{"id":1818,"date":"2011-04-22T08:53:30","date_gmt":"2011-04-22T07:53:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=1818"},"modified":"2011-04-22T10:55:57","modified_gmt":"2011-04-22T09:55:57","slug":"interview-on-2012-presidential-elections","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=1818","title":{"rendered":"interview on 2012 presidential elections"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8220;Medwedew wird nicht gegen Putin antreten&#8221;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">von Florian Niederndorfer\u00a0 |\u00a0 21. April 2011, 09:30<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Russlands Pr\u00e4sident hat den Wahlkampf 2012 bereits er\u00f6ffnet, Ministerpr\u00e4sident Putin sch\u00e4tzt das gar nicht &#8211; Ein derStandard.at-Interview mit Gerhard Mangott<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wirkte Russlands Pr\u00e4sident Dmitri Medwedew \u00fcber weite Phasen seiner Amtszeit wie eine Marionette seines Vorg\u00e4ngers und Ministerpr\u00e4sidenten Wladimir Putin, mehren sich j\u00fcngst Hinweise auf eine Emanzipation des einstigen Z\u00f6glings. Der Innsbrucker Politikwissenschafter und Russlandkenner Gerhard Mangott erkl\u00e4rt im derStandard.at-Interview, was mit dem m\u00f6glichen Bruch im Moskauer Tandem auf sich hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>derStandard.at<\/strong>: Wird Pr\u00e4sident Medwedew tats\u00e4chlich gegen Putin antreten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gerhard Mangott<\/strong>: In einem <a href=\"http:\/\/english.ruvr.ru\/2011\/04\/12\/48830431.html\">Interview mit dem chinesischen Fernsehen CCTV<\/a> hat Pr\u00e4sident Medwedew vor wenigen Tagen erkl\u00e4rt, dass er alleine entscheiden werde, ob er 2012 antreten wird. Bisher galt f\u00fcr Putin und f\u00fcr Medwedew die Sprachregelung, wonach sie gemeinsam \u00fcber ihr Antreten entscheiden wollten. Die Wortwahl Medwedews deutet daher darauf hin, dass er anzutreten beabsichtigt. Was ich mir aber \u00fcberhaupt nicht vorstellen kann ist, dass sich beide der Pr\u00e4sidentenwahl stellen werden &#8211; obwohl auch das in Russland diskutiert wird. Im direkten Wettstreit w\u00fcrde sich Putin klar gegen Medwedew durchsetzen; das sagen alle Umfragen, sowohl die der unabh\u00e4ngigen als auch jene der staatlichen Institute.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>derStandard.at<\/strong>: Noch dauert es fast ein Jahr, bis gew\u00e4hlt wird. Wem nutzt der Wahlkampfauftakt zum jetzigen Zeitpunkt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mangott: Putin hat Medwedew indirekt kritisiert, schon jetzt \u00f6ffentlich sein Antreten anzudeuten; daf\u00fcr sei es noch viel zu fr\u00fch. Putin ist daran interessiert, diese Entscheidung so lange wie m\u00f6glich hinauszuz\u00f6gern. Solange Putin offen l\u00e4sst ob er 2012 kandidieren wird, kann Medwedew weder die B\u00fcrger noch die staatliche B\u00fcrokratie \u00fcberzeugen, die Z\u00fcgel der Macht alleine in den H\u00e4nden zu halten. Medwedew wird bis dahin den Makel nicht los, ein &#8220;Pr\u00e4sident auf Abruf&#8221; zu sein. Ich bin \u00fcberzeugt, dass Putin sich noch nicht entschieden hat, ob er sich erneut um das Amt des Pr\u00e4sidenten bewerben wird. Gegen den Willen Putins jedenfalls kann Medwedew die Wahl nicht gewinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>derStandard.at<\/strong>: In den vergangenen Monaten wurde die Welt Zeuge von Rissen im Tandem. Absicht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott<\/strong>: Es gibt nat\u00fcrlich