{"id":210,"date":"2007-11-01T12:59:49","date_gmt":"2007-11-01T11:59:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=210"},"modified":"2014-05-01T15:44:00","modified_gmt":"2014-05-01T13:44:00","slug":"scheintot-aber-eben-nur-scheinbar-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=210","title":{"rendered":"&#8230; scheintot, aber eben nur scheinbar tot&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"image209\" class=\"alignleft\" src=\"..\/wp-content\/ene__erdgas__allg__bild1__gpropertydefault.jpg\" alt=\"ene__erdgas__allg__bild1__gpropertydefault.jpg\" width=\"148\" height=\"106\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Die Pl\u00e4ne eines Konsortiums unter der Leitung von OMV, eine Gasleitung zum Transport kaspischen (und russl\u00e4ndischen) Erdgases nach Zentraleuropa \u2013 mit dem terminal point Baumgarten \u2013 zu errichten ist in einer schwierigen, aber keineswegs aussichtslosen Lage.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Das zentrale Problem ist das Volumen von einspeisbarem Gas. Die finanzielle Rentabilit\u00e4t erfordert ein Durchsatzvolumen von 30-31 Mrd. cbm Erdgas. Der derzeitige alleinige gesicherte Lieferant von Erdgas an das Nabucco-Konsortium ist Azerbajdzan; dessen derzeit und auf absehbare Zeit verf\u00fcgbares Exportvolumen von Erdgas liegt aber nur bei 10-12 Mrd. bcm. Das reicht zwar f\u00fcr eine start-up phase, aber nicht f\u00fcr den mittel- bis langfristigen wirtschaftlichen Betrieb des projektierten Endausbaus der Pipeline. Allerdings ist zu betonen, dass das m\u00f6gliche mittelfristige Exportvolumen von azerbajdzanischem Erdgas schwer zu bestimmen ist. Reserven, Nutzungsgeschwindigkeit und Exportkapazit\u00e4t f\u00fcr dessen (m\u00f6gliche) off-shore Gasfelder ist nicht eindeutig kalkulierbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daraus ergibt sich die entscheidende Frage nach m\u00f6glichen zus\u00e4tzlichen Gaslieferanten. Alternative grunds\u00e4tzliche Lieferanten sind nat\u00fcrlich Russland und Iran. Wenn Nabucco (v.a. von der Europ\u00e4ischen Kommission aber nicht nur) aber als alternative Versorgungsroute der EU mit (vorrangig) nicht russl\u00e4ndischem Gas verstanden werden soll, scheidet Russland \u2013 aus meiner Sicht v\u00f6llig unnotwendig \u2013 als Teillieferant aus. Der Druck \u2013 allen voran der USA &#8211; auf das Konsortium und dabei insbesondere auf die OMV, auf den vertraglichen Zugriff auf iranisches Gas zu verzichten, ist enorm. Der Druck ist rechtlich nicht haltbar und dem sollte trotz der derzeitigen Differenzen \u00fcber das iranische Nuklearprogramm in keiner Weise auch politisch nachgegeben werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weitere Anbieter sind nat\u00fcrlich Kazachstan und besonders Turkmenistan. Die Gasreserven Turkmenistans wiederum sind nicht von unabh\u00e4ngigen Stellen beziffert worden. Zudem hat Turkmenistan langfristige Liefervertr\u00e4ge mit Russland abgeschlossen, die nahezu vollst\u00e4ndig das derzeitige Produktionsvolumen Turkmenistans absaugen. \u00dcberdies hat Turkmenistan auch mit der VR China Liefervertr\u00e4ge abgeschlossen; eine Transportpipeline daf\u00fcr wird derzeit gebaut. Allerdings kann von einer \u2013 vor allem durch westliches Kapital und Expertise unterst\u00fctzte \u2013 Steigerung des F\u00f6rdervolumens ausgegangen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anteile dessen k\u00f6nnten f\u00fcr die Einspeisung in die Nabucco-Pipeline genutzt werden. Die unabdingbare Voraussetzung daf\u00fcr ist aber der Bau einer transkaspischen Pipeline, die turkmenische Gasfelder mit Baku verbindet, um turkmenisches Erdgas in die die bereits bestehende Pipeline Baku-Erzurum eingespeist zu werden. Ein derartiges Projekt ist auf absehbare Zeit aufgrund des ungekl\u00e4rten v\u00f6lkerrechtlichen Status des Kaspischen Meeres, Obstruktion durch Russland und Iran und politisch motivierter Zur\u00fcckhaltung Turkmenistans eher unwahrscheinlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daraus ergeben sich derzeit erhebliche Zweifel an der Umsetzbarkeit des Nabucco-Projektes jenseits einer start-up Phase. Daraus kann die Bezeichnung des Projektes als in einem grunds\u00e4tzlich scheintoten Zustand abgeleitet werden. Scheintot meint vermeintlich tot; aber eben <em>nicht <\/em>tot. Die Wiederbelebung scheint aber m\u00f6glich, wenn Nabucco im Rahmen der EU nicht mehr als politisches, sondern ausschlie\u00dflich als wirtschaftliches Projekt verstanden wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein derart ernergiewirtschaftlicher Ansatz legt auch die Wirtschaftszusammenarbeit mit Iran nahe. Investitionen in die iranische Gasindustrie sollten nicht der VR China \u00fcberlassen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"wp-caption-dd\">Foto: <span class=\"source\"><cite>RWE-Dea AG<\/cite><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"wp-caption-dd\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"wp-caption-dd\">By the way, my main points have been included in an article on <a href=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/nabucco_kommersant.pdf\" target=\"_blank\">Kommersant, November 3rd, 2007<\/a>.<\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Pl\u00e4ne eines Konsortiums unter der Leitung von OMV, eine Gasleitung zum Transport kaspischen (und russl\u00e4ndischen) Erdgases nach Zentraleuropa \u2013 mit dem terminal point Baumgarten \u2013 zu errichten ist in einer schwierigen, aber keineswegs aussichtslosen Lage. Das zentrale Problem ist das Volumen von einspeisbarem Gas. Die finanzielle Rentabilit\u00e4t erfordert ein Durchsatzvolumen von 30-31 Mrd. cbm &hellip; <a href=\"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=210\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">&#8230; scheintot, aber eben nur scheinbar tot&#8230;<\/span> <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-210","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-energy-security"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/210","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=210"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/210\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3230,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/210\/revisions\/3230"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=210"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=210"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=210"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}