{"id":199,"date":"2007-10-03T17:29:40","date_gmt":"2007-10-03T16:29:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=199"},"modified":"2014-05-01T15:48:53","modified_gmt":"2014-05-01T13:48:53","slug":"einschuchterung-der-sachlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=199","title":{"rendered":"Einsch\u00fcchterung der Sachlichkeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"image198\" class=\"alignleft\" src=\"..\/wp-content\/smart-bomb-6.jpg\" alt=\"smart-bomb-6.jpg\" width=\"161\" height=\"125\" \/>Beunruhigend und verst\u00f6rend sind die sich mehrenden Rufe nach einer milit\u00e4rischen Aktion gegen das iranische Regime. Die unterstellte Absicht des iranischen Regimes, Israel zu vernichten, wird als drohende zweite, diesmal nukleare, Shoah bezeichnet. Aus diesem Zerrbild der Sicherheitslage im nah\u00f6stlichen Raum wird dann unweigerlich die dringliche Notwendigkeit milit\u00e4rischer Ma\u00dfnahmen gegen den Iran eingefordert. Aus Scham wird &#8211; bevor diese Forderung erhoben wird &#8211; in kurzen Nebens\u00e4tzen gerade nochmal erkl\u00e4rt, dies gelte nat\u00fcrlich nur, wenn Sanktionen und Verhandlungen nichts n\u00fctzten. Dass diese aber ohnedies erfolgslos bleiben w\u00fcrden, wird angedeutet und unterstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mahner vor einer zweiten, von den fanatisierten Iranern verbrochenen Shoah emotionalisieren damit eine Debatte, die n\u00fcchtern, sachlich,realistisch und l\u00f6sungsorientiert sein sollte. Dadurch werden besonnene und umsichtige Vorschl\u00e4ge, wie mit vermutlich milit\u00e4risch nutzbaren atomaren Aktivit\u00e4ten Irans umzugehen sei, abgedr\u00e4ngt. Durch den beharrlichen, aber v\u00f6llig unredlichen, bisweilen schmutzigen Vorwurf, die Mahner zur Besonnenheit w\u00e4ren Antisemiten, wird versucht, eine sachliche Debatte zu unterbinden. Die Gefahr, als antisemitisch gebrandmarkt zu werden, l\u00e4sst einen z\u00f6gern, Vernunft und Sachlichkeit einzumahnen und dem emotionalisierten Kriegsgeschrei entgegenzutreten. Die Angst, als antisemitisch bezeichnet zu werden, ohne es zu sein, l\u00e4hmt das freie Denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Shoah-Bellizisten gehen aber in ihren Einlassungen vielfach auch noch einen Schritt weiter: Nicht nur Israel sei von der Ausl\u00f6schung bedroht, sondern dem fanatischen Regime des Iran wird sogar die F\u00e4higkeit und die Absicht zugeschrieben, gleichsam die gesamte aufkl\u00e4rerische Moderne hinwegzufegen. Der Gegner wird damit immer monstr\u00f6ser, die Gefahr eine geradezu existentielle, womit der Krieg gegen den Iran zur v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlichen Notwehr der bedr\u00e4ngten und bedrohten westlichen Zivilisation wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solange die Debatte \u00fcber die Sicherheitslage im Nahen Osten unter dem Deutungsvorbehalt des Verzichts auf Kritik an Israel steht, ist sie nicht sinnvoll f\u00fchrbar. Wo der Vorwurf des Antisemitismus eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Gemengelage an Konflikten in der Region verhindern soll oder gar zu verhindern mag, wird die Denk- und Redefreiheit beschnitten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kritik an der islamistischen Ablehnung, humanistischer Werte, ist mehr als berechtigt und notwendig. Aber den Iran als d\u00e4monische Inkarnation desselben darzustellen, ist zu einfach und reduziert die Komplexit\u00e4t der Lebenswirklichkeit in der Region. Weder Islamophobie und der R\u00fcckgriff auf den Antisemitismusvorwurf, noch der islamistische Wahn sind gute Ratgeber f\u00fcr den Umgang mit Iran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die milit\u00e4rische Nuklearoption des Iran ist eine ungl\u00fcckselige Entwicklung, die es zu verhindern gilt, wenn auch die Instrumente des Dialoges, der Verhandlungen und der gezielten Sanktionen bislang kaum Ergebnisse zeigen. Auch wenn es ratsam und n\u00fctzlich w\u00e4re, \u00fcber die Motive des iranischen R\u00fcstungsplanes nachzudenken, ist es vorrangig, dessen Unterbindung m\u00f6glich zu machen. Aber zugleich muss nachdr\u00fccklichst vor der unverantwortlichen und gef\u00e4hrlichen, weil emotionalisierten Losung zu warnen, die immer mehr Anh\u00e4nger zu finden scheint: \u201aEntweder Bomben auf Iran, oder die iranische Bombe\u2018.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die nukleare Waffenoption Irans durch zivile Mittel nicht verhindert werden k\u00f6nnen sollte, ist dies nicht als automatischer Schranken\u00f6ffner f\u00fcr einen Krieg gegen den Iran zu werten. Die Option ist nicht \u201aNuklearverzicht oder Krieg\u2018, sondern Einhegung eines dann nuklear bewaffneten Iran durch ein durchdachtes und besonnenes System der regionalen Abschreckungslogik. Die nukleare Bewaffnung Israels und der nukleare Schutzschirm der USA \u00fcber die Region sind taugliche und ausreichende Instrumente dazu. Dies umso mehr, als die Kriegsbef\u00fcrworter kein einziges sachliches Argument daf\u00fcr liefern k\u00f6nnen, warum das iranische Regime die atomare Waffe gegen Israel einsetzen sollte, sobald es \u00fcber diese verf\u00fcge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die st\u00e4ndigen Bez\u00fcge auf die widerw\u00e4rtigen Auslassungen Achmadi-nejads taugen dazu nicht. Sie verkennen die komplexen, sich wechselseitig ausbalancierenden Institutionen der islamischen Diktatur in Iran. Iranische Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik ist nicht der verl\u00e4ngerte Arm der fanatisierten Rhetorik Achmadi-nejads. Das wirre Gefasel ist nicht das Drehbuch des iranischen Verhaltens in der Region. Iran ist kein irrationales Regime, das seine Selbstvernichtung anstrebt, auch wenn es Aussagen Achmadi-nejads manchmal nahelegen. Europ\u00e4ische Iranpolitik soll sich nicht in der Gedankenwelt dieses fanatisierten Irrlichtes verfangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer aber beharrlich an der D\u00e4monisierung des Iran als den unausweichlichen atomaren Vernichter des j\u00fcdischen Staates Israel arbeitet, missbraucht die Erinnerung an die Shoah oder aber benutzt diese fahrl\u00e4ssig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"wp-caption-dd\">Dieser <a href=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/shoa_kommentar_standard_jpeg.jpg\">Kommentar<\/a> ist in einer leicht modifizierten Form in der Tageszeitung &#8216;Der Standard&#8217; am 3. Oktober 2007 erschienen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beunruhigend und verst\u00f6rend sind die sich mehrenden Rufe nach einer milit\u00e4rischen Aktion gegen das iranische Regime. 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