag in 1972 errichtet wurde. Ein zweifelhafter &#8216;Gewinn&#8217; angesichts der ungesicherten technischen Funktionsf\u00e4higkeit der Missile Defense. Nach dem Auslaufen des Start-I Abkommens in 2009 und des Moskauer Vertrages 2012, der K\u00fcndigung des ABM-Vertrages durch die USA 2001\/02 und der Suspendierung des KSE-Vertrages durch Russland bricht die vertragliche R\u00fcstungskontrolle zusammen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Einigung zwischen den USA und Tschechien \u00fcber die Errichtung einer Radaranlage in Brdy als zentrale Komponente der strategischen Raketenabwehr im \u00f6stlichen Europa hat Russland mit scharfer Rhetorik reagiert. Dies hat eine taktische und eine strategische Komponente. 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