{"id":3069,"date":"2014-04-27T16:43:37","date_gmt":"2014-04-27T15:43:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=3069"},"modified":"2014-05-03T13:18:07","modified_gmt":"2014-05-03T11:18:07","slug":"der-weg-zum-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=3069","title":{"rendered":"Der wenig wahrscheinliche Krieg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Wie schon seit vielen Wochen halte ich eine direkte milit\u00e4rische Invasion der russl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4fte in der Ost- und S\u00fcdukraine weiterhin f\u00fcr unwahrscheinlich. Russland zielt in der Ukraine nicht auf weitere territoriale Gewinne ab, sondern auf Durchsetzung seiner Interessen. Diese sind die multilaterale vertragliche Absicherung des b\u00fcndnisfreien Status der Ukraine, die Harmonisierung der Freihandelsintegration mit der EU mit dem ukrainischen Freihandelsabkommen mit Russland und eine radikale F\u00f6deralisierung der Ukraine. Wenn sich dar\u00fcber eine multilaterale Verst\u00e4ndigung zwischen Russland, der Ukraine, der EU und der USA finden lie\u00dfe, k\u00f6nnte eine milit\u00e4rische Eskalation verhindert werden.\u00a0Dieses multilaterale Format aber funktioniert nicht, weil die Interessen zu sehr divergieren und ihm kein ehrlicher Makler angeh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die derzeit an den nord- und ostukrainischen Grenzen stationierten russl\u00e4ndischen Soldaten reichen nur f\u00fcr eine begrenzte milit\u00e4rische Operation aus, nicht aber f\u00fcr den vielerorts bef\u00fcrchteten Vorsto\u00df bis Odessa und Transnistrien. Auch f\u00fcr die Sicherung der &#8220;Grenzen&#8221; der besetzten Regionen Charkov, Lugansk und Doneck reichen die derzeit Man\u00f6ver abhaltenden russl\u00e4ndischen Truppen nicht aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine russl\u00e4ndische milit\u00e4rische Invasion w\u00fcrde auch auf den Widerstand gro\u00dfer Teile der lokalen Bev\u00f6lkerung sto\u00dfen. Nur wenige B\u00fcrger der genannten Regionen halten die Regierung in Kiiv f\u00fcr legal, aber nur eine kleine Minderheit will den Anschlu\u00df an Russland. Die \u00fcberwiegende Mehrheit will nur gr\u00f6\u00dfere Autonomierechte f\u00fcr die eigene Region.\u00a0<span style=\"font-size: 12.5pt; font-family: Helvetica;\">Die Zustimmung zu den Aktionen der Aufst\u00e4ndischen ist sichtbar gering.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine russl\u00e4ndische milit\u00e4rische Invasion w\u00fcrde auch auf den Widerstand der ukrainischen Streitkr\u00e4fte und in der Folge auch ukrainischer Partisanen sto\u00dfen. Ein offener Krieg mit zahlreichen Toten w\u00e4re auch in Russland nicht popul\u00e4r.\u00a0<span style=\"font-size: 12.5pt; font-family: Helvetica;\">Die russische Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzte zwar die Annexion der Krim; Umfragen zufolge lehnt sie einen \u201eBruderkrieg\u201c zwischen den beiden slawischen Nationen aber ab.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht zuletzt die berechtigte Sorge vor sektoralen Wirtschafts- und Finanzsanktionen durch die EU und die USA h\u00e4lt Russland vor einem direkten milit\u00e4rischen Eingriff ab. Die wirtschaftlichen Kosten eines weiteren territorialen Ausgreifens Russlands k\u00f6nnte die stagnierende russl\u00e4ndische Volkswirtschaft nicht verkraften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wahrscheinlicher als ein offener Krieg ist, dass Russland weiterhin auf eine Destabilisierung der Regionen in der Ostukraine setzt &#8211; diese direkt oder indirekt unterst\u00fctzt. Das untergr\u00e4bt die Legitimit\u00e4t und die Effektivit\u00e4t der ukrainischen Interimsregierung. Auf gewaltt\u00e4tige Aufst\u00e4ndische zu setzen, die Geiseln nehmen und mutmasslich Gegner ermorden ist aber eine unw\u00fcrdige Strategie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Unsicherheit besteht allerdings: Sollte sich die ukrainische F\u00fchrung entscheiden, milit\u00e4risch gegen die Aufst\u00e4ndischen vorzugehen, ist eine, allerdings begrenzte, milit\u00e4rische Intervention Russlands denkbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Kommentar ist am 30. April 2014 in der &#8220;Wiener Zeitung&#8221; erschienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie schon seit vielen Wochen halte ich eine direkte milit\u00e4rische Invasion der russl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4fte in der Ost- und S\u00fcdukraine weiterhin f\u00fcr unwahrscheinlich. 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