{"id":1252,"date":"2009-08-07T12:48:16","date_gmt":"2009-08-07T11:48:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=1252"},"modified":"2009-08-07T12:48:16","modified_gmt":"2009-08-07T11:48:16","slug":"russland-hat-an-ansehen-eingebuesst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=1252","title":{"rendered":"&#8230; russland hat an ansehen eingeb\u00fcsst &#8230;"},"content":{"rendered":"<p><!--[endif]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/zchinvali176.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1255\" style=\"padding-right: 7px;\" title=\"zchinvali176\" src=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/zchinvali176.jpg\" alt=\"zchinvali176\" width=\"188\" height=\"144\" srcset=\"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/zchinvali176.jpg 750w, https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/zchinvali176-300x231.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><\/a><em>Am 8. August 2008 eskalierte mit dem Angriff georgischer Verb\u00e4nde auf die s\u00fcdossetische Hauptstadt der Konflikt zwischen Georgien und Russland. derStandard.at hat mit dem Innsbrucker Politikwissenschafter und ausgewiesenen Russland-Experten Gerhard Mangott \u00fcber die Ursachen und Folgen des blutigen Kriegs ein Jahr danach gesprochen.<\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><em>derStandard.at<\/em>: Vor einem Jahr begann der Sommerkrieg zwischen Georgien und Russland. Was bedeutet der milit\u00e4rische Sieg Moskaus f\u00fcr den Rest der Region in der Retrospektive?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Gerhard Mangott: In vielerlei Hinsicht hat Russland diesen Konflikt gewonnen. Es hat die Kontrolle \u00fcber diese Region gewonnen, ist milit\u00e4risch pr\u00e4sent, hat Beistandspakte geschlossen. Gleichzeitig ist der georgische Pr\u00e4sident Micheil Saakaschwili in seinem Land und auch gegen\u00fcber wichtigen Verb\u00fcndeten im Westen stark diskreditiert. Auch an diesem Punkt hat sich Moskau klar durchgesetzt, auch weil eine NATO-Mitgliedschaft f\u00fcr Georgien deshalb auf mittlere Sicht nicht m\u00f6glich ist. Die Problematik f\u00fcr Russland ist aber, dass dieser Krieg verdeutlicht hat, dass dieses Land f\u00fcr strategische Interessen bereit und f\u00e4hig ist, milit\u00e4rische Mittel einzusetzen. Das hat zu einem gesteigerten Misstrauen gegen\u00fcber Russland in Zentralasien und im Kaukasus gef\u00fchrt und hat es an Ansehen gekostet.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><em>derStandard.at<\/em>: Russland hat in den vergangenen Tagen seine Truppen im S\u00fcden in erh\u00f6hte Kampfbereitschaft gestellt, die OSZE bezeichnete die Lage als instabil. Droht ein neuer Waffengang?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Gerhard Mangott: Nein, von georgischer Seite derzeit nicht, weil die georgische Armee nicht mehr \u00fcber die milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung und Ausbildung verf\u00fcgt, um eine \u201eR\u00fcckgewinnung&#8221; dieser Gebiete zu erreichen. Zudem k\u00f6nnte Saakaschwili f\u00fcr eine solche Strategie auf keinerlei R\u00fcckendeckung aus dem Ausland hoffen, im Gegenteil, vor allem die US-Regierung \u00fcbt starken Druck auf ihn aus, kein neues milit\u00e4risches Risiko einzugehen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><em>derStandard.at<\/em>: Und von russischer Seite?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Gerhard Mangott: Dort hat man milit\u00e4risch nichts zu gewinnen. Schlie\u00dflich ist die von Saakaschwili gerne betonte Bedrohung seiner Regierung und seines Landes durch Russland nicht realistisch, auch wenn die Betonung der russischen Aggressivit\u00e4t nat\u00fcrlich ganz im Sinne Saakaschwilis ist. Diese Scharm\u00fctzel der letzten Tage dienen eher einer Gebietsarrondierung durch S\u00fcdossetien, das hei\u00dft dass man mit Hilfe Russlands versucht, einige wenige Quadratkilometer, einige kleine D\u00f6rfer in den aus russischer Sicht s\u00fcdossetischen Staatsverband zu integrieren. Eine milit\u00e4rische Auseinandersetzung ist dar\u00fcber nicht zu erwarten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><em>derStandard.at<\/em>: Warum kann sich Saakaschwili noch immer an der Macht halten?