{"id":131,"date":"2007-03-23T11:14:36","date_gmt":"2007-03-23T10:14:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=131"},"modified":"2014-05-01T16:06:02","modified_gmt":"2014-05-01T14:06:02","slug":"russlands-nukleararsenal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=131","title":{"rendered":"Russlands Nukleararsenal"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"image132\" class=\"alignleft\" src=\"..\/wp-content\/start-mbr-topol-plesetsk.jpg\" alt=\"start-mbr-topol-plesetsk.jpg\" width=\"65\" height=\"96\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Wahrung der wechselseitigen Vernichtungskapazit\u00e4t zwischen den USA und Russland (Mutual Assured Destruction, MAD) z\u00e4hlt noch immer zu den Kernparametern russl\u00e4ndischer Verteidigungspolitik. Trotz substantieller Steigerung der nominellen und realen Milit\u00e4r- und Verteidigungsausgaben Russlands seit 2001 (gemessen als Anteil am BIP sind die Ausgaben aber r\u00fcckl\u00e4ufig) kann Russland sein derzeitiges nuklear best\u00fccktes Raketenarsenal und die Zahl seiner operativen Nuklearsprengk\u00f6pfe nicht aufrecht erhalten. Auch ist Russland die kostenintensive Lagerung nicht-operativer Sprengk\u00f6pfe (hedging), die durch den SOR-Vertrag erlaubt ist, anders als den USA aus finanziellen Gr\u00fcnden nur begrenzt m\u00f6glich. Russland wird daher gegen\u00fcber den USA sowohl bei den Tr\u00e4gersystemen, den operativen Sprengk\u00f6pfen als auch bei den gelagerten, aber in kurzer Zeit reaktivierbaren Sprengk\u00f6pfen deutlich zur\u00fcckfallen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die strukturelle Schw\u00e4che der Streuung des Nukleararsenals auf ICBMs, SLBMs und Bomber, die bereits f\u00fcr das sowjetischen Nukleararsenal gegolten hat, wird sich bis auf weiteres nicht \u00e4ndern: Russland wird seine Nuklearkapazit\u00e4t weiterhin vorrangig auf landgest\u00fctzte ICBMs abst\u00fctzen (m\u00fcssen); die geringe Zahl seegest\u00fctzter Interkontinentalraketen (SLBMs) wird auch in absehbarer Zeit erhalten bleiben. Das erh\u00f6ht die Verwundbarkeit des russl\u00e4ndischen Nukleararsenals gegen\u00fcber einem atomaren Erstschlag, die auch durch mobile ICBMs nur geringf\u00fcgig abgesenkt werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch die Zahl der landgest\u00fctzten russl\u00e4ndischen Intercontinental Ballistic Missiles (ICBMs) nimmt seit Jahren ab. Russland will eine verschlankte aber hocheinsatzf\u00e4hige landgest\u00fctzte Nuklearkapazit\u00e4t aufrechterhalten. Die Strategischen Raketenstreitkr\u00e4fte, die seit 2001 direkt dem Generalstab untergeordnet sind, verf\u00fcgten 2006 \u00fcber folgende ICBMs (die meisten St\u00fcckzahlen stammen von www.russianforces.org):<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d8 2006 waren noch 80 SS-18 \u201aSatan\u2019 (RS-20V Voevoda) stationiert. Russland hat die Einsatzbereitschaft der mit 10 Sprengk\u00f6pfen (Multiple Independently-Targetting Reentry Vehicles, MIRVs) ausgestatteten, 1979 erstmals aufgestellten, SS-18 bis 2018 verl\u00e4ngert. Mit dieser ICBM sind damit 800 Sprengk\u00f6pfe einsetzbar. Durch den Austritt Russlands aus dem Start-2 Vertrag (Juni 2002) nach der K\u00fcndigung des ABM-Vertrages durch die USA (Dezember 2001) war die Nutzung der MIRV-Technologie wieder erlaubt. Diese