{"id":1240,"date":"2009-08-06T19:53:46","date_gmt":"2009-08-06T18:53:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=1240"},"modified":"2009-08-06T19:57:14","modified_gmt":"2009-08-06T18:57:14","slug":"kriegsgewinner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/?p=1240","title":{"rendered":"Kriegsgewinner"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/zchinvali033.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1243\" style=\"padding-right: 7px;\" title=\"zchinvali033\" src=\"http:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/zchinvali033.jpg\" alt=\"zchinvali033\" width=\"145\" height=\"204\" srcset=\"https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/zchinvali033.jpg 365w, https:\/\/www.gerhard-mangott.at\/wp-content\/uploads\/zchinvali033-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 145px) 100vw, 145px\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--[endif]--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Aus dem russisch-georgischen Krieg im August des letzten Jahres ist Russland als Gewinner hervorgegangen: Die sezessionistischen Regionen Abchasien und das s\u00fcdliche Ossetien sind f\u00fcr Georgien wohl dauerhaft verloren.<span> <\/span>Die georgische F\u00fchrung um Mikheil Saakashvili ist in den meisten Staaten der EU, aber auch in den USA diskreditiert; zu unberechenbar, zu emotional, zu verantwortungslos hat sich Saakashvili erwiesen. Zuletzt ist Saakashvili\u2019s Ansehen und Macht auch in Georgien selbst angeschlagen: durch seine umstrittene Rolle zu Beginn der milit\u00e4rischen Eskalation, aber auch durch die sozialen Verwerfungen und rechtsstaatlichen Missst\u00e4nde im Land. Zwar ist die Opposition fragmentiert und ohne einigende und charismatische F\u00fchrungsfigur; es wird ihr auch nicht gelingen, Saakashvili zum R\u00fccktritt zu zwingen; trotzdem aber kann sie den Handlungsspielraum Saakashvilis einengen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Russland hat seine milit\u00e4rische Pr\u00e4senz in Abchasien und S\u00fcdossetien verst\u00e4rkt; in beiden Regionen sind derzeit ann\u00e4hernd 8.000 Soldaten stationiert. Die Grenzsicherung wurde durch die Einheiten aus dem FSB \u00fcbernommen; mit beiden Regionen hat Russland milit\u00e4rische Beistandspakte abgeschlossen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Am sichtbarsten ist der \u201aSieg\u2018 Russlands aber in der Haltung der EU und der NATO. Beide haben die milit\u00e4rische Lage in Georgien zur Kenntnis genommen. Zwar wurden die Verhandlungen zwischen der EU und Russland \u00fcber ein neues Rahmenabkommen f\u00fcr einige Wochen ausgesetzt; rasch aber wurden sie wieder aufgenommen, obwohl Russland seine milit\u00e4rischen Einheiten nicht auf Zahl und Stationierungsort vor Ausbruch des Konflikts zur\u00fcckgezogen hatte; dies war aber ein wesentliches Element der von Frankreich ausgehandelten Waffenruhe vom 12. August gewesen. Zwar kommen die Verhandlungen \u00fcber das Rahmenabkommen kaum voran; dies ist aber nicht dem \u201aAugustkrieg\u2018 geschuldet, sondern Ausdruck zahlreicher Interessenunterschiede, die bereits vorher auszumachen gewesen waren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Aber auch die Verh\u00e4rtung zwischen der NATO und Russland ist einer pragmatischen Ann\u00e4herung gewichen. Nach der milit\u00e4rischen Eskalation in Georgien hatte Russland die milit\u00e4rischen Beziehungen mit der NATO (zumindest offiziell) g\u00e4nzlich eingestellt; das B\u00fcndnis selbst hatte die Konsultationen im Rahmen des NATO-Russland Rates ausgesetzt. Im vergangenen Mai hat sich die Allianz, wenn auch nicht einhellig, zur Abkehr von dieser Linie entschlossen. Deutschland und Frankreich sehen sich in ihrer Haltung auf dem NATO-Gipfel in Bukarest im April 2008 best\u00e4tigt, als sie die von den USA unterst\u00fctzte Ann\u00e4herung Georgiens an die NATO blockiert hatten. Die Mitgliedschaft Georgiens in der Allianz kann auf mittlere Sicht ausgeschlossen werden. Das Verhalten der EU und der NATO hat deutlich gemacht, dass beide abseits stehen, wenn ein drittes Land in eine milit\u00e4rische Auseinandersetzung mit Russland verwickelt ist. \u201aMourir pour Tbilissi\u2018 ist keine strategische Maxime der Russlandpolitik dieser B\u00fcndnisse.