{"id":2907,"date":"2014-02-02T15:49:10","date_gmt":"2014-02-02T14:49:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=2907"},"modified":"2014-04-27T13:15:12","modified_gmt":"2014-04-27T12:15:12","slug":"gegen-einen-boykott-der-spiele-in-sotschi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=2907","title":{"rendered":"Gegen einen Boykott der Spiele in Sotschi"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u201eIch habe auf diesen Punkt gezeigt und jetzt ist hier Olympia\u201c. Diese Aussage Vladimir Putins l\u00e4sst keinen Zweifel daran, wie sehr die Olympischen Spiele in Sotschi dem Ehrgeiz des Pr\u00e4sidenten Russlands zuzuschreiben sind. Bedenken gegen den Austragungsort, \u00f6kologische Belange und Zweifel an der Nachhaltigkeit in der Nutzung der sportlichen Anlagen wurden beiseite geschoben, galt es doch das Ansehen Russlands und das seines Pr\u00e4sidenten zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ausl\u00e4ndische mediale Kritik aber ist immens und tr\u00e4gt nicht dazu bei, das Ansehen Russlands zu heben. Die Kritik richtet sich zun\u00e4chst gegen die Kosten des Projektes. Russlands F\u00fchrung erkl\u00e4rt, die Errichtung der Infrastruktur und der Sportst\u00e4tten h\u00e4tte nicht mehr als 8,75 Milliarden Euro gekostet. Tats\u00e4chlich aber d\u00fcrften die Kosten bei mehr als 30 Mrd. Euro liegen. Das h\u00e4ngt mit dem Umstand zusammen, dass alle Anlagen und die Infrastruktur neu errichtet werden mussten, aber auch mit der Veruntreuung von Geldern durch Bautr\u00e4ger. Zu denen, die damit ihren Reichtum mehren konnten, z\u00e4hlen auch enge Freunde Putins. Kritik wird auch an den \u00f6kologischen und sozialen Folgen der Bauprojekte ge\u00fcbt. Naturschutzgebiete wurden umgewidmet, Hauseigent\u00fcmer enteignet, ohne ihnen\u00a0 ad\u00e4quate Ersatzunterk\u00fcnfte bereit zu stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zentrum ausl\u00e4ndischer Kritik aber stehen die autorit\u00e4re Herrschaftsordnung und die Verletzung von B\u00fcrger- und Menschenrechten in Russland. Tats\u00e4chlich hat Putin durch repressive Gesetze, beh\u00f6rdliche Willk\u00fcr und politisch abh\u00e4ngige Gerichte versucht, die Proteste der gebildeten, besser verdienenden und jungen st\u00e4dtischen B\u00fcrger gegen massive Wahlf\u00e4lschungen zu brechen. Politische Anf\u00fchrer stehen unter Hausarrest oder vor Gericht. NGOs, die politisch aktiv sind und Gelder aus dem Ausland erhalten, m\u00fcssen sich seit 2012 als \u201eausl\u00e4ndische Agenten\u201c bezeichnen. Dar\u00fcber hinaus hat Wladimir Putin erfolgreich versucht, die wertkonservativen l\u00e4ndlichen und kleinst\u00e4dtischen B\u00fcrger kulturell gegen die libert\u00e4ren St\u00e4dter zu mobilisieren. Putin versteht Russland als sozial konservatives, christliches und traditionalistisches Bollwerk gegen angeblich dekadente westliche\u00a0 Werte. Zu dieser konservativen Wende z\u00e4hlt auch das Gesetz, das die Rechte homosexueller B\u00fcrger beschneidet. Seit Juni 2013 ist es verboten, in Anwesenheit von Minderj\u00e4hrigen homosexuelles Verhalten zu zeigen oder daf\u00fcr zu werben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses umstrittene Gesetz wird im Ausland massiv kritisiert und als Anlass f\u00fcr Aufrufe verwendet, die Er\u00f6ffnungszeremonie der Olympischen Spiele zu boykottieren. Zwar hat Russland zugesagt, homosexuelle Athleten in Sotschi nicht zu diskriminieren, verteidigt aber das Gesetz an sich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pr\u00e4sidenten Deutschlands und Frankreichs, Gauck und Hollande, der britische Premierminister Cameron und andere haben ihre Teilnahme an der Er\u00f6ffnungszeremonie abgesagt. Zwar haben diese das offiziell nicht mit der Menschenrechtslage in Russland begr\u00fcndet, dennoch aber sind die Aussagen als Kritik an den autorit\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen in Russland zu verstehen. Ist ein solches Verhalten aber angemessen? Wohl kaum. Zun\u00e4chst bieten sich den Regierungen westlicher