{"id":1623,"date":"2010-12-27T20:23:32","date_gmt":"2010-12-27T19:23:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=1623"},"modified":"2010-12-27T22:14:43","modified_gmt":"2010-12-27T21:14:43","slug":"chodorkovskij-motivlagen-fuer-eine-einkerkerung-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=1623","title":{"rendered":"chodorkovskij &#8211; motivlagen f\u00fcr eine einkerkerung (teil 1)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/chodorkovskij.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1630\" style=\"padding-right: 10px;\" title=\"chodorkovskij\" src=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/chodorkovskij.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"124\" \/><\/a>Es ist zweifellos (auch) ein politisches Urteil \u2500 am Ende eines Justizverfahrens, das gravierende rechtsstaatliche M\u00e4ngel aufzuweisen hatte. Nur kurze Zeit vor der Enthaftung Chodorkovskij\u2019s nach acht Jahren in Gef\u00e4ngnissen, wird das \u201a\u00c4rgernis\u2018 wieder weggesperrt \u2013 auch wenn noch nicht bekannt ist, wieviele Haftjahre der Richter verh\u00e4ngen wird. Die Motivlagen aber, die den Urteilen 2005 und 2010 zugrunde liegen, sind andere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nDie Verhaftung Michail Chodorkovskij\u2019s \u2013 Miteigent\u00fcmer der Menatep-Holding und des \u00d6lunternehmens Jukos \u2500,  im Oktober 2003, l\u00e4sst sich vor allem durch drei Faktoren erkl\u00e4ren. Zun\u00e4chst sind die wirtschaftlichen Faktoren zu benennen: Durch die im April 2003 angek\u00fcndigte Fusion von Jukos mit der Roh\u00f6lfirma Sibneft sollte das gr\u00f6\u00dfte russl\u00e4ndische Erd\u00f6lunternehmen entstehen, das damals 31 Prozent der Roh\u00f6lproduktion des Landes kontrolliert h\u00e4tte. Das Mehrheitseigentum des fusionierten Energieunternehmens sollte aber an die Konzerne ExxonMobil und Chevron Texaco verkauft werden. Die F\u00fchrung um Putin lehnte die Ver\u00e4u\u00dferung eines derart hohen Anteils an der Roh\u00f6lf\u00f6rderung Russlands an ausl\u00e4ndische Unternehmen aus volkswirtschaftlichen Gr\u00fcnden kategorisch ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nZudem dr\u00e4ngte Putin auf die Ausweitung der staatlichen Kontrolle \u00fcber die Roh\u00f6lf\u00f6rderung. Anders als der Gasmarkt, war der Roh\u00f6lsektor zuvor privatisiert worden. Der Anteil staatlicher \u00d6lunternehmen (Transneft, Rosneft) an der \u00d6lf\u00f6rderung war auf 11 Prozent zur\u00fcckgegangen. Durch die Renationalisierung dieses Sektors sollte die strategische Vision Putins, das Land durch finanzstarke Rohstoffunternehmen zu modernisieren, durchgesetzt werden. Im Zuge der Renationalisierung konnten aber auch Gefolgsleute Putins finanziell entsch\u00e4digt und B\u00fcndnisgenossen gekauft werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nDer wichtigste politische Faktor war Putins Dr\u00e4ngen, sich aus der Umklammerung des Elitenkartells um Boris El\u2019cin zu befreien. Chodorkovskij war Mitglied des Kartells, ausgezeichnet vernetzt, und hatte mit dem Stabschef Putins \u2013 Aleksander Volo\u0161in \u2013 auch einen m\u00e4chtigen Besch\u00fctzer. Die Verhaftung Chodorkovskijs im Oktober 2003, der damit erzwungene R\u00fccktritt Volo\u0161ins und die im Februar 2004 vorgenommene Entlassung von Michail Kasjanov \u2013 ein weiteres Mitglied des alten Kartells \u2013 als Ministerpr\u00e4sident ,erm\u00f6glichte Putin, sich endg\u00fcltig aus der Abh\u00e4ngigkeit des alten Elitenkartells zu emanzipieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nDen strategischen wirtschaftlichen und politischen Zielen Putins stand Chodorkovskij auch durch die (mutma\u00dflich) versuchte Bestechung von Mitgliedern der Staatsduma entgegen; der Unternehmer konnte immer wieder Gesetzesvorlagen der Regierung im Parlament blockieren \u2500 insbesondere die h\u00f6here Besteuerung der Roh\u00f6lf\u00f6rderung des -exports. Anders als ab 2004 hatte Putin damals noch keine gesicherten Abstimmungsmehrheiten in der Staatsduma. Der (mutmassliche) Stimmenkauf von Chodorkovskij blockierte Putins Absichten, die Kontrolle \u00fcber die Abgeordneten durch eine Staatspartei zu erreichen, immer wieder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\nErheiternd sind die immer wieder ge\u00e4u\u00dferten Vermutungen, Putin h\u00e4tte Chodorkovskij ausschalten wollen, weil dieser regimekritische liberale Parteien unterst\u00fctzt habe. Der Unternehmer hat (mutmasslich) Abgeordnete aller Parteien finanziell \u201aunterst\u00fctzt\u2018, um die legislative Agenda zu beeinflussen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Motivlage f\u00fcr das gegenw\u00e4rtige Urteil wird im n\u00e4chsten Blogeintrag untersucht.<\/em><\/p>\n<p style=\"font-size: 9px; text-align: justify;\">Foto: Neue Z\u00fcrcher Zeitung (http:\/\/www.nzz.ch\/nachrichten\/politik\/international\/chodorkowski _gericht__1.2082445.html)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist zweifellos (auch) ein politisches Urteil \u2500 am Ende eines Justizverfahrens, das gravierende rechtsstaatliche M\u00e4ngel aufzuweisen hatte. Nur kurze Zeit vor der Enthaftung Chodorkovskij\u2019s nach acht Jahren in Gef\u00e4ngnissen, wird das \u201a\u00c4rgernis\u2018 wieder weggesperrt \u2013 auch wenn noch nicht bekannt ist, wieviele Haftjahre der Richter verh\u00e4ngen wird. 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