wurde auch durch den SOR-vertrag nicht wieder beseitigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d8 2006 verf\u00fcgte Russland \u00fcber 126 SS-19 \u201aStiletto\u2019 (UR-100 N-UTT\u010c) Die Einsatzbereitschaft der SS-19, die mit 6 MIRVs ausgestattet sind, wird bis 2030 gegeben sein. Die SS-19 wurde erstmals 1980 in Dienst gestellt. \u00dcber diese Rakete sind 756 nukleare Sprengk\u00f6pfe einsetzbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d8 Russland verf\u00fcgte 2006 noch \u00fcber 252 mit einem Einfachsprengkopf best\u00fcckte, und 1985 erstmals in Betrieb genommene, SS-25 \u201aTopol\u2019 mit insgesamt 252 Sprengk\u00f6pfen. Dieses bisherige R\u00fcckgrat des ICBM-Arsenals Russlands n\u00e4hert sich rasch dem Ende der Einsatzf\u00e4higkeit; es wird in den n\u00e4chsten Jahren sehr rasch reduziert werden (m\u00fcssen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d8 Das ambitionierte Programm zur Stationierung der 1997 erstmals aufgestellten SS-27 \u201aTopol-M silo\u2019 (RT-2PM2) \u2013 die die \u00e4lteren Raketentypen wie SS-18, SS-19 und SS-25 schrittweise ersetzen soll \u2013 ist bislang durch finanzielle Restriktionen noch beinahe im Anfangsstadium. Die in Silos gelagerte Topol-M silo bef\u00f6rdert eine Nutzlast von 1.2 Tonnen und ist derzeit nur mit jeweils einem Sprengkopf ausger\u00fcstet; in den n\u00e4chsten Jahren sollen die SS-27 aber mit MIRV-Technologie ausgestattet werden. Bis 2006 wurden 42 SS-27 mit einer Sprengkopfzahl von 42 stationiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d8 2006 wird erstmals auch die mobile landgest\u00fctzte Variante der Topol-M, die SS-27 \u201aTopol-M mobile\u2019 aktiviert. Bis Jahresende 2006 wurden 3 dieser Raketen mit insgesamt 3 Sprengk\u00f6pfen stationiert. Geplant ist aber die Aufr\u00fcstung der landgest\u00fctzten mobilen Topol-M auf drei IRVs. Ende 2006 waren damit nur 45 Topol-M Raketen stationiert. In einer Erkl\u00e4rung vor der Staatsduma am 14. Februar 2007 erkl\u00e4rte der damalige Verteidigungsminister Ivanov, 2007 sollen 17 neue und bis 2015 zus\u00e4tzliche 69 Topol-M stationiert werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Strategischen Raketentruppen verf\u00fcgten damit Ende 2006 \u00fcber 503 ICBMs mit insgesamt 1.853 Sprengk\u00f6pfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die seegest\u00fctzte Nuklearkapazit\u00e4t Russlands ist quantitativ schw\u00e4cher ausgepr\u00e4gt als das landgest\u00fctzte ICBM-Arsenal. Russland war als Kontinentalmacht im Bereich der SLBMs immer deutlich schw\u00e4cher ausgestattet als im Bereich der ICBMs \u2013 und damit auch strategisch verwundbarer, v.a. bei den silogest\u00fctzten ICBMs. Der weitere Ausbau im SLBM-Bereich wird im n\u00e4chsten Jahrzehnt v.a. aufgrund der technischen Schwierigkeiten mit der neuen SLBM Bulava und durch das Fehlen einer modernen U-Boot-Flotte gehemmt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Strategische Flotte ist in die russl\u00e4ndische Marine integriert. Dieser Einsatzverband verf\u00fcgt derzeit \u00fcber 14 einsetzbare strategische Nuklear-Unterseebote: 2 der Typhoon-Klasse (Dmitrij Donskoj, Archangelsk), 6 Delta IV und 6 Delta III. 1990 hatte die sowjetische Marine noch \u00fcber 62 einsetzbare strategische U-Boote verf\u00fcgt. Bereits f\u00fcr 2006 