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Gerhard Mangott: Das h\u00e4ngt vor allem mit der starken Fragmentierung der georgischen Opposition zusammen, einerseits aufgrund inhaltlicher Differenzen, andererseits weil es sehr viele politische Figuren gibt, die ihrer eigenen politischen Bewegungen vorstehen wollen. Es gibt keine charismatische F\u00fchrungsperson in der Opposition, die ideologisch \u00fcbergreifend und einigend wirken kann. Es hat sich gezeigt, dass sich trotz der schon vor der gegenw\u00e4rtigen Wirtschaftskrise schwierigen sozialen Lage, der oft kritisierten Korruption und rechtsstaatlichen Missst\u00e4nden, die Opposition einfach nicht kraftvoll genug ist, um Saakaschwili von der Macht zu verdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><em>derStandard.at<\/em>: Wie w\u00fcrde die US-Politik gegen\u00fcber Georgien aussehen, w\u00e4re John McCain Pr\u00e4sident geworden?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Gerhard Mangott: Ein wesentlicher Grund, warum Saakaschwili im vergangenen Sommer die Konfrontation mit Russland gesucht hat, war die \u00dcberlegung, dass es m\u00f6glicherweise ein sehr enges Zeitfenster f\u00fcr Georgien geben k\u00f6nnte, der NATO beizutreten oder sich ihr l\u00e4ngerfristig anzun\u00e4hern. Es war klar, dass das mit John McCain auch gegen deutschen und franz\u00f6sischen Widerstand funktionieren w\u00fcrde, wie dieser mehrfach deutlich gemacht hat. Aber es war im August schon relativ klar, dass die Wahl eher von Obama gewonnen wird. So hat Saakaschwili versucht, durch die Niederschlagung der Separatisten Fakten zu schaffen, die eine Ann\u00e4herung an die NATO erleichtert h\u00e4tten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><em>derStandard.at<\/em>: Dann hat Saakaschwili mit seiner Angst vor Obama Recht behalten?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Gerhard Mangott: Die Sorge Georgiens, dieses Zeitfenster nicht mehr nutzen zu k\u00f6nnen, ist Realit\u00e4t geworden. Obama hat jenseits der rhetorischen Ank\u00fcndigungen, Georgien weiter zu unterst\u00fctzen, kein Interesse, dieses Thema voranzutreiben, vor allem wegen des Konfliktpotenzials mit Russland. Beim Besuch von US-Vizepr\u00e4sident Joseph Biden in Tiflis hat dieser doch recht deutliche Kritik an den Problemen Georgiens ge\u00e4u\u00dfert, vor allem was Rechtsstaatlichkeit, Korruption und die Checks and Balances in der Verfassung und der Realpolitik betrifft. Die USA haben auch deutlich gemacht, dass man auf absehbare Zeit keine Waffenlieferungen mehr machen will. In diesen Bereichen ist ein ganz klarer Bruch gegen\u00fcber der Bush-Administration zu erkennen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><em>derStandard.at<\/em>: Die s\u00fcdossetische Hauptstadt Zchinwali liegt noch immer gro\u00dfteils in Tr\u00fcmmern. Hat sich Moskau mit der Unterst\u00fctzung \u00fcbernommen?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Gerhard Mangott: Das ist gewisserma\u00dfen auch ein gro\u00dfes Risiko f\u00fcr Russland. Die Bev\u00f6lkerung hatte wahrscheinlich zu gro\u00dfe Erwartungen an Russland, die nicht erf\u00fcllt wurden. Vor allem in Abchasien, aber auch in S\u00fcdossetien hat sich eine gewisse Ern\u00fcchterung gegen\u00fcber Moskau breitgemacht, man beginnt langsam nachzufragen, wo die massive russische finanzielle und wirtschaftliche Hilfe geblieben ist. Dabei ist diese Hilfe ja tats\u00e4chlich gegeben, nur ist der Spielraum auf Russland auf wirtschaftlicher Ebene im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise kleiner geworden. Zweitens braucht Moskau sehr viel Geld, um im Nordkaukasus gegen die in den letzten Monaten erstarkten Islamisten anzuk\u00e4mpfen. Und der dritte Grund sind bestimmte Elemente in der s\u00fcdossetischen Regierung, die russische Gelder veruntreuen. Vieles, was eigentlich f\u00fcr den Wiederaufbau bestimmt war, verschwindet so in den Taschen korrupter Beh\u00f6rden. Die Russlandn\u00e4he der Abchasen ist ohnehin noch sehr viel geringer als in S\u00fcdossetien, wo die kulturelle und historische N\u00e4he zu Russland sehr viel st\u00e4rker ist. Zusammengefasst hei\u00dft das, dass Russland sehr viel Geld braucht, um seinen direkten Hinterhof zu befrieden, f\u00fcr S\u00fcdossetien bleibt da weniger \u00fcber.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><em>derStandard.at<\/em>: Stichwort Hinterhof: Wie gro\u00df ist der Einfluss des kremltreuen tschetschenischen Herrschers Ramzan Kadyrow au\u00dferhalb der Grenzen seines Landes?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Gerhard Mangott: Er ist in Ingutschetien au\u00dferordentlich stark gewesen, weil seine Strategie, den islamistischen Widerstand auszuschalten, dort als Erfolg angesehen wird. Es zeigt sich aber, dass selbst in Tschetschenien die Situation nicht so stabil ist, wie Kadyrow das immer wieder behauptet hat. Das schw\u00e4cht ihn nat\u00fcrlich auch in Inguschetien. (flon\/derStandard.at, 7.8.2009)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 8. 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