inhaltliche Unterschiede, aber kaum pers\u00f6nliche Differenzen zwischen den beiden; sie kennen sich seit 1991 und haben seitdem eng zusammengearbeitet. Es geht eher um Risse zwischen den beiden rivalisierenden Lagern, weil nat\u00fcrlich viele Menschen in ihrem beruflichen und pers\u00f6nlichen Fortkommen davon abh\u00e4ngig sind, ob jetzt der eine oder der andere an der Macht ist. Die einen haben viel zu gewinnen, die anderen viel zu verlieren. Ich teile aber nicht die Ansicht vieler russischer KollegInnen, dass diese Rivalit\u00e4t ein inszeniertes Spiel sei. Das halte ich f\u00fcr absurd.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>derStandard.at<\/strong>: Was sind denn diese politischen Unterschiede, die sie angesprochen haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott<\/strong>: Medwedew hat 2009 in seinem programmatischen Artikel &#8220;Vorw\u00e4rts Russland&#8221; die Modernisierung Russlands als Kernziel seiner Amtszeit benannt; auch Putin unterst\u00fctzt diese Losung. W\u00e4hrend Putin damit aber blo\u00df die \u00f6konomische und technologische Entwicklung meint, dr\u00e4ngt Medwedew auf einen viel umfassenderen Ansatz, der auch die individuelle Freiheit st\u00e4rken, die Medien liberalisieren und die staatlichen Strukturen demokratisieren will. Dar\u00fcber hinaus sind sich Putin und Medwedew nicht dar\u00fcber einig, wer die Modernisierung vorantreiben soll. W\u00e4hrend Putin dies einem effizienten und starken Staat anvertraut, will Medwedew daf\u00fcr alle gesellschaftlichen Akteure mobilisieren. Medwedew weist auch immer wieder auf die Eigenverantwortung der B\u00fcrger hin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>derStandard.at<\/strong>: Kann man von einem konservativen Putin-Lager und einem liberalen Medwedew-Lager sprechen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott<\/strong>: Im Wesentlichen trifft es das schon. Das Umfeld Putins will die bestehenden Strukturen bewahren, die eigene politische und wirtschaftliche Macht absichern; sie unterst\u00fctzt eine starke und autorit\u00e4re F\u00fchrung des Landes und lehnt eine zu starke Ann\u00e4herung an den Westen ab. Im Lager Medwedews dominieren liberale Technokraten, die strukturelle wirtschaftliche Reformen fordern, die staatliche B\u00fcrokratie schw\u00e4chen und das Land demokratisieren wollen; ihnen ist die Zusammenarbeit mit der EU und der USA daher unabdingbar. An diesen Linien fallen die Lager zwischen Putin und Medwedew auseinander.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>derStandard.at<\/strong>: K\u00f6nnte es auch einen dritten Kandidaten geben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mangott<\/strong>: Das schlie\u00dfe ich aus. Zwar haben sowohl Putin als auch Medwedew immer wieder auf diese M\u00f6glichkeit hingewiesen, aber das halte ich f\u00fcr ein rein taktisches Man\u00f6ver. Schlie\u00dflich w\u00fcrde das bedeuten, dass Medwedew kein f\u00e4higer Pr\u00e4sident gewesen ist und Putin sich selbst nicht zutraut, das Land erneut anzuf\u00fchren. Das Szenario vom &#8220;dritten Mann&#8221; dient dazu, die \u00f6ffentliche Debatte nicht auf die Rivalit\u00e4t zwischen Putin und Medwedew zu verengen. (flon\/derStandard.at, 21.4.2011)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quelle: http:\/\/derstandard.at\/1303291058824\/Medwedew-wird-nicht-gegen-Putin-antreten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Medwedew wird nicht gegen Putin antreten&#8221; von Florian Niederndorfer\u00a0 |\u00a0 21. 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