war ein neues strategisches nukleares U-Boot der f\u00fcnften Generation, der Borej-Klasse angek\u00fcndigt; diese \u201aJurij Dolgorukij\u2019 befindet sich derzeit im Maschinenbaubetrieb Severodvinsk inmer noch im Bau. Bis 2010\/12 sollen davon 3 in Dienst gestellt werden. Die neue Generation der strategischen U-Boote ist deutlich kleiner (Wasserverdr\u00e4ngung von 12.000 metrischen Tonnen, Typhoon-Klasse 25.000 mT), sie ist schwerer aufzusp\u00fcren und besser bewaffnet. Insgesamt sollen nach Angaben des Oberkommandierenden der Marine, Flottenadmiral Kurojedov, 12\u201315 derartige strategische U-Boote angeschafft werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Raketenbest\u00fcckung der atomaren U-Boot Flotte besteht aus:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d8 84 SS-N-18 SLBMs mit jeweils 3 Sprengk\u00f6pfen; das ergibt insgesamt 252 operative Sprengk\u00f6pfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d8 96 SS-N-23 SLBMs mit jeweils 4 Sprengk\u00f6pfen; dies sind insgesamt 384 Sprengk\u00f6pfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00d8 Seit 2004 testet die russl\u00e4ndische Marine die neue SLBM SS-N-30 \u201aBulava\u2019, deren Reichweite bei 10.000 km liegt. Die Rakete kann bis zu 10 einzeln lenkbare Sprengk\u00f6pfe (IRVs) aufnehmen. Die Bulava SLBM sollte an sich 2007 eingesetzt werden, angesichts von drei fehlgeschlagenen Tests in 2005 und 2006 wurde die Kommissionierung aber verschoben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf 180 seegest\u00fctzten SLBMs hat Russland derzeit 636 operative Sprengk\u00f6pfe stationiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die luftgest\u00fctzte Nuklearkapazit\u00e4t Russlands st\u00fctzt sich auf drei verschiedene Bombertypen: Russland verf\u00fcgte 2006 \u00fcber 79 strategische Bomber: 15 Tupolev-160 (Blackjack), die sukzessive modernisiert werden, 32 Tu-95 MS6 (Bear H16) und 32 Tu-95 MS16 (Bear H16). Die strategischen Bomber tragen luftabgefeuerte Marschflugk\u00f6rper des Typs AS-15A bzw. AS-15B und Angriffsraketen des Typs AS-16.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt k\u00f6nnen mit der strategischen Bomberflotte 884 Marschflugk\u00f6rper und Bomben eingesetzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bilanz<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Russland verf\u00fcgte mit Jahresende 2006 damit \u00fcber 503 landgest\u00fctzte ICBMs mit insgesamt 1.853 Sprengk\u00f6pfen und 180 seegest\u00fctzte SLBMs mit 636 Sprengk\u00f6pfen (alle mit MIRV-Technologie). \u00dcber die strategischen Bomber der Typen TU-95MS6\/16 und die TU-160 sind 884 Sprengk\u00f6pfe einsetzbar. Das ergibt 3.373 strategisch einsetzbare nukleare Sprengk\u00f6pfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Die operativen strategischen Sprengk\u00f6pfe sind wie bereits erw\u00e4hnt \u00fcberwiegend landgest\u00fctzt: 54.9 Prozent sind auf ICBMs montiert, 18.9 Prozent sind seegest\u00fctzt einsetzbar, 26.2 Prozent auf strategischen Bombern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wahrung der wechselseitigen Vernichtungskapazit\u00e4t zwischen den USA und Russland (Mutual Assured Destruction, MAD) z\u00e4hlt noch immer zu den Kernparametern russl\u00e4ndischer Verteidigungspolitik. 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