Staaten andere Foren, um Kritik an der Menschenrechtslage in Russland vorzubringen. In zahlreichen bi- und multilateralen Begegnungen kann die russische F\u00fchrung wegen ihrer autorit\u00e4ren Herrschaftsstrukturen kritisiert werden. Zudem wird der Boykott der Er\u00f6ffnungszeremonie an den Menschenrechtsverletzungen in Russland nichts \u00e4ndern. Druck auf Russland \u00fcber die Olympischen Spiele auszu\u00fcben, verh\u00e4rtet die russische Position und ist konfrontativ. Dar\u00fcber hinaus ist die gro\u00dfe Mehrheit der russischen Bev\u00f6lkerung zu Recht stolz auf die Austragung der Olympischen Spiele. Ein Boykott w\u00fcrde auch als Respektlosigkeit gegen\u00fcber der russischen Bev\u00f6lkerung verstanden werden. Viele jener,\u00a0 die die Olympischen Spiele boykottieren, bedienen damit vor allem die Heimatfront.\u00a0 Ihnen ist mehr\u00a0 daran\u00a0 gelegen,\u00a0 den eigenen B\u00fcrgern zu gefallen,\u00a0 als Druck auf die russische F\u00fchrung auszu\u00fcben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es h\u00e4ngt aber noch ein anderer Schatten \u00fcber den Olympischen Spielen in Sotschi \u2013 die Angst vor einem Attentat durch islamistische Rebellen aus dem n\u00f6rdlichen Kaukasus. Der Anf\u00fchrer der Islamisten, Doku Umarov, hat offen damit gedroht, Anschl\u00e4ge gegen die \u201esatanischen Spiele\u201c in Sotschi zu ver\u00fcben. Die Olympischen Spiele w\u00fcrden \u201eauf den Gebeinen unserer Vorfahren\u201c stattfinden meint der selbsternannte Emir des Kaukasus. Umarov verweist dabei auf die im 19. Jahrhundert von zaristischen Truppen gewaltsam vertriebenen Tscherkessen. Die Bombenanschl\u00e4ge in Volgograd im Dezember 2013 haben F\u00e4higkeit und Willen der Islamisten zu terroristischen Gewalttaten unterstrichen. N\u00e4hrboden\u00a0 der radikalen Islamisten sind die ungel\u00f6sten sozialen und religi\u00f6sen Konflikte im Kaukasus. Russland ist es nicht gelungen, den Zustrom zu den Islamisten durch wirtschaftliche Modernisierung, Bek\u00e4mpfung der Korruption und St\u00e4rkung der Rechtsstaatlichkeit zu brechen. Die H\u00e4rte mit der die russischen Sicherheitsbeh\u00f6rden gegen angebliche oder tats\u00e4chliche Islamisten und deren Familien vorgehen, sorgt bei den terroristischen Gewaltt\u00e4tern f\u00fcr immer neuen Zulauf. Junge M\u00e4nner ohne zivile Lebensperspektive verdingen sich als S\u00f6ldner in den Reihen der Terroristen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sotschi ist derzeit der sicherste Ort in Russland. Die russische F\u00fchrung hat alles getan, um die Sicherheit der Olympischen Spielen zu garantieren. Dennoch bleibt ein Restrisiko terroristischer Anschl\u00e4ge. H\u00f6her aber ist die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr islamistische Attentate in anderen Regionen Russlands. Sollte es zu Terroranschl\u00e4gen kommen, w\u00e4re dies ein erheblicher Ansehensverlust f\u00fcr Vladimir Putin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie andere Regierungen zuvor, wird die russische F\u00fchrung die Olympischen Spiele dazu nutzen, das Prestige Russlands zu st\u00e4rken. Sollen aber autorit\u00e4re Regime die Gelegenheit erhalten, dies zu tun? Zweifellos sollte das IOC bei der Vergabe der Spiele die politischen Verh\u00e4ltnisse im Gastgeberland ber\u00fccksichtigen. Allerdings wird es nicht m\u00f6glich, aber auch nicht w\u00fcnschenswert sein, Olympische Spiele nur in liberalen Demokratien auszurichten. Der Wettstreit der Athleten sollte dazu dienen, V\u00f6lker einander n\u00e4her zu bringen; Spiele aber sind nicht Austragungsst\u00e4tte\u00a0 f\u00fcr politische Rivalit\u00e4t, ideologische Auseinandersetzungen und Abrechnungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch habe auf diesen Punkt gezeigt und jetzt ist hier Olympia\u201c. Diese Aussage Vladimir Putins l\u00e4sst keinen Zweifel daran, wie sehr die Olympischen Spiele in Sotschi dem Ehrgeiz des Pr\u00e4sidenten Russlands zuzuschreiben sind. 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