{"id":2772,"date":"2013-06-27T10:30:48","date_gmt":"2013-06-27T09:30:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=2772"},"modified":"2013-07-01T09:17:57","modified_gmt":"2013-07-01T08:17:57","slug":"leere-rohre-das-scheitern-von-nabucco-und-die-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=2772","title":{"rendered":"Leere Rohre. Das Scheitern von Nabucco und die Folgen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?attachment_id=2774\" rel=\"attachment wp-att-2774\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2774\" style=\"padding-right: 12px;\" alt=\"leere_rohre\" src=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/leere_rohre.jpg\" width=\"182\" height=\"255\" \/><\/a>Nabucco ist also tot. Ich sagte es seit langem. \u00dcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Scheitern der alten Nabucco-Trasse habe ich auf meinem Blog immer wieder geschrieben. Nabucco-West, das ich, gemessen am urspr\u00fcnglichen Vorhaben, auch als Nabuccolino bezeichnet habe, ist nun auch gescheitert. Die TAP hat sich letztlich aus drei Gr\u00fcnden durchgesetzt: Zuerst ist die norwegische Statoil \u2013 ein f\u00fchrendes Mitglied des Gaskonsortiums Shah Deniz \u2013 am TAP-Projekt beteiligt.\u00a0 Sodann sind die Investitionskosten f\u00fcr die k\u00fcrzere TAP-Leitung niedriger. Nachdem sich die f\u00fchrenden Betreiber des Gaskonsortiums in die Leitungsprojekte einkaufen wollten, sind damit auch die Kosten f\u00fcr das SD-Konsortium niedriger. Das TAP-Projekt gelangt somit fr\u00fcher in die Gewinnzone. Zum Dritten hat TAP sein urspr\u00fcngliches, wenig attraktives, Konzept in den letzten 18 Monaten deutlich verbessert. Das Gas wird nicht vorrangig am saturierten, wenn auch lukrativen italienischen Gasmarkt vermarktet werden, sondern die Schweiz versorgen und nach Deutschland weitergeleitet werden; zudem soll mit der Ionisch-Adriatischen Pipeline, die in Albanien von der TAP abzweigt, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, vielleicht auch Albanien und das Kosovo versorgt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sind nun aber die Konsequenzen f\u00fcr die OMV und die \u00f6sterreichische Gasversorgung: Neben dem Imageschaden und den teilweise verlorenen Investitionskosten, stellt sich f\u00fcr die OMV die neue Aufgabe, angeblich substantielle, noch zu erschlie\u00dfende eigene Gasvorkommen im Schwarzen Meer auf die M\u00e4rkte zu transportieren. Es ist kaum zu erwarten, dass die OMV eine neue Leitung daf\u00fcr errichten wird, au\u00dfer es gelingt, Partner daf\u00fcr zu finden, was sehr unsicher ist. Meiner Ansicht nach, wird die OMV bestehende Infrastruktur nutzen, modernisieren, ausbauen und verbinden, um dieses Gas zum Central European Gas Hub (CEGH) nach Baumgarten zu bringen. Damit k\u00f6nnte sie eine Projektidee von British Petroleum aufgreifen &#8211; das SEEP-Konzept.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als weitere Konsequenz ist der relative Bedeutungsverlust f\u00fcr den CEGH abzuweren. Ohne Nabucco wird nun kein zus\u00e4tzliches Gas nach Baumgarten kommen. Gleichzeitig ist nach derzeitiger Kenntnislage die Anbindung der russl\u00e4ndischen South Stream an den CEGH auch gescheitert. Die OMV hat mit ihrer Nabucco-Initiative die Gazprom sehr irritiert. Die an der Europ\u00e4ischen Kommission gescheiterte Beteiligung von Gazprom am CEGH war dann wesentlicher Grund, warum South Stream nun nicht nach Baumgarten, sondern in das norditalienische Tarvisio f\u00fchren soll. South Stream soll im Endausbau 63 Mrd. m3 transportieren, erhebliche Mengen davon sollten \u00fcber den CEGH betrieben werden. Diese Volumina sind nun wohl verloren, au\u00dfer Gazprom ist noch umzustimmen; die Konditionen daf\u00fcr werden kaum annehmbare sein. Der CEGH und die Gasversorgung Ost\u00f6sterreichs werden nun am maroden ukrainischen Gasleitungsnetz h\u00e4ngen. Angesicht der hohen Importabh\u00e4ngigkeit \u00d6sterreichs von Gas aus Russland war es bisher schon besorgniserregend, auf ein einziges Leitungsnetz angewiesen zu sein. Wenn das ukrainische Leitungsnetz aber nicht dringend saniert wird, h\u00e4ngen wir an rostigen Rohren. Zudem werden, wenn South Stream gebaut wird, erheblich geringere Mengen \u00fcber das ukrainische Netz nach \u00d6sterreich gelangen. South Stream dient dazu, die ukrainischen Transitleitungen auszutrocknen und die Ukraine zu umgehen. Gazprom wird die Vertr\u00e4ge mit der OMV einhalten, aber abzuwarten bleibt, wieviel zus\u00e4tzliches russl\u00e4ndisches Gas dann noch \u00fcber den CEGH vertrieben werden wird. Mit dem Scheitern von Nabucco kann auch ein substantieller Relevanzverlust des CEGH verbunden sein. Darin liegt dringender, nicht zuletzt politischer Handlungsbedarf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: x-small;\"><em>Foto: http:\/\/steveboese.squarespace.com\/journal\/2012\/11\/2\/forecast-upside-pipeline-and-staying-on-offense.html<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: x-small;\">Der Kommentar ist auch auf http:\/\/www.eu-infothek.com\/article\/leere-rohre-das-scheitern-von-nabucco-und-seine-folgen erschienen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nabucco ist also tot. 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