{"id":1604,"date":"2010-11-29T22:53:14","date_gmt":"2010-11-29T21:53:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=1604"},"modified":"2010-12-07T18:27:32","modified_gmt":"2010-12-07T17:27:32","slug":"russland-zonen-vitaler-interessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=1604","title":{"rendered":"russlands zonen vitaler interessen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/hinterhof.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1605\" style=\"padding-right: 10px;\" title=\"hinterhof\" src=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/hinterhof.jpg\" alt=\"\" width=\"140\" height=\"92\" \/><\/a>Russland ist verwundbar geworden. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat gezeigt, wie anf\u00e4llig das Land f\u00fcr externe Schocks ist. Wenn Marktpreise und Nachfrage nach Energietr\u00e4gern und Metallen sinken, steigt das Haushaltsdefizit, die volkswirtschaftliche Leistung stagniert, staatliche Ausgaben \u2500\u00a0 auch f\u00fcr milit\u00e4rische Belange \u2500 werden beschnitten.\u00a0 Der Arbeitsmarkt ger\u00e4t unter Druck, nicht zuletzt f\u00fcr die Arbeitsmigranten aus den Nachbarl\u00e4ndern Russlands. Das schw\u00e4cht die weiche Macht (soft power) Russlands in diesem Raum, das russl\u00e4ndische Modell verliert an attraktiver Zugkraft; Investitionen russischer Unternehmen auf diesen Auslandm\u00e4rkten gehen zur\u00fcck und damit ein wichtiger Hebel, die Nachbarstaaten wirtschaftlich und finanziell zu kontrollieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All dies verringert Russlands Kraft, die vitalen Interessen in diesen L\u00e4ndern durchzusetzen. Das h\u00e4lt Russland nicht davon ab, die Nachbarl\u00e4nder als besondere Einflu\u00dfzone anzusehen, die gegen das Vordringen anderer M\u00e4chte \u2013 allen voran der USA, aber auch der EU \u2013 verteidigt werden m\u00fcsse. Den Anspruch auf besondere Einflu\u00dfzonen zu bestreiten, ist m\u00fc\u00dfig. Gro\u00dfm\u00e4chte haben Zonen vitaler Interessen. Das gilt f\u00fcr Russland ebenso wie f\u00fcr die USA, China aber auch die EU. Die Anstrengungen der EU, den s\u00fcdlichen Gaskorridor durchzusetzen, ist in deren vitalem wirtschaftlichen Interesse, aber eben auch ein Versuch, besondere Pr\u00e4senz und Einfluss in der S\u00fcdflanke Russlands zu sichern. Die Instrumente, um solche besonderen Einflusssph\u00e4ren zu schaffen und zu stabilisieren sind vielf\u00e4ltig: dazu geh\u00f6ren weiche Macht wie harte Macht, im Fall Russlands auch milit\u00e4rische Macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Ukraine und im s\u00fcdlichen Kaukasus \u00fcberlagern sich die hegemonialen Anspr\u00fcche Russlands, der USA und der EU. Die Ukraine ist ob ihrer geopolitischen Lage sowohl f\u00fcr die EU und die USA als auch f\u00fcr Russland eine strategische Zone. Der Wettbewerb um strategische Kontrolle \u00fcber dieses Land ist scharf und zuweilen aggressiv. Diese Rivalit\u00e4t zu leugnen w\u00e4re absurd \u2013 f\u00fcr alle daran beteiligten Akteure. Russland hat seit dem Machtwechsel in Kiiv seine Interessen st\u00e4rker durchsetzen k\u00f6nnen; die USA und die EU haben relativ an Einfluss verloren. Aber auch die russische F\u00fchrung kann die ukrainische Elite nicht nach eigenem Willen kontrollieren und lenken. Auch ist der Versuch, die hegemoniale Kontrolle \u00fcber die Ukraine zu errichten, reversibel; nicht zuletzt weil auch innerhalb der Ukraine starke Kr\u00e4fte \u2013 allen voran die finanzstarken Eigent\u00fcmer des Rohstoff- und Schwerindustriesektors \u2013 gegen die russische Bevormundung wirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Russland vorzuwerfen, die politische, wirtschaftliche und milit\u00e4rische Kontrolle \u00fcber seine Nachbarstaaten zu erlangen, ist absurd. Alle Gro\u00dfm\u00e4chte folgen dieser Logik \u2013 Russland eben auch. Aber ebenso ist es nachvollziehbar, warum andere Staaten diesem Kontrollanspruch mit eigenen Mitteln und Instrumenten entgegenwirken (sollten). Der russischen Hinterhofpolitik gilt es, westliche Vorhofpolitik entgegenzusetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Foto: http:\/\/www.fensterzumhof.eu\/bilder\/v\/Berliner-Hinterhoefe\/hausbesetzer-rigaer-strasse-hinterhof.html<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Dieser Text ist am 7.12.2010 in der Tageszeitung &#8216;Wiener Zeitung&#8217; erschienen.<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Russland ist verwundbar geworden. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat gezeigt, wie anf\u00e4llig das Land f\u00fcr externe Schocks ist. 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