{"id":300,"date":"2008-06-20T21:15:33","date_gmt":"2008-06-20T20:15:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=300"},"modified":"2014-05-01T15:28:16","modified_gmt":"2014-05-01T13:28:16","slug":"iranisches-gas-full-version","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=300","title":{"rendered":"&#8230; iranisches gas, full version &#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/www.umweltschutz-bw.de\/images\/KFZ\/Zapfsaeule.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"178\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Europ\u00e4ische Union hat 2006 18.7 Prozent der globalen Roh\u00f6lproduktion und 17 Prozent der Gasproduktion konsumiert. Die EU besitzt aber nur 0.6 Prozent der globalen \u00d6l- und nur 1.4 Prozent der globalen Gasreserven. Zugleich aber sind 39.6 Prozent des Prim\u00e4ren Energieaufkommens der EU \u00d6l und 26.6 Prozent Erdgas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die EU ist daher stark vom Import fossiler Brennstoffe abh\u00e4ngig, immer mehr auch bei Erdgas. 37 Prozent des Gaskonsums der EU werden derzei eigenproduziert, 62.7 Prozent des Erdgaskonsums aber m\u00fcssen bereits importiert werden. Der Importanteil wird weiter anwachsen, weil die Erdgasf\u00f6rderung innerhalb der EU stark r\u00fcckl\u00e4ufig ist \u2013 dies gilt besonders stark f\u00fcr die Gasproduktion im britischen Sektor der Nordsee \u2013 der Erdgasverbrauch aber deutlich zunehmen wird. 29 Prozent des europ\u00e4ischen Gaskonsums werden aus Russland importiert, 17 Prozent aus Norwegen und 13 Prozent aus Algerien und fast 3 Prozent aus Nigeria.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts der Importabh\u00e4ngigkeit im Gassektor von nur wenigen Anbietern ist die EU sehr daran interessiert, sowohl Gasversorger als auch Gasversorgungsrouten zu diversifizieren. Ein Schl\u00fcsselprojekt ist dabei die Nabucco-Pipeline, die Erdgas aus dem nah\u00f6stlich-kaspischen Raum in die EU f\u00fchren soll; vom t\u00fcrkischen Erzurum \u00fcber Bulgarien, Rum\u00e4nien, Ungarn bis zur Gasverteilerplattform in Baumgarten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das von der OMV gef\u00fchrte Betreiberkonsortium (dem auch die deutsche RWE, die ungarische MOL, die rum\u00e4nische Transgaz, sowie Bulgargaz und die t\u00fcrkische Botas angeh\u00f6ren) konnte bislang noch keine auseichenden Gasliefervertr\u00e4ge abschlie\u00dfen \u2013 noch nicht einmal f\u00fcr die start-up Phase, deren Beginn mittlerweile auf 2013 verschoben wurde und die ein Mindestaufkommen von 9 Mrd. m3 (bcm) erfordert. Erdgas aus Azerbajd\u017ean ist f\u00fcr die erste Ausbaustufe die zentrale Bezugsquelle. Die derzeit ausgebeuteten Felder Azerbaid\u017eans liefern bislang nur 9 bcm, von dem der wachsende Binnenverbrauch aber auf die bereits bestehenden Lieferverpflichtungen an Georgien und an die T\u00fcrkei abgedeckt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2013 wird mit der Phase 2 der F\u00f6rderung im Shah-Deniz Erdgasfeld zus\u00e4tzliches Gas in Azerbajdzan produziert werden, aber vorerst nur ca. 15 bcm. Betreiber dieses Konsortiums ist British Petroleum. Nabucco muss daher zus\u00e4tzlich auf andere Lieferl\u00e4nder zur\u00fcckgreifen. Das kann auch Russland sein, auch wenn damit das strategische Ziel der Lieferl\u00e4nderdiversifikation aufgeweicht w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Option f\u00fcr das Nabucco-Konsortium ist daher turkmenisches Erdgas. Turkmenistan produzierte 2007 68 bcm, hat aber ab 2010 Lieferverpflichtungen im Umfang von 125 bcm \u2013 85 bcm an Russland, 30 bcm an China und 10 bcm an Iran. Nachdem es bislang keine unabh\u00e4ngigen Sch\u00e4tzungen \u00fcber die Erdgasreserven Turkmenistans gibt, wird Turkmenistan zumindest auf absehbare Zeit kein ausreichend hohes F\u00f6rdervolumen f\u00fcr Nabucco bereitstellen k\u00f6nnen. Zudem m\u00fcsste dazu eine Pipeline von Turkmenistan nach Baku gef\u00fchrt werden; aufgrund des umstrittenen v\u00f6lkerrechtlichen Status des Kaspischen Meeres ist aber auch dieses Vorhaben schwierig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber hinaus verhandelt Turkmenistan derzeit auch \u00fcber den Ausbau seines Exportvolumens in den n\u00f6rdlichen Iran und an der TAPI-Leitung, mit der turkmenisches Gas \u00fcber das westliche Afghanistan nach Pakistan und Indien exportiert werden soll.