{"id":160,"date":"2007-06-08T07:14:10","date_gmt":"2007-06-08T06:14:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=160"},"modified":"2014-05-01T16:02:47","modified_gmt":"2014-05-01T14:02:47","slug":"das-radar-von-heiligendamm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=160","title":{"rendered":"Das Radar von Heiligendamm&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"image159\" class=\"alignleft\" src=\"..\/wp-content\/radar.jpg\" alt=\"radar.jpg\" width=\"85\" height=\"96\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Angebot Putins auf dem G-8 Treffen in Heiligendamm, im Bereich der Raketenabwehr (MD) mit der USA zusammenzuarbeiten, hat vor allem politische Absichten, l\u00e4sst aber eine Vielzahl an milit\u00e4risch-technischen Fragen offen, an denen das Projekt vermutlich scheitern d\u00fcrfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Putin wollte nach der eskalativ-aggressiven Rhetorik der vergangenen Wochen in Heiligendamm als derjenige auftreten, der konkrete \u2013 und scheinbar konstruktive \u2013 L\u00f6sungsversuche anbietet. Zudem dr\u00e4ngt er die USA damit, zu zeigen, wie ernst deren Versprechen, im MD-Bereich mit Russland zusammenzuarbeiten, zu nehmen ist. Nicht zuletzt aber dient diese Offerte auch dazu, die MD-Pl\u00e4ne der USA in Tschechien und Polen zu verz\u00f6gern; nun, da die russl\u00e4ndische Offerte am Tisch liegt, kommen die USA unter \u00f6ffentlichen Rechtfertigungsdruck, wenn sie das MD-Projekt in Osteuropa nicht zumindest aussetzen; die USA sieht sich gen\u00f6tigt, den ernsten Willen zu zeigen, das russl\u00e4ndische Angebot zu diskutieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die offenen milit\u00e4risch-technischen Fragen aber sind zahlreich: Die derzeitige russl\u00e4ndische Radaranlage (LPAR-Radar, Large-Phased Array Radar) im azerbajdzanischen Qabala mit einer Reichweite von ann\u00e4hernd 6.000 km ist Teil des russl\u00e4ndischen Fr\u00fchwarnsystems. Die 1985 in Betrieb genommene Radaranlage \u2013 auf Basis der in den siebziger Jahren entwickelten sowjetischen Radartechnologie \u2013 muss dringend modernisiert werden; US-Radartechnologie w\u00e4re dazu \u00e4usserst willkommen. Zudem k\u00f6nnten damit kostenintensive russische Pl\u00e4ne, ein Ersatzradarsystem im n\u00f6rdlichen Kaukasus zu errichten, vermieden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch ist das russl\u00e4ndische Qabala-Radar nur eine geleaste azerbajdzanische Anlage, aber kein russl\u00e4ndisches Eigentum auf einem offiziellen Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt; dazu k\u00f6nnte der neue Vorschlag aber f\u00fchren; vor allem aber w\u00e4re damit eine langfristige russl\u00e4ndische Pr\u00e4senz in Azerbajdzan garantiert. Offen ist, ob Russland bereit ist, einen solchen St\u00fctzpunkt gemeinsam mit der USA zu nutzen, oder lediglich den Zugang von US-Experten zu einer im Kern russl\u00e4ndischen Anlage einr\u00e4umen will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ausserdem w\u00e4re im Rahmen dieser Initiative m\u00f6glich, das technisch eingeschr\u00e4nkt nutzbare russl\u00e4ndische Radar durch ein modernes X-Band Radar zu ersetzen, das die Qualit\u00e4t der Radarleistung deutlich erh\u00f6hen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das wichtigste aber w\u00e4re, dass Russland durch die Verhinderung der Radaranlage im tschechischen Jince sicherstellt, dass der bedrohlichste Aspekt dieses US-Unterfangens \u2013 die radargest\u00fctzte milit\u00e4rische \u201aAushorchung\u2019 Zentralrusslands \u2013 vermieden werden kann. Das Qabala-Radar w\u00fcrde nach S\u00fcden, nicht aber nach Norden \u201ablicken\u2019.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Offen ist aber die entscheidende Frage, ob damit auch die Pl\u00e4ne zur Stationierung von Interzeptoren in Polen hinf\u00e4llig sind. Die f\u00fcr die Zerst\u00f6rung feindlicher (iranischer) Raketen in deren mittlerer Flugbahn (midcourse-defence) gedachte Anlage k\u00f6nnte durch eine Raketenbatterie in Azerbajdzan ersetzt werden, die feindliche Raketen in deren Startphase (boost-phase defence) abf\u00e4ngt. Derartige kinetische Interzeptoren w\u00e4ren keine Gefahr f\u00fcr die russl\u00e4ndischen Interkontinentalraketen. Putin aber deutete zuletzt an, die Abfangraketen k\u00f6nnten in der T\u00fcrkei oder seegest\u00fctzt im Kaspischen Meer stationiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Risiko dieses Vorschlages f\u00fcr Russland aber ist eine deutliche Verschlechterung der Beziehungen zum Iran. Diese wurde ohnehin bereits durch die von Russland ausgesetzte Lieferung nuklearer Brennst\u00e4be an das iranische Nuklearkraftwerk Busher getr\u00fcbt. Die Errichtung eines hochaufl\u00f6senden Radars 160 km von der n\u00f6rdlichen Grenze Irans entfernt, w\u00e4re f\u00fcr Iran ein milit\u00e4risch aggressiver Akt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der russl\u00e4ndische Vorschlag wird in den kommenden Wochen auf politischer und milit\u00e4risch-technischer Ebene diskutiert werden. Anzunehmen ist, dass dabei die zahlreichen offenen milit\u00e4risch-technischen Fragen zum Scheitern der Initiative f\u00fchren werden. Dann aber kann Russland der USA die Schuld daran zuschieben, w\u00e4hrend letztere wohl versuchen wird, diesen Eindruck zu verschleiern, und das Scheitern auf \u201aberechtigte Sorgen\u2019 der azerbajdzanischen F\u00fchrung zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Angebot Putins auf dem G-8 Treffen in Heiligendamm, im Bereich der Raketenabwehr (MD) mit der USA zusammenzuarbeiten, hat vor allem politische Absichten, l\u00e4sst aber eine Vielzahl an milit\u00e4risch-technischen Fragen offen, an denen das Projekt vermutlich scheitern d\u00fcrfte. 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