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Aber ungetr\u00fcbt ist der Ausgang des Augustkrieges auch f\u00fcr Russland nicht. Die Anerkennung der Unabh\u00e4ngigkeit Abchasiens und S\u00fcdossetiens war ein strategischer Fehler. Russland hatte beide Regionen ohnehin kontrolliert; sie als Spielmasse im geostrategischen Wettbewerb einzusetzen, w\u00e4re ohne diesen Schritt leichter gewesen. Die beiden Regionen in die Unabh\u00e4ngigkeit zu begleiten, hat Russland in diplomatische Isolation gef\u00fchrt. Auch die engsten Alliierten Russlands \u2013 Belarus, Armenien und die zentralasiatischen Staaten \u2013 haben die Anerkennung verweigert; angesichts der sezessionistischen Konflikte in Tibet, Xinxiang und Taiwan war auch China dazu nicht bereit.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Zur Selbstisolation kommt aber auch das Risiko, die Erwartungen der abchasischen und der s\u00fcdossetischen Bev\u00f6lkerung zu entt\u00e4uschen. Die Hoffnung auf einen raschen Wiederaufbau ist verflogen. Das ist zun\u00e4chst sicherlich auf unf\u00e4hige, korrupte und bisweilen kriminelle regionale politische Eliten zur\u00fcckzuf\u00fchren. Aber auch die finanzielle Unterst\u00fctzung durch Russland ist zu gering, um die Kriegssch\u00e4den rasch zu beseitigen. Die russische F\u00fchrung wird auch darauf achten m\u00fcssen, bei den zunehmenden Konflikten innerhalb der Eliten dieser Regionen eine umsichtige Rolle einzunehmen; wie wenig Russland dazu f\u00e4hig ist, zeigt es seit vielen Jahren im n\u00f6rdlichen Kaukasus.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Die s\u00fcdossetische Bev\u00f6lkerung steht Russland n\u00e4her, nicht zuletzt aufgrund der Landsleute im nordkaukasischen Ossetien. Die Abchasen aber sind gegen\u00fcber Russland misstrauisch; tief verankert sind die Erinnerungen an die Vertreibung der Abchasen durch die zaristischen Schergen in den kaukasischen Kriegen und die aggressive Ansiedlung von Russen und Georgiern; dadurch waren die Abchasen in ihrem eigenen Land zu einer kleinen Minderheit geworden. Die Osseten m\u00f6gen ihre staatliche Unabh\u00e4ngigkeit als transitorischen Zustand verste-hen und den Anschluss an Russland anstreben. Die Abchasen werden auf ihrer staatlichen Selbst\u00e4ndigkeit aber beharren, auch wenn dies zu Konflikten mit Russland f\u00fchren sollte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\">Russland hat den Krieg mit Georgien zu nutzen gewusst; der geostrategische Erfolg im s\u00fcdlichen Kaukasus und die Nachsicht der EU und der NATO sind eindr\u00fccklich. Das Ansehen Russlands aber ist gebrochen, das Misstrauen gegen die russische F\u00fchrung st\u00e4rker geworden; aber vielleicht denken die Machthaber in Moskau auch: \u201aM\u00f6gen sie uns hassen, solange sie uns f\u00fcrchten\u2018.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><em>Dieser Text ist am 7. August 2009 in der Tageszeitung &#8216;<a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/meinung\/gastkommentar\/500859\/index.do\">Die Presse<\/a>&#8216; erschienen.<\/em><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify;\"><em>Fotoquelle: http:\/\/www.allworldwars.com\/Battle%20for%20the%20South%20Ossetia%20August%202008.html<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem russisch-georgischen Krieg im August des letzten Jahres ist Russland als Gewinner hervorgegangen: Die sezessionistischen Regionen Abchasien und das s\u00fcdliche Ossetien sind f\u00fcr Georgien wohl dauerhaft verloren. 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