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zus\u00e4tzlich zum turkmenischen Erdgas k\u00f6nnte auch auf \u00e4gyptisches Erdgas zugegriffen werden, das derzeit \u00fcber Jordanien bis nach Syrien transportiert wird. Diese \u201aArabische Gaspipeline\u2018 soll in die T\u00fcrkei verl\u00e4ngert werden, wo deren Gas in Nabucco eingespeist werden kann. Die T\u00fcrkei k\u00f6nnte dieses Gas aber auch im Mittelmeerhafen von Ceyhan in Fl\u00fcssiggas (LNG) umwandeln und auf dem Seeweg exportieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langfristig ist auch denkbar, dass das gro\u00dfe, noch unerschlossene Gasfeld Akkas im westlichen Irak \u00fcber die Arabische Gaspipeline in die T\u00fcrkei gef\u00fchrt und in Nabucco eingespeist werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Rentabilit\u00e4t von Nabucco ist eine Transportmenge von 31 bcm erforderlich. Aus derzeitiger Sicht kann dieses Volumen ohne iranisches Erdgas nicht erzielt werden. Zwar exportiert Iran derzeit nur sehr wenig Erdgas (20 bcm) und zwar in die T\u00fcrkei. Allerdings h\u00e4lt Iran nach Russland die zweitgr\u00f6\u00dften gesicherten globalen Erdgasreserven (16 Prozent). Bis zu 60 Prozent davon liegen in dem weitgehend unerschlosseneFeld \u201aSouth Pars\u2018. Zugriff auf dieses Gas ist f\u00fcr die Energiesicherheit der EU strategisch unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Investitionen der OMV in den iranischen Gassektor sind daher sinnvoll. Die Beteiligung an der Entwicklung von Block 12 des South Pars Gas Field, Investitionen in die Fl\u00fcssiggasproduktion (LNG) sowie Bezugsvertr\u00e4ge von iranischem LNG, das \u00fcber einen geplanten Regasifizierungsterminal in Kroatien leitungsgebunden nach Zentraleuropa transportiert werden kann, ist aus der Sicht verst\u00e4rkter Energiesicherheit h\u00f6chst w\u00fcnschenswert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Iranisches Erdgas kann \u00fcber Landleitungen in Nabucco eingespeist werden, aber auch zus\u00e4tzlich als LNG, ebenso wie qatarisches Fl\u00fcssiggas, auf europ\u00e4ische M\u00e4rkte gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorbehalte gegen das iranische Regime und sein Vorhaben, eine nukleare Waffenoption zu entwickeln, sind zwar nachvollziehbar. Deswegen aber die Zusammenarbeit im Energiesektor zu blockieren, ist aus strategischen \u00dcberlegungen nicht zweckm\u00e4\u00dfig. Zwar ist es richtig, dass die steigende Exportkapazit\u00e4t im Gassektor f\u00fcr Iran zus\u00e4tzliche Exporteinnahmen erm\u00f6glicht. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass nicht nur EU Konzerne Interesse an den iranischen Erdgasvorkommen haben. Es sind Indien und China, und mittelfristig auch Japan, die erhebliche Gasimporte aus Iran anstreben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Errichtung eines Leitungsnetzes von Iran \u00fcber Pakistan nach Indien \u2013 die so genannte \u201aFriedenspipeline IPI\u2018 \u2013 k\u00f6nnte auch nach China verl\u00e4ngert werden. Auch ist ein Ausbau der LNG-Kapazit\u00e4ten Irans zu erwarten, wodurch zus\u00e4tzliche Exportm\u00e4rkte erschlossen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die russl\u00e4ndische Gazprom schickt sich an, in den iranischen Markt massiv einzusteigen. Das iranische Regime wird also ohnehin aus dem Gasexport zus\u00e4tzliche Exporteinnahmen gewinnen k\u00f6nnen. Es stimmt nat\u00fcrlich, dass die europ\u00e4ische F\u00f6rdertechnologie der chinesischen deutlich \u00fcberlegen ist; richtig ist auch, dass Iran kein Interesse hat, lediglich nach Osten f\u00fchrende Exportleitungen aufzubauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber genau daraus ergibt sich das gemeinsame Interesse des Iran und der EU im Gassektor. Investitionen der OMV in der iranischen Gaswirtschaft sind daher nicht nur aus Sicht erwartbarer Unternehmenssgewinne, sondern v.a. aus Energiesicherheitserw\u00e4gungen der EU unabdingbar. Diese m\u00fcssen auch gegen den Widerstand der USA \u00fcber den Iran Libya Sanctions Act (1996) durchgesetzt werden. Dies kann derzeit aber als wenig wahrscheinlich gelten, zumal Royal Dutch Shell und Repsol ihren R\u00fcckzug aus Block 14 von South Pars einleiten (wohl aber Block 23 und 24 halten werden).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben der USA ist es auch Russland, das kein Interesse am Erdgasexport Irans in die EU hat. Gazprom m\u00f6chte den europ\u00e4ischen Markt exklusiv bedienen und wird alles daran setzen, Irans Gasexporte in die EU zu blockieren und nach Osten zu leiten. Der Verzicht der EU auf iranisches Gas w\u00e4re daher ein t\u00f6richter Beitrag zur Errichtung eines Gaskartells, das erheblichen Preisdruck auf den europ\u00e4ischen Gasmarkt bewirken k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies ist die Vollversion eines Kommentars, der am 18. Juni 2008 in der Zeitung &#8216;Die Presse&#8217; leider nur gek\u00fcrzt publiziert wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"wp-caption-dd\">Foto: http:\/\/www.umweltschutz-bw.de<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"wp-caption-dd\">Dieser Text ist Im j\u00e4nner 2009 nochmals unter http:\/\/www.oekonews.at\/index.php?npf_cache=update&amp;mdoc_id=1036622 erschienen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Europ\u00e4ische Union hat 2006 18.7 Prozent der globalen Roh\u00f6lproduktion und 17 Prozent der Gasproduktion konsumiert. Die EU besitzt aber nur 0.6 Prozent der globalen \u00d6l- und nur 1.4 Prozent der globalen Gasreserven. Zugleich aber sind 39.6 Prozent des Prim\u00e4ren Energieaufkommens der EU \u00d6l und 26.6 Prozent Erdgas. 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